Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867.

Bild:
<< vorherige Seite

Von dem Lichte.
Farbe der Breite des Sectors proportional, wenn man die Sättigung des auf dem Sec-
tor gewählten Farbentons als Einheit annimmt.

Neuntes Capitel.
Die dunkeln Linien im Spektrum.

162
Die Fraunho-
fer'schen Linien.

Betrachtet man ein sorgfältig entworfenes Spektrum mittelst des
Fernrohrs, so zeigt sich, dass die Farben desselben an sehr vielen
Stellen von breiteren oder schmäleren dunkeln Linien unterbrochen
sind. Diese Linien, die nach ihrem Entdecker als Fraunhofer'sche
Linien bezeichnet werden, befinden sich immer genau an den näm-
lichen Stellen des Spektrums und geben dadurch ein vortreffliches
Mittel ab, sich in demselben zu orientiren. Die wichtigeren dieser
Linien hat man desshalb mit bestimmten Buchstaben belegt. Für die
stärkeren Linien sind in Fig. 119 die Bezeichnungen angegeben.

[Abbildung] Fig. 119.
Fraunhofer hat schon 500 dunkle Linien im Spektrum aufgefunden,
und ihre Zahl vergrössert sich in dem Maasse, als man vollkommenere
optische Hülfsmittel anwendet. Man kann mit Hülfe der dunkeln Li-
nien viel bestimmter irgend eine spektrale Farbe angeben, als dies
ohne dieselben möglich wäre. So sind z. B. Roth bei der Linie B
oder Gelb bei der Linie E u. s. w. Bezeichnungen von Farbentönen,
die sich mittelst der Analyse eines jeden Spektrums leicht wieder
auffinden lassen.


163
Messung der
Brechungsex-
ponenten fester,
flüssiger und
gasförmiger
Körper.

Eine noch wichtigere Hülfe gewähren die dunkeln Linien bei der
Untersuchung der Brechungsindices verschiedener Substanzen. Als
wir die Methode der Bestimmung des Brechungsindex mittelst des
Prismas (§. 144) auseinandersetzten, haben wir der Einfachheit wegen
angenommen, man könne einen linearen Lichtstrahl auf das Prisma
fallen lassen, und dieser bleibe nach geschehener Brechung vollkom-
men gleichartig. Nun ist es schon unmöglich einen wirklich linearen
Strahl zu erhalten. Wenn dies aber auch geschehen könnte, so würde
er in eine Menge farbiger Strahlen durch die Brechung im Prisma
zerfallen. Trotzdem kann man die angegebene Methode vollständig
beibehalten, sobald man sich auf die Beobachtung irgend einer dun-
keln Linie beschränkt; und zwar wird man dazu am zweckmässigsten
eine solche Linie wählen, die ungefähr in der Mitte des Spektrums
liegt. Gesetzt also, man habe gefunden, dass ein Prisma aus Kron-

Von dem Lichte.
Farbe der Breite des Sectors proportional, wenn man die Sättigung des auf dem Sec-
tor gewählten Farbentons als Einheit annimmt.

Neuntes Capitel.
Die dunkeln Linien im Spektrum.

162
Die Fraunho-
fer’schen Linien.

Betrachtet man ein sorgfältig entworfenes Spektrum mittelst des
Fernrohrs, so zeigt sich, dass die Farben desselben an sehr vielen
Stellen von breiteren oder schmäleren dunkeln Linien unterbrochen
sind. Diese Linien, die nach ihrem Entdecker als Fraunhofer’sche
Linien bezeichnet werden, befinden sich immer genau an den näm-
lichen Stellen des Spektrums und geben dadurch ein vortreffliches
Mittel ab, sich in demselben zu orientiren. Die wichtigeren dieser
Linien hat man desshalb mit bestimmten Buchstaben belegt. Für die
stärkeren Linien sind in Fig. 119 die Bezeichnungen angegeben.

