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Allgemeine Zeitung. Nr. 65. Augsburg, 5. März 1840.

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daß man den Grafen Clonard zu seinem Nachfolger bestimmt, wenn anders der Herzog de la Victoria in diese Ernennung einwilligt. Seit drei Tagen schon fehlen uns die Posten von Saragossa, und also auch die von Frankreich, welche noch immer auf dem Wege von Aragonien, und nicht über Burgos und Vitoria befördert wird. Das zur Belagerung von Segura bestimmte schwere Geschütz muß bereits in Muniesa eingetroffen seyn, wo sich seit dem 15 auch Espartero's Hauptquartier befinden soll. O'Donnell hat das seinige wieder nach Teruel verlegt. Am 14 erschienen die Carlisten Gracia und la Cova mit 1400 Mann Infanterie und 250 Pferden vor Castellon de la Plana. Der dortige Generalcommandant rückte mit 200 Reitern und 250 Mann Infanterie aus der Stadt, und trieb nach einem mehrstündigen Gefechte den Feind in die Flucht. Letzterer ließ über 100 Todte und Verwundete zurück. Am 18 hatten die Carlisten 6 Bataillone zwischen Caudiel und Onda zusammengezogen. Am 15 gingen von Castellon 1300 Carlistische Gefangene ab, um ausgewechselt zu werden, so daß kein einziger Gefangener mehr in den Händen Cabrera's bleibt. - Die Division Hoyos befand sich am 17 in Cannaveras, unsern Sacedon.

Die diesen Morgen außerordentlichem Wege hier eingetroffenen Briefe aus Madrid vom 2 Februar ließen schon voraussehen, was vorfallen werde. Die Galerien der Kammer waren drohend, und außerhalb bildeten sich Gruppen, die einen feindseligen Charakter hatten. Man sah sonach am 22 die sich vorbereitende Emeute voraus, die denn auch wahrscheinlich am 23 zum Ausbruch gekommen ist. Heute ward nämlich folgende telegraphische Depeche an der Börse angeheftet: "Im Schooße der Kammer der Repräsentanten haben ernste Unordnungen stattgefunden, und außerhalb derselben brachen Emeuteversuche aus. Madrid ward am 24 in Belagerungszustand erklärt. Die Session ward suspendirt. Bei Abgang des Couriers stellte sich die Ruhe wieder her." Briefe aus Madrid vom 22, die vor uns liegen, behaupten, die Exaltados hätten am 22 Abends eine große und entscheidende Frage discutirt. Die Minorität der Repräsentanten hätte sich gewaltsam von der Regierung trennen und nach Saragossa begeben sollen, um sich dort unter den Schutz des Herzogs de la Victoria zu stellen, und ohne Zweifel seine Eitelkeit durch den Antrag einer Militärdictatur zu verlocken.

Der Phare des Pyrenees schreibt aus Saragossa vom 22 Febr.:"Das Fort Segura ist nahe daran zu unterliegen. Die Besatzung hat sich empört. Der Couverneur, der Platzmajor und ein Capitän, welche der Uebergabe nicht beistimmten, wurden ermordet. Ein Theil der Besatzung ist entwaffnet und eingekerkert. Zurbano steht nur eine Stunde von Secura und schneidet diesem Platz alle Communicationen nach außen ab. General O'Donnell kam gestern Muniesa einige Augenblicke vor dem Herzog de la Victoria an. Gestern befand sich derselbe noch dort und an demselben Tag traf auch das Belagerungsgeschütz daselbst ein. Die Ortschaften Aguaviva und Ginebrosa wurden gleich nach dem Abzug der ersten Division von den Factiosen überfallen, geplündert und mehrere Einwohner gefangen fortgeschleppt. Alle Nachrichten aus dem Hauptquartier melden übereinstimmend, daß die Feindseligkeiten am 23 mit der Belagerung von Segura beginnen werden."

Großbritannien.

