Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754.

Bild:
<< vorherige Seite
II. Th. 12. H. Von beschwerlichen
Das zwölfte Hauptstück.

Von den Tauschhandlungen oder
beschwerlichen Contracten.

§. 580.
Von be-
schwerli-
chen Con-
tracten.

Die Tauschhandlungen nennt man auch
beschwerliche Contracte (contra-
ctus onerosos).
Derowegen weil in
den beschwerlichen Contracten Sachen und
Thun mit einander vertauscht werden (§. 467.),
niemand aber verbunden ist einem andern et-
was umsonst zu geben und zu thun, wenn er
wiederum etwas geben oder thun kann (§.
473.); so muß in den beschwerlichen
Contracten die Gleichheit beobachtet
werden,
nämlich daß so viel, als der eine
leistet, der andere eben so viel ihm wieder lei-
sten muß; folglich wenn der beschwerli-
che Contract erfüllt worden, keiner
von denen, die ihn eingegangen, mehr
oder weniger hat, als er vorher hat-
te; und
deswegen keiner durch den Con-
tract bereichert wird (§. 271.). Wenn

demnach die contrahirende Theile mit
Wissen und Willen von der Gleichheit
abgehen; so ist es ein vermischter Con-
tract aus einem wohlthätigen und be-
schwerlichen.

§. 581.
Wenn ei-
ne Un-
gleichheit

Weil in einem beschwerlichen Contracte ei-
ne Gleichheit zu beobachten ist (§. 580.); so

ist
II. Th. 12. H. Von beſchwerlichen
Das zwoͤlfte Hauptſtuͤck.

Von den Tauſchhandlungen oder
beſchwerlichen Contracten.

§. 580.
Von be-
ſchwerli-
chen Con-
tracten.

Die Tauſchhandlungen nennt man auch
beſchwerliche Contracte (contra-
ctus oneroſos).
Derowegen weil in
den beſchwerlichen Contracten Sachen und
Thun mit einander vertauſcht werden (§. 467.),
niemand aber verbunden iſt einem andern et-
was umſonſt zu geben und zu thun, wenn er
wiederum etwas geben oder thun kann (§.
473.); ſo muß in den beſchwerlichen
Contracten die Gleichheit beobachtet
werden,
naͤmlich daß ſo viel, als der eine
leiſtet, der andere eben ſo viel ihm wieder lei-
ſten muß; folglich wenn der beſchwerli-
che Contract erfuͤllt worden, keiner
von denen, die ihn eingegangen, mehr
oder weniger hat, als er vorher hat-
te; und
deswegen keiner durch den Con-
tract bereichert wird (§. 271.). Wenn

demnach die contrahirende Theile mit
Wiſſen und Willen von der Gleichheit
abgehen; ſo iſt es ein vermiſchter Con-
tract aus einem wohlthaͤtigen und be-
ſchwerlichen.

§. 581.
Wenn ei-
ne Un-
gleichheit

Weil in einem beſchwerlichen Contracte ei-
ne Gleichheit zu beobachten iſt (§. 580.); ſo

iſt
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0408" n="372"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">II.</hi> Th. 12. H. Von be&#x017F;chwerlichen</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#fr">Das zwo&#x0364;lfte Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck.</hi> </head><lb/>
            <argument>
              <p> <hi rendition="#c"> <hi rendition="#b">Von den Tau&#x017F;chhandlungen oder<lb/>
be&#x017F;chwerlichen Contracten.</hi> </hi> </p>
            </argument><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 580.</head><lb/>
              <note place="left">Von be-<lb/>
&#x017F;chwerli-<lb/>
chen Con-<lb/>
tracten.</note>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>ie Tau&#x017F;chhandlungen nennt man auch<lb/><hi rendition="#fr">be&#x017F;chwerliche Contracte</hi> <hi rendition="#aq">(contra-<lb/>
ctus onero&#x017F;os).</hi> Derowegen weil in<lb/>
den be&#x017F;chwerlichen Contracten Sachen und<lb/>
Thun mit einander vertau&#x017F;cht werden (§. 467.),<lb/>
niemand aber verbunden i&#x017F;t einem andern et-<lb/>
was um&#x017F;on&#x017F;t zu geben und zu thun, wenn er<lb/>
wiederum etwas geben oder thun kann (§.<lb/>
473.); <hi rendition="#fr">&#x017F;o muß in den be&#x017F;chwerlichen<lb/>
Contracten die Gleichheit beobachtet<lb/>
werden,</hi> na&#x0364;mlich daß &#x017F;o viel, als der eine<lb/>
lei&#x017F;tet, der andere eben &#x017F;o viel ihm wieder lei-<lb/>
&#x017F;ten muß; folglich <hi rendition="#fr">wenn der be&#x017F;chwerli-<lb/>
che Contract erfu&#x0364;llt worden, keiner<lb/>
von denen, die ihn eingegangen, mehr<lb/>
oder weniger hat, als er vorher hat-<lb/>
te; und</hi> deswegen <hi rendition="#fr">keiner durch den Con-<lb/>
tract bereichert wird (§. 271.). Wenn</hi><lb/>
demnach <hi rendition="#fr">die contrahirende Theile</hi> mit<lb/><hi rendition="#fr">Wi&#x017F;&#x017F;en und Willen von der Gleichheit<lb/>
abgehen; &#x017F;o i&#x017F;t es ein vermi&#x017F;chter Con-<lb/>
tract aus einem wohltha&#x0364;tigen und be-<lb/>
&#x017F;chwerlichen.</hi></p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 581.</head><lb/>
              <note place="left">Wenn ei-<lb/>
ne Un-<lb/>
gleichheit</note>
              <p>Weil in einem be&#x017F;chwerlichen Contracte ei-<lb/>
ne Gleichheit zu beobachten i&#x017F;t (§. 580.); &#x017F;o<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">i&#x017F;t</hi></fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[372/0408] II. Th. 12. H. Von beſchwerlichen Das zwoͤlfte Hauptſtuͤck. Von den Tauſchhandlungen oder beſchwerlichen Contracten. §. 580. Die Tauſchhandlungen nennt man auch beſchwerliche Contracte (contra- ctus oneroſos). Derowegen weil in den beſchwerlichen Contracten Sachen und Thun mit einander vertauſcht werden (§. 467.), niemand aber verbunden iſt einem andern et- was umſonſt zu geben und zu thun, wenn er wiederum etwas geben oder thun kann (§. 473.); ſo muß in den beſchwerlichen Contracten die Gleichheit beobachtet werden, naͤmlich daß ſo viel, als der eine leiſtet, der andere eben ſo viel ihm wieder lei- ſten muß; folglich wenn der beſchwerli- che Contract erfuͤllt worden, keiner von denen, die ihn eingegangen, mehr oder weniger hat, als er vorher hat- te; und deswegen keiner durch den Con- tract bereichert wird (§. 271.). Wenn demnach die contrahirende Theile mit Wiſſen und Willen von der Gleichheit abgehen; ſo iſt es ein vermiſchter Con- tract aus einem wohlthaͤtigen und be- ſchwerlichen. §. 581. Weil in einem beſchwerlichen Contracte ei- ne Gleichheit zu beobachten iſt (§. 580.); ſo iſt

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/408
Zitationshilfe: Wolff, Christian von: Grundsätze des Natur- und Völckerrechts. Halle (Saale), 1754, S. 372. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wolff_voelckerrecht_1754/408>, abgerufen am 22.08.2019.