[Abbildung] Fig. 119.
Fraunhofer hat schon 500 dunkle Linien im Spektrum aufgefunden,
und ihre Zahl vergrössert sich in dem Maasse, als man vollkommenere
optische Hülfsmittel anwendet. Man kann mit Hülfe der dunkeln Li-
nien viel bestimmter irgend eine spektrale Farbe angeben, als dies
ohne dieselben möglich wäre. So sind z. B. Roth bei der Linie B
oder Gelb bei der Linie E u. s. w. Bezeichnungen von Farbentönen,
die sich mittelst der Analyse eines jeden Spektrums leicht wieder
auffinden lassen.


163
Messung der
Brechungsex-
ponenten fester,
flüssiger und
gasförmiger
Körper.

Eine noch wichtigere Hülfe gewähren die dunkeln Linien bei der
Untersuchung der Brechungsindices verschiedener Substanzen. Als
wir die Methode der Bestimmung des Brechungsindex mittelst des
Prismas (§. 144) auseinandersetzten, haben wir der Einfachheit wegen
angenommen, man könne einen linearen Lichtstrahl auf das Prisma
fallen lassen, und dieser bleibe nach geschehener Brechung vollkom-
men gleichartig. Nun ist es schon unmöglich einen wirklich linearen
Strahl zu erhalten. Wenn dies aber auch geschehen könnte, so würde
er in eine Menge farbiger Strahlen durch die Brechung im Prisma
zerfallen. Trotzdem kann man die angegebene Methode vollständig
beibehalten, sobald man sich auf die Beobachtung irgend einer dun-
keln Linie beschränkt; und zwar wird man dazu am zweckmässigsten
eine solche Linie wählen, die ungefähr in der Mitte des Spektrums
liegt. Gesetzt also, man habe gefunden, dass ein Prisma aus Kron-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0266" n="244"/><fw place="top" type="header">Von dem Lichte.</fw><lb/>
Farbe der Breite des Sectors proportional, wenn man die Sättigung des auf dem Sec-<lb/>
tor gewählten Farbentons als Einheit annimmt.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Neuntes Capitel</hi>.<lb/>
Die dunkeln Linien im Spektrum.</head><lb/>
            <note place="left">162<lb/>
Die Fraunho-<lb/>
fer&#x2019;schen Linien.</note>
            <p>Betrachtet man ein sorgfältig entworfenes Spektrum mittelst des<lb/>
Fernrohrs, so zeigt sich, dass die Farben desselben an sehr vielen<lb/>
Stellen von breiteren oder schmäleren dunkeln Linien unterbrochen<lb/>
sind. Diese Linien, die nach ihrem Entdecker als <hi rendition="#g">Fraunhofer</hi>&#x2019;sche<lb/>
Linien bezeichnet werden, befinden sich immer genau an den näm-<lb/>
lichen Stellen des Spektrums und geben dadurch ein vortreffliches<lb/>
Mittel ab, sich in demselben zu orientiren. Die wichtigeren dieser<lb/>
Linien hat man desshalb mit bestimmten Buchstaben belegt. Für die<lb/>
stärkeren Linien sind in Fig. 119 die Bezeichnungen angegeben.<lb/><figure><head>Fig. 119.</head></figure><lb/><hi rendition="#g">Fraunhofer</hi> hat schon 500 dunkle Linien im Spektrum aufgefunden,<lb/>
und ihre Zahl vergrössert sich in dem Maasse, als man vollkommenere<lb/>
optische Hülfsmittel anwendet. Man kann mit Hülfe der dunkeln Li-<lb/>
nien viel bestimmter irgend eine spektrale Farbe angeben, als dies<lb/>
ohne dieselben möglich wäre. So sind z. B. Roth bei der Linie B<lb/>
oder Gelb bei der Linie E u. s. w. Bezeichnungen von Farbentönen,<lb/>
die sich mittelst der Analyse eines jeden Spektrums leicht wieder<lb/>
auffinden lassen.</p><lb/>
            <note place="left">163<lb/>
Messung der<lb/>
Brechungsex-<lb/>
ponenten fester,<lb/>
flüssiger und<lb/>
gasförmiger<lb/>
Körper.</note>
            <p>Eine noch wichtigere Hülfe gewähren die dunkeln Linien bei der<lb/>
