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Anzengruber, Ludwig: Der G'wissenswurm. Wien, 1874.

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End'! Vor paar Täg'n erst hat a Fuhrknecht da h'rum-
g'fragt, daß's orndlich auffällig war, und hizt kamen wieder
Oan. Was habt's der Riesler Magdalen' nachz'frag'n? In
mein ledigen Tagen is zwischen mir und oan Bauern a
Dummheit g'west, is eh' scho bald neamer wahr. Is er leicht
verstorb'n und seid's ös vom G'richt und bringt's mer a
Erbtheil?!
Grillhofer (tritt näher). Magdalen' -- (Donner, fernes Aufleuchten.)
Kennst mich neamer?
Bäuerin. Neamd kenn ich! (Aufleuchten.)
Grillhofer. Bin ja der Grillhofer!
Bäuerin (aufschreiend). Jesses -- der Grillhofer!
(Donner, kleine Pause.)
Bäuerin (äußerst zungenfertig). Was willst denn da? Bringt
Dich der Fürwitz her, nachschau'n? Hon mer's eh' g'wunschen,
ich möcht Dir amal All's einesag'n kinna! Hast wohl g'meint,
es müßt mer so geh'n, wie mir's von Dir aus hätt geh'n
können, von Dir aus hätt ich amal elendig im Armenleut-
haus versterb'n mög'n, aber der Herrgott hat a rechters
Einsehn g'habt, und drei Jahr darnach, wie ich von Dir weg
bin, hon ich's besser troffa; der alte Poltner hat mich g'hei-
rath und hizt sitz ich als Bäuerin do am Hof, schau Dir'n
an, ob er den Dein'm viel nachgibt. Hast denn glaubt, ich
hätt mich um was anderscht mit Dir abgeb'n, als weil ich
vermeint hab, Dein Bäurin seg'n't bald 'es Zeitliche und ich
kimm an ihrer Stell z'sitzen?! Nöt a so viel
(schlägt ein Schnipp-
chen),
sixt, war mer sunst an Dir g'leg'n.
Grillhofer (ist erstaunt einen Schritt zurückgetreten). Schwoger, z'weg'n
der, werd' ich mich nöt z'viel am Todtbett abiängstigen!
Bäuerin. Dein' Bäurin is aber net so bald versturb'n
und wie's mer hinter mein Trachten käma is, hat's all' ihre
Ersparnus d'rauf g'wendt, daß's mich los word'n is, denn
mit leere Händ war ich net weg, a 'es Kind hat's mer ver-
verpfleg'n müssen.
Grillhofer. S'Kind!? So war richtig Oans af d'Welt
käma?! Um Gotteswöll'n Magdalen' sag mer nur Oan's:
wo dös verblieb'n is?!
Bäuerin (etwas bewegt). Kunnt Der's net sagen, Grillhofer,
wonn i a möcht, a Dirndl is g'west, is mer ja gleich nach
4*
End’! Vor paar Täg’n erſt hat a Fuhrknecht da h’rum-
g’fragt, daß’s orndlich auffällig war, und hizt kamen wieder
Oan. Was habt’s der Riesler Magdalen’ nachz’frag’n? In
mein ledigen Tagen is zwiſchen mir und oan Bauern a
Dummheit g’weſt, is eh’ ſcho bald neamer wahr. Is er leicht
verſtorb’n und ſeid’s ös vom G’richt und bringt’s mer a
Erbtheil?!
Grillhofer (tritt näher). Magdalen’ — (Donner, fernes Aufleuchten.)
Kennſt mich neamer?
Bäuerin. Neamd kenn ich! (Aufleuchten.)
Grillhofer. Bin ja der Grillhofer!
Bäuerin (aufſchreiend). Jeſſes — der Grillhofer!
(Donner, kleine Pauſe.)
Bäuerin (äußerſt zungenfertig). Was willſt denn da? Bringt
Dich der Fürwitz her, nachſchau’n? Hon mer’s eh’ g’wunſchen,
ich möcht Dir amal All’s eineſag’n kinna! Haſt wohl g’meint,
es müßt mer ſo geh’n, wie mir’s von Dir aus hätt geh’n
können, von Dir aus hätt ich amal elendig im Armenleut-
haus verſterb’n mög’n, aber der Herrgott hat a rechters
Einſehn g’habt, und drei Jahr darnach, wie ich von Dir weg
bin, hon ich’s beſſer troffa; der alte Poltner hat mich g’hei-
rath und hizt ſitz ich als Bäuerin do am Hof, ſchau Dir’n
an, ob er den Dein’m viel nachgibt. Haſt denn glaubt, ich
hätt mich um was anderſcht mit Dir abgeb’n, als weil ich
vermeint hab, Dein Bäurin ſeg’n’t bald ’es Zeitliche und ich
kimm an ihrer Stell z’ſitzen?! Nöt a ſo viel
(ſchlägt ein Schnipp-
chen),
ſixt, war mer ſunſt an Dir g’leg’n.
