Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Allgemeine Zeitung. Nr. 130. Augsburg, 9. Mai 1840.

Bild:
<< vorherige Seite

so ist das Glück unsers Vaterlandes auf lange Zeit vernichtet, und ohne heftige Stöße kann man nicht mehr erhalten, was man jetzt noch innerhalb der grundgesetzlichen Formen gewinnen kann."

Nicht minder entschieden drückt sich das Organ der radicalen Partei, der Arnhem'sche Courant aus: "Die letzten Antworten der Regierung haben uns in der That erschreckt; so viel Zweifelmuth und Schwäche so naiv zur Schau gestellt! Wir haben die Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten mitgetheilt, damit jeder selbst urtheilen könne. Aber weder die Regierung, noch die Kammer scheint den Zustand des Landes zu kennen, sie sehen die Gefahren nicht, oder wagen nicht ihnen ins Angesicht zu blicken! In der That, das Regieren ist etwas mühseliger als man denkt, und wer leiten will, was er nicht leiten kann, nimmt eine schwere Verantwortlichkeit auf sich. Andere Hände werden erfordert, um das Schiff zu steuern zwischen den Klippen, unser Zustand wird mit jedem Tag gefährlicher, und wird endlich so verwirrt und heillos, daß Rettung selbst von kundiger Hand nicht mehr zu erwarten steht. Noch am Anfang dieses Jahrs konnten wir glauben, die Kammer werde einen energischen Schritt thun; jetzt können wir dieß nicht mehr. Aber es sind noch einige Männer von Kopf und Charakter in der Kammer, und an diese wenden wir uns: etwas muß geschehen, etwas das möglich ist und ein günstiges Resultat verspricht; dazu müssen sie die Hand bieten, und nicht mehr aus ängstlicher Scheu die Augen schließen vor den wirklichen Gefahren. Man spricht von entgegengesetzten Gesinnungen und Ansichten, von verschiedenen Parteien in Niederland - sie bestehen; von falschen, feindseligen Absichten spricht man - sie bestehen wahrscheinlich auch. Bereits erhebt sich vor manchem Auge am politischen Himmel ein schwarzer Punkt, der den Sturm des Bürgerzwists vorherverkündet. Wir sehen mehr als Einen. Ein Mittel ist übrig, das uns retten kann; weder die Regierung, noch die Kammer hat es genannt, wir thaten dieß, wir haben einen Compaß und ein Ziel, wir wissen wohin und wie; unsere Fahne "directe Wahlen" findet mit jedem Tag sich von zahlreichern Anhängern umgeben. Diese Fahne muß gehoben werden in der Kammer. Die Mehrheit will es freilich nicht. Aber bereits haben sich drei Mitglieder in den Abtheilungen dafür erklärt, mögen sie dieß jetzt in der öffentlichen Sitzung der Kammer thun; - dann mag die Nation entscheiden."

Nachrichten aus dem Haag zufolge beharrt die Kammer auf ihren bisherigen Ansichten, wie dieß auch nicht anders zu erwarten war, namentlich auch was die Veränderungen im Grundgesetz betrifft, auf der ministeriellen Verantwortlichkeit, die, was den Augenblick anbelangt, mit der Finanzfrage in Eins zusammenfällt. Es scheinen auch in dieser letztern Beziehung entscheidende Schritte vorbereitet zu werden, wenigstens hat am 1 Mai die Centralabtheilung der Kammer eine lange Conferenz mit dem Minister der Finanzen gehabt, und sämmtliche Mitglieder des Amortisationssyndikats sind aufgerufen, einer allgemeinen Versammlung, die heute (4 Mai) zu Amsterdam stattfinden soll, beizuwohnen. Man hofft somit abermals, daß es zu einer gütlichen Ausgleichung kommen werde, die von der Mehrzahl des Volks und der Abgeordneten sehnlichst gewünscht wird. - Durch Beschluß vom 27 April hat Se. Maj. der König, in Erwägung daß die noch bestehende Vertheilung des Reichs in große Militärcommandos nicht mehr streng nothwendig ist, die Stellen der großen Militärcommandanten aufgehoben. Dieß ist der Grund, weßhalb abermals eine große Anzahl höherer Officiere auf Nichtactivitätssold gesetzt oder pensionirt werden. - Einer Publication des Staatscourants zufolge ist der holländischen Eisenbahngesellschaft zu Amsterdam unter noch näher zu bestimmenden Bedingungen die Concession verliehen, die von Amsterdam nach Haarlem jetzt schon führende Eisenbahn über Leyden, Haag und Delft nach Rotterdam zu verlängern.