Untersuchung der Brechungsindices verschiedener Substanzen. Als<lb/>
wir die Methode der Bestimmung des Brechungsindex mittelst des<lb/>
Prismas (§. 144) auseinandersetzten, haben wir der Einfachheit wegen<lb/>
angenommen, man könne einen linearen Lichtstrahl auf das Prisma<lb/>
fallen lassen, und dieser bleibe nach geschehener Brechung vollkom-<lb/>
men gleichartig. Nun ist es schon unmöglich einen wirklich linearen<lb/>
Strahl zu erhalten. Wenn dies aber auch geschehen könnte, so würde<lb/>
er in eine Menge farbiger Strahlen durch die Brechung im Prisma<lb/>
zerfallen. Trotzdem kann man die angegebene Methode vollständig<lb/>
beibehalten, sobald man sich auf die Beobachtung irgend einer dun-<lb/>
keln Linie beschränkt; und zwar wird man dazu am zweckmässigsten<lb/>
eine solche Linie wählen, die ungefähr in der Mitte des Spektrums<lb/>
liegt. Gesetzt also, man habe gefunden, dass ein Prisma aus Kron-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[244/0266] Von dem Lichte. Farbe der Breite des Sectors proportional, wenn man die Sättigung des auf dem Sec- tor gewählten Farbentons als Einheit annimmt. Neuntes Capitel. Die dunkeln Linien im Spektrum. Betrachtet man ein sorgfältig entworfenes Spektrum mittelst des Fernrohrs, so zeigt sich, dass die Farben desselben an sehr vielen Stellen von breiteren oder schmäleren dunkeln Linien unterbrochen sind. Diese Linien, die nach ihrem Entdecker als Fraunhofer’sche Linien bezeichnet werden, befinden sich immer genau an den näm- lichen Stellen des Spektrums und geben dadurch ein vortreffliches Mittel ab, sich in demselben zu orientiren. Die wichtigeren dieser Linien hat man desshalb mit bestimmten Buchstaben belegt. Für die stärkeren Linien sind in Fig. 119 die Bezeichnungen angegeben. [Abbildung Fig. 119.] Fraunhofer hat schon 500 dunkle Linien im Spektrum aufgefunden, und ihre Zahl vergrössert sich in dem Maasse, als man vollkommenere optische Hülfsmittel anwendet. Man kann mit Hülfe der dunkeln Li- nien viel bestimmter irgend eine spektrale Farbe angeben, als dies ohne dieselben möglich wäre. So sind z. B. Roth bei der Linie B oder Gelb bei der Linie E u. s. w. Bezeichnungen von Farbentönen, die sich mittelst der Analyse eines jeden Spektrums leicht wieder auffinden lassen. Eine noch wichtigere Hülfe gewähren die dunkeln Linien bei der Untersuchung der Brechungsindices verschiedener Substanzen. Als wir die Methode der Bestimmung des Brechungsindex mittelst des Prismas (§. 144) auseinandersetzten, haben wir der Einfachheit wegen angenommen, man könne einen linearen Lichtstrahl auf das Prisma fallen lassen, und dieser bleibe nach geschehener Brechung vollkom- men gleichartig. Nun ist es schon unmöglich einen wirklich linearen Strahl zu erhalten. Wenn dies aber auch geschehen könnte, so würde er in eine Menge farbiger Strahlen durch die Brechung im Prisma zerfallen. Trotzdem kann man die angegebene Methode vollständig beibehalten, sobald man sich auf die Beobachtung irgend einer dun- keln Linie beschränkt; und zwar wird man dazu am zweckmässigsten eine solche Linie wählen, die ungefähr in der Mitte des Spektrums liegt. Gesetzt also, man habe gefunden, dass ein Prisma aus Kron-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/wundt_medizinische_1867
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/wundt_medizinische_1867/266
Zitationshilfe: Wundt, Wilhelm: Handbuch der medicinischen Physik. Erlangen, 1867, S. 244. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/wundt_medizinische_1867/266>, abgerufen am 26.04.2019.