Am 26 Februar (Mittwoch) hielt das Haus der Lord keine Sitzung und das Haus der Gemeinen saß nur sehr kurze Zeit. Auf eine Frage von Lord Mahon antwortete Lord Palmerston, die Unterhandlungen mit andern Staaten über einen völkerrechtlichen Schutz des litterarischen Eigenthums gegen den Nachdruck hätten noch zu keinem Resultat geführt, und er hoffe kaum, im Verlaufe des nächsten Sommers dem Haus eine befriedigende Auskunft darüber mittheilen zu können. (Hört!) Auf eine Erkundigung Lord Sandons erwiederte der Minister des Auswärtigen, daß er den baldigen Abschluß eines Handelsvertrags mit dem Königreich Neapel zuversichtlich erwarte, das Schwefelmonopol indeß, das er als eine Verletzung schon bestehender Verbindlichkeiten betrachte, werde in dem neuen Vertrag unberührt bleiben. Uebrigens habe er Grund zu glauben, daß solches in einer nicht fernen Zeit werde abgeschafft werden. Sir Ed. Wilmots Bill zur Verbesserung der summarischen Rechtspflege in England wurde mit 49 gegen 16 Stimmen zum zweitenmal gelesen. Als der Committeebericht über die Bill wegen Bierverkaufs eingebracht wurde, zeigte Hr. Estcourt an, er werde eine Clausel vorschlagen, wornach drei Jahre lang keine neue Bierschenkgerechtigkeit im Lande bewilligt werden solle. Das Haus vertagte sich schon um 7 Uhr.

Am 27 Febr. saß das Oberhaus nur etwa eine halbe Stunde, um Petitionen in Empfang zu nehmen. Lord Teynham überreichte eine zu Gunsten Frosts und seiner Unglücksgefährten, die er mit einigen unterstützenden Worten begleitete. - Auch im Unterhaus wurden Bittschriften zu diesem Zweck überreicht. Hr. Hume, ein Gegner der Talfourd'schen Copyrightstbill, übergab eine Petition der Kaffeewirthe von Shoreditch wider diese Bill, welche die wohlfeilen Druckschriften, um deren willen die Kaffeehäuser großentheils besucht würden, ganz unmöglich mache; und doch, setzten die Bittsteller hinzu, seyen Kaffeehäuser viel besser, als die "Branntweinpaläste (gin palaces)," ja sie seyen wahre Bundesgenossen der Mäßigkeitsvereine. Der Kanzler des Schatzes erklärte, daß er das Budget so bald als möglich vorlegen werde, lehnte es jedoch ab, die Frage des Obristen Sibthorp zu beantworten, ob unter den neuen Steuern, welche die Regierung dem Hause vorschlagen wolle, auch eine Salzaccise enthalten sey. Eine Frage Sir R. Peels beantwortete Hr. Baring dahin, die gestempelten Briefcouverts für die Penny-Post würden in etwa drei Wochen fertig seyn, und man werde dann, vor ihrer allgemeinen Einführung, zuerst einen Versuch in den Stadtposten damit anstellen. Die Sitzung dauerte fort.

Am 25 Febr. segelte der Blenheim von 72 Kanonen, mit Kriegsvorräthen gegen China an Bord, aus dem Hafen von Portsmouth ab. Die Fregatte Blonde, der Nimrod von 20 und der Pylades von 18 Kanonen werden, von Plymouth aus, sogleich nachfolgen. Auch die Andromache ist, zu gleicher Bestimmung, beinahe segelfertig. Die Fregatte Crescent von 42 Kanonen ist nach Rio de Janeiro abgegangen, wo sie als Depotschiff für Neger gebraucht werden soll, welche brittische Kreuzer den Sklavenhändlern abnehmen.

(Standard.) Aus Portsmouth wird dd. 26 Febr. geschrieben: "Das Deportationsschiff Mandarin, mit Frost, Jones und Williams an Bord, lichtete gestern die Anker. Frost hatte bis zum letzten Augenblick gehofft, sein Pardon werde eintreffen; als der letzte Hoffnungsschimmer schwand, versank er in die tieffste Niedergeschlagenheit. Jetzt wirft er wohl mit seinen Unglücksgefährten den letzten Scheideblick auf Englands heimathliche Küste, denn ein starker Ostwind hat das Schiff schon ziemlich in See geführt."

daß man den Grafen Clonard zu seinem Nachfolger bestimmt, wenn anders der Herzog de la Victoria in diese Ernennung einwilligt. Seit drei Tagen schon fehlen uns die Posten von Saragossa, und also auch die von Frankreich, welche noch immer auf dem Wege von Aragonien, und nicht über Burgos und Vitoria befördert wird. Das zur Belagerung von Segura bestimmte schwere Geschütz muß bereits in Muniesa eingetroffen seyn, wo sich seit dem 15 auch Espartero's Hauptquartier befinden soll. O'Donnell hat das seinige wieder nach Teruel verlegt. Am 14 erschienen die Carlisten Gracia und la Cova mit 1400 Mann Infanterie und 250 Pferden vor Castellon de la Plana. Der dortige Generalcommandant rückte mit 200 Reitern und 250 Mann Infanterie aus der Stadt, und trieb nach einem mehrstündigen Gefechte den Feind in die Flucht. Letzterer ließ über 100 Todte und Verwundete zurück. Am 18 hatten die Carlisten 6 Bataillone zwischen Caudiel und Onda zusammengezogen. Am 15 gingen von Castellon 1300 Carlistische Gefangene ab, um ausgewechselt zu werden, so daß kein einziger Gefangener mehr in den Händen Cabrera's bleibt. – Die Division Hoyos befand sich am 17 in Cañaveras, unsern Sacedon.