Grillhofer (iſt erſtaunt einen Schritt zurückgetreten). Schwoger, z’weg’n
der, werd’ ich mich nöt z’viel am Todtbett abiängſtigen!
Bäuerin. Dein’ Bäurin is aber net ſo bald verſturb’n
und wie’s mer hinter mein Trachten käma is, hat’s all’ ihre
Erſparnus d’rauf g’wendt, daß’s mich los word’n is, denn
mit leere Händ war ich net weg, a ’es Kind hat’s mer ver-
verpfleg’n müſſen.
Grillhofer. S’Kind!? So war richtig Oans af d’Welt
käma?! Um Gotteswöll’n Magdalen’ ſag mer nur Oan’s:
wo dös verblieb’n is?!
Bäuerin (etwas bewegt). Kunnt Der’s net ſagen, Grillhofer,
wonn i a möcht, a Dirndl is g’weſt, is mer ja gleich nach
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[51/0059] End’! Vor paar Täg’n erſt hat a Fuhrknecht da h’rum- g’fragt, daß’s orndlich auffällig war, und hizt kamen wieder Oan. Was habt’s der Riesler Magdalen’ nachz’frag’n? In mein ledigen Tagen is zwiſchen mir und oan Bauern a Dummheit g’weſt, is eh’ ſcho bald neamer wahr. Is er leicht verſtorb’n und ſeid’s ös vom G’richt und bringt’s mer a Erbtheil?! Grillhofer (tritt näher). Magdalen’ — (Donner, fernes Aufleuchten.) Kennſt mich neamer? Bäuerin. Neamd kenn ich! (Aufleuchten.) Grillhofer. Bin ja der Grillhofer! Bäuerin (aufſchreiend). Jeſſes — der Grillhofer! (Donner, kleine Pauſe.) Bäuerin (äußerſt zungenfertig). Was willſt denn da? Bringt Dich der Fürwitz her, nachſchau’n? Hon mer’s eh’ g’wunſchen, ich möcht Dir amal All’s eineſag’n kinna! Haſt wohl g’meint, es müßt mer ſo geh’n, wie mir’s von Dir aus hätt geh’n können, von Dir aus hätt ich amal elendig im Armenleut- haus verſterb’n mög’n, aber der Herrgott hat a rechters Einſehn g’habt, und drei Jahr darnach, wie ich von Dir weg bin, hon ich’s beſſer troffa; der alte Poltner hat mich g’hei- rath und hizt ſitz ich als Bäuerin do am Hof, ſchau Dir’n an, ob er den Dein’m viel nachgibt. Haſt denn glaubt, ich hätt mich um was anderſcht mit Dir abgeb’n, als weil ich vermeint hab, Dein Bäurin ſeg’n’t bald ’es Zeitliche und ich kimm an ihrer Stell z’ſitzen?! Nöt a ſo viel (ſchlägt ein Schnipp- chen), ſixt, war mer ſunſt an Dir g’leg’n. Grillhofer (iſt erſtaunt einen Schritt zurückgetreten). Schwoger, z’weg’n der, werd’ ich mich nöt z’viel am Todtbett abiängſtigen! Bäuerin. Dein’ Bäurin is aber net ſo bald verſturb’n und wie’s mer hinter mein Trachten käma is, hat’s all’ ihre Erſparnus d’rauf g’wendt, daß’s mich los word’n is, denn mit leere Händ war ich net weg, a ’es Kind hat’s mer ver- verpfleg’n müſſen. Grillhofer. S’Kind!? So war richtig Oans af d’Welt käma?! Um Gotteswöll’n Magdalen’ ſag mer nur Oan’s: wo dös verblieb’n is?! Bäuerin (etwas bewegt). Kunnt Der’s net ſagen, Grillhofer, wonn i a möcht, a Dirndl is g’weſt, is mer ja gleich nach 4*

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Zitationshilfe: Anzengruber, Ludwig: Der G'wissenswurm. Wien, 1874, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/anzengruber_gwissenswurm_1874/59>, abgerufen am 18.04.2021.