Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

Bild:
<< vorherige Seite
Auf einem Dienstag das geschah,
Magdeburgs Panier man schweben sah,
Wohl auf dem weiten Felde,
Da war manch stolzer Kriegesmann
Bey den frischkühnen Helden.
Magdeburg bist du uns wohl bekannt,
Du trägst eine Krone über das Land,
Dein Lob, das will ich preisen,
Dein Treue, die ist offenbar,
Mit Gesang will ichs beweisen.
Arndt Jordan der Bürgermeister genannt,
Im Feld ist er gar wohl bekannt,
Er ist also verwegen,
Er will selbst an der Spitze seyn,
Und warten da der Schläge.
Die Fürsten zogen schnell davon,
Im Kriege wollten nicht bestohn,
Wohl in der rechten Stunde,
Der Bürger Banner schwebet dar,
Der Fürsten ihr war verschwunden.
Ein Fürste zu dem andern trat:
"Ach lieber Ohm nun gebet Rath,
"Wärn wir bey unsern Freunden,
"Dieser See ist uns gar zu tief,
"Wir können ihn nicht gründen."
Bringen wir das Schif auf den Strom,
Ich fürcht es möcht zu Grunde gehn,
Wir müssen ein Pfand hier lassen,
Auf einem Dienſtag das geſchah,
Magdeburgs Panier man ſchweben ſah,
Wohl auf dem weiten Felde,
Da war manch ſtolzer Kriegesmann
Bey den friſchkuͤhnen Helden.
Magdeburg biſt du uns wohl bekannt,
Du traͤgſt eine Krone uͤber das Land,
Dein Lob, das will ich preiſen,
Dein Treue, die iſt offenbar,
Mit Geſang will ichs beweiſen.
Arndt Jordan der Buͤrgermeiſter genannt,
Im Feld iſt er gar wohl bekannt,
Er iſt alſo verwegen,
Er will ſelbſt an der Spitze ſeyn,
Und warten da der Schlaͤge.
Die Fuͤrſten zogen ſchnell davon,
Im Kriege wollten nicht beſtohn,
Wohl in der rechten Stunde,
Der Buͤrger Banner ſchwebet dar,
Der Fuͤrſten ihr war verſchwunden.
Ein Fuͤrſte zu dem andern trat:
„Ach lieber Ohm nun gebet Rath,
„Waͤrn wir bey unſern Freunden,
„Dieſer See iſt uns gar zu tief,
„Wir koͤnnen ihn nicht gruͤnden.“
Bringen wir das Schif auf den Strom,
Ich fuͤrcht es moͤcht zu Grunde gehn,
Wir muͤſſen ein Pfand hier laſſen,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0122" n="110"/>
            <lg n="16">
              <l>Auf einem Dien&#x017F;tag das ge&#x017F;chah,</l><lb/>
              <l>Magdeburgs Panier man &#x017F;chweben &#x017F;ah,</l><lb/>
              <l>Wohl auf dem weiten Felde,</l><lb/>
              <l>Da war manch &#x017F;tolzer Kriegesmann</l><lb/>
              <l>Bey den fri&#x017F;chku&#x0364;hnen Helden.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="17">
              <l>Magdeburg bi&#x017F;t du uns wohl bekannt,</l><lb/>
              <l>Du tra&#x0364;g&#x017F;t eine Krone u&#x0364;ber das Land,</l><lb/>
              <l>Dein Lob, das will ich prei&#x017F;en,</l><lb/>
              <l>Dein Treue, die i&#x017F;t offenbar,</l><lb/>
              <l>Mit Ge&#x017F;ang will ichs bewei&#x017F;en.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="18">
              <l>Arndt Jordan der Bu&#x0364;rgermei&#x017F;ter genannt,</l><lb/>
              <l>Im Feld i&#x017F;t er gar wohl bekannt,</l><lb/>
              <l>Er i&#x017F;t al&#x017F;o verwegen,</l><lb/>
              <l>Er will &#x017F;elb&#x017F;t an der Spitze &#x017F;eyn,</l><lb/>
              <l>Und warten da der Schla&#x0364;ge.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="19">
              <l>Die Fu&#x0364;r&#x017F;ten zogen &#x017F;chnell davon,</l><lb/>
              <l>Im Kriege wollten nicht be&#x017F;tohn,</l><lb/>
              <l>Wohl in der rechten Stunde,</l><lb/>
              <l>Der Bu&#x0364;rger Banner &#x017F;chwebet dar,</l><lb/>
              <l>Der Fu&#x0364;r&#x017F;ten ihr war ver&#x017F;chwunden.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="20">
              <l>Ein Fu&#x0364;r&#x017F;te zu dem andern trat:</l><lb/>
              <l>&#x201E;Ach lieber Ohm nun gebet Rath,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Wa&#x0364;rn wir bey un&#x017F;ern Freunden,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Die&#x017F;er See i&#x017F;t uns gar zu tief,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Wir ko&#x0364;nnen ihn nicht gru&#x0364;nden.&#x201C;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="21">
              <l>Bringen wir das Schif auf den Strom,</l><lb/>
              <l>Ich fu&#x0364;rcht es mo&#x0364;cht zu Grunde gehn,</l><lb/>
              <l>Wir mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en ein Pfand hier la&#x017F;&#x017F;en,</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[110/0122] Auf einem Dienſtag das geſchah, Magdeburgs Panier man ſchweben ſah, Wohl auf dem weiten Felde, Da war manch ſtolzer Kriegesmann Bey den friſchkuͤhnen Helden. Magdeburg biſt du uns wohl bekannt, Du traͤgſt eine Krone uͤber das Land, Dein Lob, das will ich preiſen, Dein Treue, die iſt offenbar, Mit Geſang will ichs beweiſen. Arndt Jordan der Buͤrgermeiſter genannt, Im Feld iſt er gar wohl bekannt, Er iſt alſo verwegen, Er will ſelbſt an der Spitze ſeyn, Und warten da der Schlaͤge. Die Fuͤrſten zogen ſchnell davon, Im Kriege wollten nicht beſtohn, Wohl in der rechten Stunde, Der Buͤrger Banner ſchwebet dar, Der Fuͤrſten ihr war verſchwunden. Ein Fuͤrſte zu dem andern trat: „Ach lieber Ohm nun gebet Rath, „Waͤrn wir bey unſern Freunden, „Dieſer See iſt uns gar zu tief, „Wir koͤnnen ihn nicht gruͤnden.“ Bringen wir das Schif auf den Strom, Ich fuͤrcht es moͤcht zu Grunde gehn, Wir muͤſſen ein Pfand hier laſſen,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/122
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 110. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/122>, abgerufen am 11.04.2021.