Die diesen Morgen außerordentlichem Wege hier eingetroffenen Briefe aus Madrid vom 2 Februar ließen schon voraussehen, was vorfallen werde. Die Galerien der Kammer waren drohend, und außerhalb bildeten sich Gruppen, die einen feindseligen Charakter hatten. Man sah sonach am 22 die sich vorbereitende Emeute voraus, die denn auch wahrscheinlich am 23 zum Ausbruch gekommen ist. Heute ward nämlich folgende telegraphische Depeche an der Börse angeheftet: „Im Schooße der Kammer der Repräsentanten haben ernste Unordnungen stattgefunden, und außerhalb derselben brachen Emeuteversuche aus. Madrid ward am 24 in Belagerungszustand erklärt. Die Session ward suspendirt. Bei Abgang des Couriers stellte sich die Ruhe wieder her.“ Briefe aus Madrid vom 22, die vor uns liegen, behaupten, die Exaltados hätten am 22 Abends eine große und entscheidende Frage discutirt. Die Minorität der Repräsentanten hätte sich gewaltsam von der Regierung trennen und nach Saragossa begeben sollen, um sich dort unter den Schutz des Herzogs de la Victoria zu stellen, und ohne Zweifel seine Eitelkeit durch den Antrag einer Militärdictatur zu verlocken.

Der Phare des Pyrenées schreibt aus Saragossa vom 22 Febr.:„Das Fort Segura ist nahe daran zu unterliegen. Die Besatzung hat sich empört. Der Couverneur, der Platzmajor und ein Capitän, welche der Uebergabe nicht beistimmten, wurden ermordet. Ein Theil der Besatzung ist entwaffnet und eingekerkert. Zurbano steht nur eine Stunde von Secura und schneidet diesem Platz alle Communicationen nach außen ab. General O'Donnell kam gestern Muniesa einige Augenblicke vor dem Herzog de la Victoria an. Gestern befand sich derselbe noch dort und an demselben Tag traf auch das Belagerungsgeschütz daselbst ein. Die Ortschaften Aguaviva und Ginebrosa wurden gleich nach dem Abzug der ersten Division von den Factiosen überfallen, geplündert und mehrere Einwohner gefangen fortgeschleppt. Alle Nachrichten aus dem Hauptquartier melden übereinstimmend, daß die Feindseligkeiten am 23 mit der Belagerung von Segura beginnen werden.“

Großbritannien.

Am 26 Februar (Mittwoch) hielt das Haus der Lord keine Sitzung und das Haus der Gemeinen saß nur sehr kurze Zeit. Auf eine Frage von Lord Mahon antwortete Lord Palmerston, die Unterhandlungen mit andern Staaten über einen völkerrechtlichen Schutz des litterarischen Eigenthums gegen den Nachdruck hätten noch zu keinem Resultat geführt, und er hoffe kaum, im Verlaufe des nächsten Sommers dem Haus eine befriedigende Auskunft darüber mittheilen zu können. (Hört!) Auf eine Erkundigung Lord Sandons erwiederte der Minister des Auswärtigen, daß er den baldigen Abschluß eines Handelsvertrags mit dem Königreich Neapel zuversichtlich erwarte, das Schwefelmonopol indeß, das er als eine Verletzung schon bestehender Verbindlichkeiten betrachte, werde in dem neuen Vertrag unberührt bleiben. Uebrigens habe er Grund zu glauben, daß solches in einer nicht fernen Zeit werde abgeschafft werden. Sir Ed. Wilmots Bill zur Verbesserung der summarischen Rechtspflege in England wurde mit 49 gegen 16 Stimmen zum zweitenmal gelesen. Als der Committeebericht über die Bill wegen Bierverkaufs eingebracht wurde, zeigte Hr. Estcourt an, er werde eine Clausel vorschlagen, wornach drei Jahre lang keine neue Bierschenkgerechtigkeit im Lande bewilligt werden solle. Das Haus vertagte sich schon um 7 Uhr.

