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Böttner, Gottfried: Traur-und Trost-Zeilen Uber Dem plötzlich-und schmertzlich-iedoch seeligen Ableiben. Zittau, 1672.

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BEtrübte Post/ so mir Bestürtzung-reiches Trauren
Des Hauses Friedersdorff höchst-schmertzhaft beygebracht!
Ach daß dis Hertzeleyd man könte zu den Mauren
versenden! Clotho/ ach! die du in schwartze Tracht
Dis Hohe Haus gesteckt/ Wie? kontestu nicht schonen?
Ergetzet denn so sehr dich Schleyer/ Boy und Flor?
Was gieng dir ab/ so du Vergnügung liessest wohnen
Daselbst? Hertzkränckerin/ was fehlte dir zuvor?
War dir so viel gedient drey Bretern einzuschliessen
Ein morsches Adams-Kind? Es zeigten solche sich
Die Freunde selbsten gern im Sarge möchten wissen/
Warumb rieb die nicht auf der grimme Stahles Stich?
Doch was? Wie ist mir? halt! Wo straucheln irrdsche Sinnen?
Mit wem hab ich zu thun? Wer hat nicht recht gethan?
Was nehm ich vor? Was ist mein pochendes Beginnen?
Was/ Clotho? Fehlt mir Witz? Was reitzet mich vor Wahn?
Ach leyder! Ach! geirrt! Erkühnet sich zu rechten
Ein spröder Erden-Klos mit seinem Schöpfer? ach!
Ach blinder Aberwitz! Wer wil Jhm wiederfechten?
Von Selben rühret her bestürtzt-erwehnte Sach.
Er hat die Edle Frau mit Bleyfarb angestrichen/
Vons Himmels ernstem Schluß ist dieser Trauer-Fall
Die Ursach' heisset Gott/ wenn Menschen so erblichen/
Der Höchste giebet an verstimmten Seufzer-Schall!
Er/ der dem Menschen giebt das Leben/ dessen Gütte
Sein kostbares Geschöpf auf diesem Rund erhält/
Der reisset wieder ein des Leibes mürbe Hütte/
Der fodert wieder ab aus dieser untern Welt.
Der ists/ der so betrübt/ und die/ so hinterbleiben
Jn herbes Weh versetzt/ wenn Er von ihnen reißt
Durch


BEtruͤbte Poſt/ ſo mir Beſtuͤrtzung-reiches Trauren
Des Hauſes Friedersdorff hoͤchſt-ſchmertzhaft beygebracht!
Ach daß dis Hertzeleyd man koͤnte zu den Mauren
verſenden! Clotho/ ach! die du in ſchwartze Tracht
Dis Hohe Haus geſteckt/ Wie? konteſtu nicht ſchonen?
Ergetzet denn ſo ſehr dich Schleyer/ Boy und Flor?
Was gieng dir ab/ ſo du Vergnuͤgung lieſſeſt wohnen
Daſelbſt? Hertzkraͤnckerin/ was fehlte dir zuvor?
War dir ſo viel gedient drey Bretern einzuſchlieſſen
Ein morſches Adams-Kind? Es zeigten ſolche ſich
Die Freunde ſelbſten gern im Sarge moͤchten wiſſen/
Warumb rieb die nicht auf der grimme Stahles Stich?
Doch was? Wie iſt mir? halt! Wo ſtraucheln irrdſche Sinnen?
Mit wem hab ich zu thun? Wer hat nicht recht gethan?
Was nehm ich vor? Was iſt mein pochendes Beginnen?
Was/ Clotho? Fehlt mir Witz? Was reitzet mich vor Wahn?
Ach leyder! Ach! geirrt! Erkuͤhnet ſich zu rechten
Ein ſproͤder Erden-Klos mit ſeinem Schoͤpfer? ach!
Ach blinder Aberwitz! Wer wil Jhm wiederfechten?
Von Selben ruͤhret her beſtuͤrtzt-erwehnte Sach.
Er hat die Edle Frau mit Bleyfarb angeſtrichen/
Vons Himmels ernſtem Schluß iſt dieſer Trauer-Fall
Die Urſach’ heiſſet Gott/ wenn Menſchen ſo erblichen/
Der Hoͤchſte giebet an verſtim̃ten Seufzer-Schall!
Er/ der dem Menſchen giebt das Leben/ deſſen Guͤtte
Sein koſtbares Geſchoͤpf auf dieſem Rund erhaͤlt/
Der reiſſet wieder ein des Leibes muͤrbe Huͤtte/
Der fodert wieder ab aus dieſer untern Welt.
Der iſts/ der ſo betruͤbt/ und die/ ſo hinterbleiben
Jn herbes Weh verſetzt/ wenn Er von ihnen reißt
Durch
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Zitationshilfe: Böttner, Gottfried: Traur-und Trost-Zeilen Uber Dem plötzlich-und schmertzlich-iedoch seeligen Ableiben. Zittau, 1672, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/354514/2>, abgerufen am 05.03.2021.