Deutschland.

Dem Vernehmen nach werden Se. k. Hoh. der Großherzog von Baden nächsten Sonnabend unsre Stadt verlassen, und sich nach Besichtigung der Walhalla bei Regensburg und der Festungsbauten in Ingolstadt nach Karlsruhe zurückbegeben. - Staatsrath v. Hörmann ist gestern nach Freysing zurückgekehrt, und wird, wie verlautet, erst Ende dieses Monats seinen Posten als Regierungspräsident für Oberbayern antreten. - Enslen's Panoramen, die im Odeon aufgestellt sind, finden ungewöhnlichen Beifall.

Die Saison in den großen Städten geht zu Ende, dagegen beginnt sie in den Bädern. Die Industrie mit ihren Hoffnungen und Befürchtungen ist bereits allerorts in reger Thätigkeit. Auch bei uns ist dieß der Fall, um so mehr, da Kissingen unter den Bädern erster Classe rangirt. Daher denn nun die verschiedenartigsten Ansprüche, die einer organisch fortschreitenden Entwicklung nicht immer günstig sind. So vermehrt sich durch den Drang von außen die Zahl der neuen Wohnhäuser in einem Grade, daß ein Stillstand in dieser Beziehung von mehreren Seiten gewünscht wird. So hat die Frage nach einem Gasthof ersten Ranges schnell mehrere Concurrenten in Thätigkeit gesetzt, und wir wissen noch nicht, ob der Tüchtigste wird gewählt werden. Uebrigens thut uns ein eleganter Gasthof Noth. Erfreulich ist, was von Seite der königlichen Behörden geschieht. Dem prachtvollen Conversationssaal mit seinen Arkaden schließt sich nun der Curplatz würdig an, da die provisorischen Krugbaracken endlich aus ihm entfernt sind, so daß er nun bedeutend an Ausdehnung und Schönheit gewinnt. Auch die neue, durch den Baurath Schierlinger entworfene Brücke gewährt nun nach ihrer Vollendung einen schönen, harmonischen Anblick; die zwischen ihr und dem Conversationssaale begonnenen Gartenanlagen nahen sich ihrer Ausführung. Seit wenigen Tagen verbinden Vicinalstraßen die Dörfer Garitz und Reiterswiesen mit unserm Curort. Auf der Bodenlaube und im Cascadenthal hat die Industrie Etablissements gegründet, die den Curgästen sehr willkommen seyn werden. Noch erfreulicher sind die Fortschritte in den medicinischen Anstalten. Die Idee, mit dem Säuerling - dem Marbrunnen - eine Molkenanstalt und salzsaure Dampfbäder zu verbinden, wird in diesem Moment verwirklicht, und bereits werden in dieser Saison Brustkranke in Kissingen eben so sicher Linderung und Heilung finden, als beides seit einem Jahrhundert Unterleibskranke hier fanden. Die Gasbadanstalt erhält eine nothwendige Erweiterung, die im nächsten Jahr weiter geführt werden wird. Die Zahl der Privatbadhäuser vermehrt sich, und für den sichern und zweckmäßigern Transport des Badewassers in die einzelnen Häuser wird auch Sorge getragen, bis die vorgeschlagene allgemeine Leitung der Soole und des Pandurs ausgeführt werden kann. Manches geht zwar langsam, aber es geht doch. - Das günstige Wetter hat uns schon mehrere Curgäste zugeführt; von hohen Gästen, die erwartet werden, nennen wir die Königin von Würtemberg.

Am 2 Mai starb dahier Abbe Mozin, 71 Jahre alt. (Schw. M.)