Am 27 Febr. saß das Oberhaus nur etwa eine halbe Stunde, um Petitionen in Empfang zu nehmen. Lord Teynham überreichte eine zu Gunsten Frosts und seiner Unglücksgefährten, die er mit einigen unterstützenden Worten begleitete. – Auch im Unterhaus wurden Bittschriften zu diesem Zweck überreicht. Hr. Hume, ein Gegner der Talfourd'schen Copyrightstbill, übergab eine Petition der Kaffeewirthe von Shoreditch wider diese Bill, welche die wohlfeilen Druckschriften, um deren willen die Kaffeehäuser großentheils besucht würden, ganz unmöglich mache; und doch, setzten die Bittsteller hinzu, seyen Kaffeehäuser viel besser, als die „Branntweinpaläste (gin palaces),“ ja sie seyen wahre Bundesgenossen der Mäßigkeitsvereine. Der Kanzler des Schatzes erklärte, daß er das Budget so bald als möglich vorlegen werde, lehnte es jedoch ab, die Frage des Obristen Sibthorp zu beantworten, ob unter den neuen Steuern, welche die Regierung dem Hause vorschlagen wolle, auch eine Salzaccise enthalten sey. Eine Frage Sir R. Peels beantwortete Hr. Baring dahin, die gestempelten Briefcouverts für die Penny-Post würden in etwa drei Wochen fertig seyn, und man werde dann, vor ihrer allgemeinen Einführung, zuerst einen Versuch in den Stadtposten damit anstellen. Die Sitzung dauerte fort.

Am 25 Febr. segelte der Blenheim von 72 Kanonen, mit Kriegsvorräthen gegen China an Bord, aus dem Hafen von Portsmouth ab. Die Fregatte Blonde, der Nimrod von 20 und der Pylades von 18 Kanonen werden, von Plymouth aus, sogleich nachfolgen. Auch die Andromache ist, zu gleicher Bestimmung, beinahe segelfertig. Die Fregatte Crescent von 42 Kanonen ist nach Rio de Janeiro abgegangen, wo sie als Depotschiff für Neger gebraucht werden soll, welche brittische Kreuzer den Sklavenhändlern abnehmen.

(Standard.) Aus Portsmouth wird dd. 26 Febr. geschrieben: „Das Deportationsschiff Mandarin, mit Frost, Jones und Williams an Bord, lichtete gestern die Anker. Frost hatte bis zum letzten Augenblick gehofft, sein Pardon werde eintreffen; als der letzte Hoffnungsschimmer schwand, versank er in die tieffste Niedergeschlagenheit. Jetzt wirft er wohl mit seinen Unglücksgefährten den letzten Scheideblick auf Englands heimathliche Küste, denn ein starker Ostwind hat das Schiff schon ziemlich in See geführt.“

