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Herr, Johannes: Desiderium sanctorum. Frankfurt (Oder), 1659.

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ERbahre/ Viel Ehr-und Tugend-
same Fraw/ wie das Menschliche
leben ins gemein mit vielem bit-
terem Creutz durch menget ist/
also auch insonderheit ist der E-
hestand ein rechter Wehestand.
Ob wol dessenAnfang eine scheinende Sonne hat/
thalamus
Calamus.

so ist doch solcher Schein nicht beständig; Denn
da giebt es die Erfahrung/ das liebhabende E-
hehertzen gar bald/ und über alles verhoffen von
einander getrennet werden. Wie schmertzlich das
sey/ deutet der Poet an in diesen Worten:

Es ist kein grösser Schmertz/ es ist kein schwerer leiden/Non dolor
est major,
quan cum
violentia
mortis U-
nanimi
solvit cor-
da ligata
fide.

Als wenn der strenge Todt/ thut von einander scheiden/
Zwey Hertzen/ die zuvor in Lieb und Treu allein
Zusammen hart verknüpfft allzeit gewesen seyn.

Dieses schmertz bringende übel hat GOtt über
Euch auch verhenget; Jhr habt mit eurem hertz-
lieben Ehe-Herrn eine kurtze zeit in friedlicher
und gesegneter Ehe gesessen/ und ist nun bald ge-
schehen daß der von Euch genommen/ mit dem
Jhr noch viel Jahr lang zu leben gewündschet/
so gehts in dieser Welt/ sonderlich mit frommen
gläubigen Christen. Das Gericht fähet am
Hae sunt
nuptiae
Sanctorun.
1. Pet.
4. 17.

Hause Gottes an.

Wie solt Jhr euch aber in solch zugestan-

den
A ij

ERbahre/ Viel Ehr-und Tugend-
ſame Fraw/ wie das Menſchliche
leben ins gemein mit vielem bit-
terem Creutz durch menget iſt/
alſo auch inſonderheit iſt der E-
heſtand ein rechter Weheſtand.
Ob wol deſſenAnfang eine ſcheinende Soñe hat/
thalamus
Calamus.

ſo iſt doch ſolcher Schein nicht beſtaͤndig; Denn
da giebt es die Erfahrung/ das liebhabende E-
hehertzen gar bald/ und uͤber alles verhoffen von
einander getrennet werden. Wie ſchmertzlich das
ſey/ deutet der Poet an in dieſen Worten:

Es iſt kein groͤſſer Schmertz/ es iſt kein ſchwerer leiden/Nõ dolor
eſt major,
quã cum
violentia
mortis U-
nanimi
ſolvit cor-
da ligata
fide.

Als wenn der ſtrenge Todt/ thut von einander ſcheiden/
Zwey Hertzen/ die zuvor in Lieb und Treu allein
Zuſammen hart verknuͤpfft allzeit geweſen ſeyn.

Dieſes ſchmertz bringende uͤbel hat GOtt über
Euch auch verhenget; Jhr habt mit eurem hertz-
lieben Ehe-Herrn eine kurtze zeit in friedlicher
und geſegneter Ehe geſeſſen/ und iſt nun bald ge-
ſchehen daß der von Euch genommen/ mit dem
Jhr noch viel Jahr lang zu leben gewuͤndſchet/
ſo gehts in dieſer Welt/ ſonderlich mit frommen
gläubigen Chriſten. Das Gericht faͤhet am
Hæ ſunt
nuptiæ
Sanctorũ.
1. Pet.
4. 17.

Hauſe Gottes an.

Wie ſolt Jhr euch aber in ſolch zugeſtan-

den
A ij
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Zitationshilfe: Herr, Johannes: Desiderium sanctorum. Frankfurt (Oder), 1659, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/360677/3>, abgerufen am 21.10.2021.