Der Schwäbische Merkur beginnt einen Artikel über Eisenbahnen mit den Worten: "Wenn man in den Zeitungen von den vielen Eisenbahnen liest, welche

so ist das Glück unsers Vaterlandes auf lange Zeit vernichtet, und ohne heftige Stöße kann man nicht mehr erhalten, was man jetzt noch innerhalb der grundgesetzlichen Formen gewinnen kann.“

Nicht minder entschieden drückt sich das Organ der radicalen Partei, der Arnhem'sche Courant aus: „Die letzten Antworten der Regierung haben uns in der That erschreckt; so viel Zweifelmuth und Schwäche so naiv zur Schau gestellt! Wir haben die Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten mitgetheilt, damit jeder selbst urtheilen könne. Aber weder die Regierung, noch die Kammer scheint den Zustand des Landes zu kennen, sie sehen die Gefahren nicht, oder wagen nicht ihnen ins Angesicht zu blicken! In der That, das Regieren ist etwas mühseliger als man denkt, und wer leiten will, was er nicht leiten kann, nimmt eine schwere Verantwortlichkeit auf sich. Andere Hände werden erfordert, um das Schiff zu steuern zwischen den Klippen, unser Zustand wird mit jedem Tag gefährlicher, und wird endlich so verwirrt und heillos, daß Rettung selbst von kundiger Hand nicht mehr zu erwarten steht. Noch am Anfang dieses Jahrs konnten wir glauben, die Kammer werde einen energischen Schritt thun; jetzt können wir dieß nicht mehr. Aber es sind noch einige Männer von Kopf und Charakter in der Kammer, und an diese wenden wir uns: etwas muß geschehen, etwas das möglich ist und ein günstiges Resultat verspricht; dazu müssen sie die Hand bieten, und nicht mehr aus ängstlicher Scheu die Augen schließen vor den wirklichen Gefahren. Man spricht von entgegengesetzten Gesinnungen und Ansichten, von verschiedenen Parteien in Niederland – sie bestehen; von falschen, feindseligen Absichten spricht man – sie bestehen wahrscheinlich auch. Bereits erhebt sich vor manchem Auge am politischen Himmel ein schwarzer Punkt, der den Sturm des Bürgerzwists vorherverkündet. Wir sehen mehr als Einen. Ein Mittel ist übrig, das uns retten kann; weder die Regierung, noch die Kammer hat es genannt, wir thaten dieß, wir haben einen Compaß und ein Ziel, wir wissen wohin und wie; unsere Fahne „directe Wahlen“ findet mit jedem Tag sich von zahlreichern Anhängern umgeben. Diese Fahne muß gehoben werden in der Kammer. Die Mehrheit will es freilich nicht. Aber bereits haben sich drei Mitglieder in den Abtheilungen dafür erklärt, mögen sie dieß jetzt in der öffentlichen Sitzung der Kammer thun; – dann mag die Nation entscheiden.“

Nachrichten aus dem Haag zufolge beharrt die Kammer auf ihren bisherigen Ansichten, wie dieß auch nicht anders zu erwarten war, namentlich auch was die Veränderungen im Grundgesetz betrifft, auf der ministeriellen Verantwortlichkeit, die, was den Augenblick anbelangt, mit der Finanzfrage in Eins zusammenfällt. Es scheinen auch in dieser letztern Beziehung entscheidende Schritte vorbereitet zu werden, wenigstens hat am 1 Mai die Centralabtheilung der Kammer eine lange Conferenz mit dem Minister der Finanzen gehabt, und sämmtliche Mitglieder des Amortisationssyndikats sind aufgerufen, einer allgemeinen Versammlung, die heute (4 Mai) zu Amsterdam stattfinden soll, beizuwohnen. Man hofft somit abermals, daß es zu einer gütlichen Ausgleichung kommen werde, die von der Mehrzahl des Volks und der Abgeordneten sehnlichst gewünscht wird. – Durch Beschluß vom 27 April hat Se. Maj. der König, in Erwägung daß die noch bestehende Vertheilung des Reichs in große Militärcommandos nicht mehr streng nothwendig ist, die Stellen der großen Militärcommandanten aufgehoben. Dieß ist der Grund, weßhalb abermals eine große Anzahl höherer Officiere auf Nichtactivitätssold gesetzt oder pensionirt werden. – Einer Publication des Staatscourants zufolge ist der holländischen Eisenbahngesellschaft zu Amsterdam unter noch näher zu bestimmenden Bedingungen die Concession verliehen, die von Amsterdam nach Haarlem jetzt schon führende Eisenbahn über Leyden, Haag und Delft nach Rotterdam zu verlängern.

Deutschland.