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[0514/0002] daß man den Grafen Clonard zu seinem Nachfolger bestimmt, wenn anders der Herzog de la Victoria in diese Ernennung einwilligt. Seit drei Tagen schon fehlen uns die Posten von Saragossa, und also auch die von Frankreich, welche noch immer auf dem Wege von Aragonien, und nicht über Burgos und Vitoria befördert wird. Das zur Belagerung von Segura bestimmte schwere Geschütz muß bereits in Muniesa eingetroffen seyn, wo sich seit dem 15 auch Espartero's Hauptquartier befinden soll. O'Donnell hat das seinige wieder nach Teruel verlegt. Am 14 erschienen die Carlisten Gracia und la Cova mit 1400 Mann Infanterie und 250 Pferden vor Castellon de la Plana. Der dortige Generalcommandant rückte mit 200 Reitern und 250 Mann Infanterie aus der Stadt, und trieb nach einem mehrstündigen Gefechte den Feind in die Flucht. Letzterer ließ über 100 Todte und Verwundete zurück. Am 18 hatten die Carlisten 6 Bataillone zwischen Caudiel und Onda zusammengezogen. 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Bei Abgang des Couriers stellte sich die Ruhe wieder her.“ Briefe aus Madrid vom 22, die vor uns liegen, behaupten, die Exaltados hätten am 22 Abends eine große und entscheidende Frage discutirt. Die Minorität der Repräsentanten hätte sich gewaltsam von der Regierung trennen und nach Saragossa begeben sollen, um sich dort unter den Schutz des Herzogs de la Victoria zu stellen, und ohne Zweifel seine Eitelkeit durch den Antrag einer Militärdictatur zu verlocken. Der Phare des Pyrenées schreibt aus Saragossa vom 22 Febr.:„Das Fort Segura ist nahe daran zu unterliegen. Die Besatzung hat sich empört. Der Couverneur, der Platzmajor und ein Capitän, welche der Uebergabe nicht beistimmten, wurden ermordet. Ein Theil der Besatzung ist entwaffnet und eingekerkert. Zurbano steht nur eine Stunde von Secura und schneidet diesem Platz alle Communicationen nach außen ab. General O'Donnell kam gestern Muniesa einige Augenblicke vor dem Herzog de la Victoria an. Gestern befand sich derselbe noch dort und an demselben Tag traf auch das Belagerungsgeschütz daselbst ein. Die Ortschaften Aguaviva und Ginebrosa wurden gleich nach dem Abzug der ersten Division von den Factiosen überfallen, geplündert und mehrere Einwohner gefangen fortgeschleppt. Alle Nachrichten aus dem Hauptquartier melden übereinstimmend, daß die Feindseligkeiten am 23 mit der Belagerung von Segura beginnen werden.“ Großbritannien. _ London, 27 Febr. Am 26 Februar (Mittwoch) hielt das Haus der Lord keine Sitzung und das Haus der Gemeinen saß nur sehr kurze Zeit. Auf eine Frage von Lord Mahon antwortete Lord Palmerston, die Unterhandlungen mit andern Staaten über einen völkerrechtlichen Schutz des litterarischen Eigenthums gegen den Nachdruck hätten noch zu keinem Resultat geführt, und er hoffe kaum, im Verlaufe des nächsten Sommers dem Haus eine befriedigende Auskunft darüber mittheilen zu können. (Hört!) 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Lord Teynham überreichte eine zu Gunsten Frosts und seiner Unglücksgefährten, die er mit einigen unterstützenden Worten begleitete. – Auch im Unterhaus wurden Bittschriften zu diesem Zweck überreicht. Hr. Hume, ein Gegner der Talfourd'schen Copyrightstbill, übergab eine Petition der Kaffeewirthe von Shoreditch wider diese Bill, welche die wohlfeilen Druckschriften, um deren willen die Kaffeehäuser großentheils besucht würden, ganz unmöglich mache; und doch, setzten die Bittsteller hinzu, seyen Kaffeehäuser viel besser, als die „Branntweinpaläste (gin palaces),“ ja sie seyen wahre Bundesgenossen der Mäßigkeitsvereine. Der Kanzler des Schatzes erklärte, daß er das Budget so bald als möglich vorlegen werde, lehnte es jedoch ab, die Frage des Obristen Sibthorp zu beantworten, ob unter den neuen Steuern, welche die Regierung dem Hause vorschlagen wolle, auch eine Salzaccise enthalten sey. Eine Frage Sir R. Peels beantwortete Hr. Baring dahin, die gestempelten Briefcouverts für die Penny-Post würden in etwa drei Wochen fertig seyn, und man werde dann, vor ihrer allgemeinen Einführung, zuerst einen Versuch in den Stadtposten damit anstellen. Die Sitzung dauerte fort. Am 25 Febr. segelte der Blenheim von 72 Kanonen, mit Kriegsvorräthen gegen China an Bord, aus dem Hafen von Portsmouth ab. Die Fregatte Blonde, der Nimrod von 20 und der Pylades von 18 Kanonen werden, von Plymouth aus, sogleich nachfolgen. Auch die Andromache ist, zu gleicher Bestimmung, beinahe segelfertig. Die Fregatte Crescent von 42 Kanonen ist nach Rio de Janeiro abgegangen, wo sie als Depotschiff für Neger gebraucht werden soll, welche brittische Kreuzer den Sklavenhändlern abnehmen. (Standard.) Aus Portsmouth wird dd. 26 Febr. geschrieben: „Das Deportationsschiff Mandarin, mit Frost, Jones und Williams an Bord, lichtete gestern die Anker. Frost hatte bis zum letzten Augenblick gehofft, sein Pardon werde eintreffen; als der letzte Hoffnungsschimmer schwand, versank er in die tieffste Niedergeschlagenheit. Jetzt wirft er wohl mit seinen Unglücksgefährten den letzten Scheideblick auf Englands heimathliche Küste, denn ein starker Ostwind hat das Schiff schon ziemlich in See geführt.“

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 65. Augsburg, 5. März 1840, S. 0514. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_065_18400305/2>, abgerufen am 06.02.2023.