Dem Vernehmen nach werden Se. k. Hoh. der Großherzog von Baden nächsten Sonnabend unsre Stadt verlassen, und sich nach Besichtigung der Walhalla bei Regensburg und der Festungsbauten in Ingolstadt nach Karlsruhe zurückbegeben. – Staatsrath v. Hörmann ist gestern nach Freysing zurückgekehrt, und wird, wie verlautet, erst Ende dieses Monats seinen Posten als Regierungspräsident für Oberbayern antreten. – Enslen's Panoramen, die im Odeon aufgestellt sind, finden ungewöhnlichen Beifall.

Die Saison in den großen Städten geht zu Ende, dagegen beginnt sie in den Bädern. Die Industrie mit ihren Hoffnungen und Befürchtungen ist bereits allerorts in reger Thätigkeit. Auch bei uns ist dieß der Fall, um so mehr, da Kissingen unter den Bädern erster Classe rangirt. Daher denn nun die verschiedenartigsten Ansprüche, die einer organisch fortschreitenden Entwicklung nicht immer günstig sind. So vermehrt sich durch den Drang von außen die Zahl der neuen Wohnhäuser in einem Grade, daß ein Stillstand in dieser Beziehung von mehreren Seiten gewünscht wird. So hat die Frage nach einem Gasthof ersten Ranges schnell mehrere Concurrenten in Thätigkeit gesetzt, und wir wissen noch nicht, ob der Tüchtigste wird gewählt werden. Uebrigens thut uns ein eleganter Gasthof Noth. Erfreulich ist, was von Seite der königlichen Behörden geschieht. Dem prachtvollen Conversationssaal mit seinen Arkaden schließt sich nun der Curplatz würdig an, da die provisorischen Krugbaracken endlich aus ihm entfernt sind, so daß er nun bedeutend an Ausdehnung und Schönheit gewinnt. Auch die neue, durch den Baurath Schierlinger entworfene Brücke gewährt nun nach ihrer Vollendung einen schönen, harmonischen Anblick; die zwischen ihr und dem Conversationssaale begonnenen Gartenanlagen nahen sich ihrer Ausführung. Seit wenigen Tagen verbinden Vicinalstraßen die Dörfer Garitz und Reiterswiesen mit unserm Curort. Auf der Bodenlaube und im Cascadenthal hat die Industrie Etablissements gegründet, die den Curgästen sehr willkommen seyn werden. Noch erfreulicher sind die Fortschritte in den medicinischen Anstalten. Die Idee, mit dem Säuerling – dem Marbrunnen – eine Molkenanstalt und salzsaure Dampfbäder zu verbinden, wird in diesem Moment verwirklicht, und bereits werden in dieser Saison Brustkranke in Kissingen eben so sicher Linderung und Heilung finden, als beides seit einem Jahrhundert Unterleibskranke hier fanden. Die Gasbadanstalt erhält eine nothwendige Erweiterung, die im nächsten Jahr weiter geführt werden wird. Die Zahl der Privatbadhäuser vermehrt sich, und für den sichern und zweckmäßigern Transport des Badewassers in die einzelnen Häuser wird auch Sorge getragen, bis die vorgeschlagene allgemeine Leitung der Soole und des Pandurs ausgeführt werden kann. Manches geht zwar langsam, aber es geht doch. – Das günstige Wetter hat uns schon mehrere Curgäste zugeführt; von hohen Gästen, die erwartet werden, nennen wir die Königin von Würtemberg.

Am 2 Mai starb dahier Abbé Mozin, 71 Jahre alt. (Schw. M.)

Der Schwäbische Merkur beginnt einen Artikel über Eisenbahnen mit den Worten: „Wenn man in den Zeitungen von den vielen Eisenbahnen liest, welche

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0004" n="1036"/>
so ist das Glück unsers Vaterlandes auf lange Zeit vernichtet, und ohne heftige Stöße kann man nicht mehr erhalten, was man jetzt noch innerhalb der grundgesetzlichen Formen gewinnen kann.&#x201C;</p><lb/>
        <p>Nicht minder entschieden drückt sich das Organ der radicalen Partei, der <hi rendition="#g">Arnhem</hi>'<hi rendition="#g">sche Courant</hi> aus: &#x201E;Die letzten Antworten der Regierung haben uns in der That erschreckt; so viel Zweifelmuth und Schwäche so naiv zur Schau gestellt! Wir haben die Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten mitgetheilt, damit jeder selbst urtheilen könne. Aber weder die Regierung, noch die Kammer scheint den Zustand des Landes zu kennen, sie sehen die Gefahren nicht, oder wagen nicht ihnen ins Angesicht zu blicken! In der That, das Regieren ist etwas mühseliger als man denkt, und wer leiten will, was er nicht leiten kann, nimmt eine schwere Verantwortlichkeit auf sich. Andere Hände werden erfordert, um das Schiff zu steuern zwischen den Klippen, unser Zustand wird mit jedem Tag gefährlicher, und wird endlich so verwirrt und heillos, daß Rettung selbst von kundiger Hand nicht mehr zu erwarten steht. Noch am Anfang dieses Jahrs konnten wir glauben, die Kammer werde einen energischen Schritt thun; jetzt können wir dieß nicht mehr. Aber es sind noch einige Männer von Kopf und Charakter in der Kammer, und an diese wenden wir uns: etwas muß geschehen, etwas das möglich ist und ein günstiges Resultat verspricht; dazu müssen sie die Hand bieten, und nicht mehr aus ängstlicher Scheu die Augen schließen vor den wirklichen Gefahren. Man spricht von entgegengesetzten Gesinnungen und Ansichten, von verschiedenen Parteien in Niederland &#x2013; sie bestehen; von falschen, feindseligen Absichten spricht man &#x2013; sie bestehen wahrscheinlich auch. Bereits erhebt sich vor manchem Auge am politischen Himmel ein schwarzer Punkt, der den Sturm des Bürgerzwists vorherverkündet. Wir sehen mehr als Einen. Ein Mittel ist übrig, das uns retten kann; weder die Regierung, noch die Kammer hat es genannt, <hi rendition="#g">wir</hi> thaten dieß, <hi rendition="#g">wir</hi> haben einen Compaß und ein Ziel, <hi rendition="#g">wir</hi> wissen wohin und wie; unsere Fahne &#x201E;<hi rendition="#g">directe Wahlen</hi>&#x201C; findet mit jedem Tag sich von zahlreichern Anhängern umgeben. Diese Fahne muß gehoben werden in der Kammer. Die Mehrheit will es freilich nicht. Aber bereits haben sich drei Mitglieder in den Abtheilungen dafür erklärt, mögen sie dieß jetzt in der öffentlichen Sitzung der Kammer thun; &#x2013; dann mag die Nation entscheiden.&#x201C;</p><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Vom Niederrhein,</hi> 4 Mai.</dateline>
          <p> Nachrichten aus dem Haag zufolge beharrt die Kammer auf ihren bisherigen Ansichten, wie dieß auch nicht anders zu erwarten war, namentlich auch was die Veränderungen im Grundgesetz betrifft, auf der ministeriellen Verantwortlichkeit, die, was den Augenblick anbelangt, mit der Finanzfrage in Eins zusammenfällt. Es scheinen auch in dieser letztern Beziehung entscheidende Schritte vorbereitet zu werden, wenigstens hat am 1 Mai die Centralabtheilung der Kammer eine lange Conferenz mit dem Minister der Finanzen gehabt, und sämmtliche Mitglieder des Amortisationssyndikats sind aufgerufen, einer allgemeinen Versammlung, die heute (4 Mai) zu Amsterdam stattfinden soll, beizuwohnen. Man hofft somit abermals, daß es zu einer gütlichen Ausgleichung kommen werde, die von der Mehrzahl des Volks und der Abgeordneten sehnlichst gewünscht wird. &#x2013; Durch Beschluß vom 27 April hat Se. Maj. der König, in Erwägung daß die noch bestehende Vertheilung des Reichs in große Militärcommandos nicht mehr streng nothwendig ist, die Stellen der großen Militärcommandanten aufgehoben. Dieß ist der Grund, weßhalb abermals eine große Anzahl höherer Officiere auf Nichtactivitätssold gesetzt oder pensionirt werden. &#x2013; Einer Publication des Staatscourants zufolge ist der holländischen Eisenbahngesellschaft zu Amsterdam unter noch näher zu bestimmenden Bedingungen die Concession verliehen, die von Amsterdam nach Haarlem jetzt schon führende Eisenbahn über Leyden, Haag und Delft nach Rotterdam zu verlängern.</p><lb/>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Deutschland.</hi> </head><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">München,</hi> 7 Mai.</dateline>
          <p> Dem Vernehmen nach werden Se. k. Hoh. der Großherzog von Baden nächsten Sonnabend unsre Stadt verlassen, und sich nach Besichtigung der Walhalla bei Regensburg und der Festungsbauten in Ingolstadt nach Karlsruhe zurückbegeben. &#x2013; Staatsrath v. Hörmann ist gestern nach Freysing zurückgekehrt, und wird, wie verlautet, erst Ende dieses Monats seinen Posten als Regierungspräsident für Oberbayern antreten. &#x2013; Enslen's Panoramen, die im Odeon aufgestellt sind, finden ungewöhnlichen Beifall.</p>
        </div><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">Kissingen,</hi> 5 Mai.</dateline>
          <p> Die Saison in den großen Städten geht zu Ende, dagegen beginnt sie in den Bädern. Die Industrie mit ihren Hoffnungen und Befürchtungen ist bereits allerorts in reger Thätigkeit. Auch bei uns ist dieß der Fall, um so mehr, da Kissingen unter den Bädern erster Classe rangirt. Daher denn nun die verschiedenartigsten Ansprüche, die einer organisch fortschreitenden Entwicklung nicht immer günstig sind. So vermehrt sich durch den Drang von außen die Zahl der neuen Wohnhäuser in einem Grade, daß ein Stillstand in dieser Beziehung von mehreren Seiten gewünscht wird. So hat die Frage nach einem Gasthof ersten Ranges schnell mehrere Concurrenten in Thätigkeit gesetzt, und wir wissen noch nicht, ob der Tüchtigste wird gewählt werden. Uebrigens thut uns ein eleganter Gasthof Noth. Erfreulich ist, was von Seite der königlichen Behörden geschieht. Dem prachtvollen Conversationssaal mit seinen Arkaden schließt sich nun der Curplatz würdig an, da die provisorischen Krugbaracken endlich aus ihm entfernt sind, so daß er nun bedeutend an Ausdehnung und Schönheit gewinnt. Auch die neue, durch den Baurath Schierlinger entworfene Brücke gewährt nun nach ihrer Vollendung einen schönen, harmonischen Anblick; die zwischen ihr und dem Conversationssaale begonnenen Gartenanlagen nahen sich ihrer Ausführung. Seit wenigen Tagen verbinden Vicinalstraßen die Dörfer Garitz und Reiterswiesen mit unserm Curort. Auf der Bodenlaube und im Cascadenthal hat die Industrie Etablissements gegründet, die den Curgästen sehr willkommen seyn werden. Noch erfreulicher sind die Fortschritte in den medicinischen Anstalten. Die Idee, mit dem Säuerling &#x2013; dem Marbrunnen &#x2013; eine <hi rendition="#g">Molkenanstalt</hi> und <hi rendition="#g">salzsaure Dampfbäder</hi> zu verbinden, wird in diesem Moment verwirklicht, und bereits werden in dieser Saison Brustkranke in Kissingen eben so sicher Linderung und Heilung finden, als beides seit einem Jahrhundert Unterleibskranke hier fanden. Die Gasbadanstalt erhält eine nothwendige Erweiterung, die im nächsten Jahr weiter geführt werden wird. Die Zahl der Privatbadhäuser vermehrt sich, und für den sichern und zweckmäßigern Transport des Badewassers in die einzelnen Häuser wird auch Sorge getragen, bis die vorgeschlagene allgemeine Leitung der Soole und des Pandurs ausgeführt werden kann. Manches geht zwar langsam, aber es geht doch. &#x2013; Das günstige Wetter hat uns schon mehrere Curgäste zugeführt; von hohen Gästen, die erwartet werden, nennen wir die Königin von Würtemberg.</p>
        </div><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline> <hi rendition="#b">Stuttgart.</hi> </dateline>
          <p> Am 2 Mai starb dahier Abbé Mozin, 71 Jahre alt. (<hi rendition="#g">Schw</hi>. M.)</p>
        </div><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline> <hi rendition="#b">Stuttgart.</hi> </dateline>
          <p> Der <hi rendition="#g">Schwäbische Merkur</hi> beginnt einen Artikel über Eisenbahnen mit den Worten: &#x201E;Wenn man in den Zeitungen von den vielen Eisenbahnen liest, welche<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1036/0004] so ist das Glück unsers Vaterlandes auf lange Zeit vernichtet, und ohne heftige Stöße kann man nicht mehr erhalten, was man jetzt noch innerhalb der grundgesetzlichen Formen gewinnen kann.“ Nicht minder entschieden drückt sich das Organ der radicalen Partei, der Arnhem'sche Courant aus: „Die letzten Antworten der Regierung haben uns in der That erschreckt; so viel Zweifelmuth und Schwäche so naiv zur Schau gestellt! Wir haben die Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten mitgetheilt, damit jeder selbst urtheilen könne. Aber weder die Regierung, noch die Kammer scheint den Zustand des Landes zu kennen, sie sehen die Gefahren nicht, oder wagen nicht ihnen ins Angesicht zu blicken! In der That, das Regieren ist etwas mühseliger als man denkt, und wer leiten will, was er nicht leiten kann, nimmt eine schwere Verantwortlichkeit auf sich. Andere Hände werden erfordert, um das Schiff zu steuern zwischen den Klippen, unser Zustand wird mit jedem Tag gefährlicher, und wird endlich so verwirrt und heillos, daß Rettung selbst von kundiger Hand nicht mehr zu erwarten steht. Noch am Anfang dieses Jahrs konnten wir glauben, die Kammer werde einen energischen Schritt thun; jetzt können wir dieß nicht mehr. Aber es sind noch einige Männer von Kopf und Charakter in der Kammer, und an diese wenden wir uns: etwas muß geschehen, etwas das möglich ist und ein günstiges Resultat verspricht; dazu müssen sie die Hand bieten, und nicht mehr aus ängstlicher Scheu die Augen schließen vor den wirklichen Gefahren. Man spricht von entgegengesetzten Gesinnungen und Ansichten, von verschiedenen Parteien in Niederland – sie bestehen; von falschen, feindseligen Absichten spricht man – sie bestehen wahrscheinlich auch. Bereits erhebt sich vor manchem Auge am politischen Himmel ein schwarzer Punkt, der den Sturm des Bürgerzwists vorherverkündet. Wir sehen mehr als Einen. Ein Mittel ist übrig, das uns retten kann; weder die Regierung, noch die Kammer hat es genannt, wir thaten dieß, wir haben einen Compaß und ein Ziel, wir wissen wohin und wie; unsere Fahne „directe Wahlen“ findet mit jedem Tag sich von zahlreichern Anhängern umgeben. Diese Fahne muß gehoben werden in der Kammer. Die Mehrheit will es freilich nicht. Aber bereits haben sich drei Mitglieder in den Abtheilungen dafür erklärt, mögen sie dieß jetzt in der öffentlichen Sitzung der Kammer thun; – dann mag die Nation entscheiden.“ _ Vom Niederrhein, 4 Mai. Nachrichten aus dem Haag zufolge beharrt die Kammer auf ihren bisherigen Ansichten, wie dieß auch nicht anders zu erwarten war, namentlich auch was die Veränderungen im Grundgesetz betrifft, auf der ministeriellen Verantwortlichkeit, die, was den Augenblick anbelangt, mit der Finanzfrage in Eins zusammenfällt. Es scheinen auch in dieser letztern Beziehung entscheidende Schritte vorbereitet zu werden, wenigstens hat am 1 Mai die Centralabtheilung der Kammer eine lange Conferenz mit dem Minister der Finanzen gehabt, und sämmtliche Mitglieder des Amortisationssyndikats sind aufgerufen, einer allgemeinen Versammlung, die heute (4 Mai) zu Amsterdam stattfinden soll, beizuwohnen. Man hofft somit abermals, daß es zu einer gütlichen Ausgleichung kommen werde, die von der Mehrzahl des Volks und der Abgeordneten sehnlichst gewünscht wird. – Durch Beschluß vom 27 April hat Se. Maj. der König, in Erwägung daß die noch bestehende Vertheilung des Reichs in große Militärcommandos nicht mehr streng nothwendig ist, die Stellen der großen Militärcommandanten aufgehoben. Dieß ist der Grund, weßhalb abermals eine große Anzahl höherer Officiere auf Nichtactivitätssold gesetzt oder pensionirt werden. – Einer Publication des Staatscourants zufolge ist der holländischen Eisenbahngesellschaft zu Amsterdam unter noch näher zu bestimmenden Bedingungen die Concession verliehen, die von Amsterdam nach Haarlem jetzt schon führende Eisenbahn über Leyden, Haag und Delft nach Rotterdam zu verlängern. Deutschland. _ München, 7 Mai. Dem Vernehmen nach werden Se. k. Hoh. der Großherzog von Baden nächsten Sonnabend unsre Stadt verlassen, und sich nach Besichtigung der Walhalla bei Regensburg und der Festungsbauten in Ingolstadt nach Karlsruhe zurückbegeben. – Staatsrath v. Hörmann ist gestern nach Freysing zurückgekehrt, und wird, wie verlautet, erst Ende dieses Monats seinen Posten als Regierungspräsident für Oberbayern antreten. – Enslen's Panoramen, die im Odeon aufgestellt sind, finden ungewöhnlichen Beifall. _ Kissingen, 5 Mai. Die Saison in den großen Städten geht zu Ende, dagegen beginnt sie in den Bädern. Die Industrie mit ihren Hoffnungen und Befürchtungen ist bereits allerorts in reger Thätigkeit. Auch bei uns ist dieß der Fall, um so mehr, da Kissingen unter den Bädern erster Classe rangirt. Daher denn nun die verschiedenartigsten Ansprüche, die einer organisch fortschreitenden Entwicklung nicht immer günstig sind. So vermehrt sich durch den Drang von außen die Zahl der neuen Wohnhäuser in einem Grade, daß ein Stillstand in dieser Beziehung von mehreren Seiten gewünscht wird. So hat die Frage nach einem Gasthof ersten Ranges schnell mehrere Concurrenten in Thätigkeit gesetzt, und wir wissen noch nicht, ob der Tüchtigste wird gewählt werden. Uebrigens thut uns ein eleganter Gasthof Noth. Erfreulich ist, was von Seite der königlichen Behörden geschieht. Dem prachtvollen Conversationssaal mit seinen Arkaden schließt sich nun der Curplatz würdig an, da die provisorischen Krugbaracken endlich aus ihm entfernt sind, so daß er nun bedeutend an Ausdehnung und Schönheit gewinnt. Auch die neue, durch den Baurath Schierlinger entworfene Brücke gewährt nun nach ihrer Vollendung einen schönen, harmonischen Anblick; die zwischen ihr und dem Conversationssaale begonnenen Gartenanlagen nahen sich ihrer Ausführung. Seit wenigen Tagen verbinden Vicinalstraßen die Dörfer Garitz und Reiterswiesen mit unserm Curort. Auf der Bodenlaube und im Cascadenthal hat die Industrie Etablissements gegründet, die den Curgästen sehr willkommen seyn werden. Noch erfreulicher sind die Fortschritte in den medicinischen Anstalten. Die Idee, mit dem Säuerling – dem Marbrunnen – eine Molkenanstalt und salzsaure Dampfbäder zu verbinden, wird in diesem Moment verwirklicht, und bereits werden in dieser Saison Brustkranke in Kissingen eben so sicher Linderung und Heilung finden, als beides seit einem Jahrhundert Unterleibskranke hier fanden. Die Gasbadanstalt erhält eine nothwendige Erweiterung, die im nächsten Jahr weiter geführt werden wird. Die Zahl der Privatbadhäuser vermehrt sich, und für den sichern und zweckmäßigern Transport des Badewassers in die einzelnen Häuser wird auch Sorge getragen, bis die vorgeschlagene allgemeine Leitung der Soole und des Pandurs ausgeführt werden kann. Manches geht zwar langsam, aber es geht doch. – Das günstige Wetter hat uns schon mehrere Curgäste zugeführt; von hohen Gästen, die erwartet werden, nennen wir die Königin von Würtemberg. _ Stuttgart. Am 2 Mai starb dahier Abbé Mozin, 71 Jahre alt. (Schw. M.) _ Stuttgart. Der Schwäbische Merkur beginnt einen Artikel über Eisenbahnen mit den Worten: „Wenn man in den Zeitungen von den vielen Eisenbahnen liest, welche

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_130_18400509
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_130_18400509/4
Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 130. Augsburg, 9. Mai 1840, S. 1036. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_130_18400509/4>, abgerufen am 07.07.2022.