Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899.

Bild:
<< vorherige Seite

Schweisseisen 1831 bis 1850.
Watt hatten 1801 ein grosses feuerfestes Gebäude für die Baum-
wollenspinnerei von Philipps & Lee in Manchester erbaut, wozu
gusseiserne Balken verwendet wurden, wobei Watt schon sehr rich-
tige Profile und Massverhältnisse anwendete. Hodgkinson behandelte
diese Frage 1827 theoretisch. In New-York begann man anfangs der
40er Jahre die ersten Häuser aus Gusseisen zu erbauen, die dann
infolge des Goldfiebers in Kalifornien zu ausgedehnter Anwendung
kamen. Man konnte die amerikanischen gusseisernen Häuser in einigen
Tagen zusammensetzen, während man für die aus England bezogenen
schmiedeeisernen Häuser einen ganzen Monat brauchte.

Schweisseisen 1831 bis 1850.
I. Die direkte Darstellung.

Schmiedbares Eisen unmittelbar aus den Erzen zu ge-
winnen
, statt auf dem Umwege der Roheisenerzeugung, war ein
Problem, das niemals ganz verschwand, sondern von Zeit zu Zeit
immer wieder auftauchte. Die Zahl der dafür gelösten Patente ist
eine sehr grosse. Über das Ausschmelzen der Erze im Flammofen
und direktes Verpuddeln des so erhaltenen Eisens hatte Maison-
Desroches
einen langen Aufsatz in den Annales des mines von 1829
veröffentlicht 1).

1836 nahm J. J. Hawkins auf eine Mitteilung von P. Boydon
hin in England ein Patent, geröstete oder gebrannte Erze mit Holz-
kohle gemischt in geschlossenen Gefässen oder Öfen, am besten in
einem Stahlcementierofen, zu glühen oder zu cementieren. Je nach
dem Zusatze der Holzkohle wollte er auf diese Weise Eisen von ver-
schiedenem Kohlengehalt erhalten, das als Gusseisen oder als Guss-
stahl in Tiegeln geschmolzen oder als Schmiedeeisen in Puddel- oder
Schweissöfen weiter verarbeitet werden sollte.

1837 erhielt William Neale Clay ein Patent auf sein Ver-
fahren, reiche Eisenerze -- Karbonate oder Oxyde -- in nussgrossen
Stücken mit 20 Proz. Koks, Holzkohlen, Torfkohlen, Anthracit oder
ähnlichen Kohlensubstanzen in D-förmigen Retorten in einem Ofen,
der mit einem Puddelofen verbunden war und von der entweichenden
Flamme desselben erhitzt wurde, 12 Stunden lang der Rotglut aus-

1) L. c., 2. Serie, T. VI, p. 125. J. S. Dawson wollte Eisengarschlacke und
Eisenoxyde mit Kohle gemengt im Flammofen reduzieren (E. P. 6374 vom 29. Jan.
1833).

Schweiſseisen 1831 bis 1850.
Watt hatten 1801 ein groſses feuerfestes Gebäude für die Baum-
wollenspinnerei von Philipps & Lee in Manchester erbaut, wozu
guſseiserne Balken verwendet wurden, wobei Watt schon sehr rich-
tige Profile und Maſsverhältnisse anwendete. Hodgkinson behandelte
diese Frage 1827 theoretisch. In New-York begann man anfangs der
40er Jahre die ersten Häuser aus Guſseisen zu erbauen, die dann
infolge des Goldfiebers in Kalifornien zu ausgedehnter Anwendung
kamen. Man konnte die amerikanischen guſseisernen Häuser in einigen
Tagen zusammensetzen, während man für die aus England bezogenen
schmiedeeisernen Häuser einen ganzen Monat brauchte.

Schweiſseisen 1831 bis 1850.
I. Die direkte Darstellung.

Schmiedbares Eisen unmittelbar aus den Erzen zu ge-
winnen
, statt auf dem Umwege der Roheisenerzeugung, war ein
Problem, das niemals ganz verschwand, sondern von Zeit zu Zeit
immer wieder auftauchte. Die Zahl der dafür gelösten Patente ist
eine sehr groſse. Über das Ausschmelzen der Erze im Flammofen
und direktes Verpuddeln des so erhaltenen Eisens hatte Maison-
Desroches
einen langen Aufsatz in den Annales des mines von 1829
veröffentlicht 1).

1836 nahm J. J. Hawkins auf eine Mitteilung von P. Boydon
hin in England ein Patent, geröstete oder gebrannte Erze mit Holz-
kohle gemischt in geschlossenen Gefäſsen oder Öfen, am besten in
einem Stahlcementierofen, zu glühen oder zu cementieren. Je nach
dem Zusatze der Holzkohle wollte er auf diese Weise Eisen von ver-
schiedenem Kohlengehalt erhalten, das als Guſseisen oder als Guſs-
stahl in Tiegeln geschmolzen oder als Schmiedeeisen in Puddel- oder
Schweiſsöfen weiter verarbeitet werden sollte.

1837 erhielt William Neale Clay ein Patent auf sein Ver-
fahren, reiche Eisenerze — Karbonate oder Oxyde — in nuſsgroſsen
Stücken mit 20 Proz. Koks, Holzkohlen, Torfkohlen, Anthracit oder
ähnlichen Kohlensubstanzen in D-förmigen Retorten in einem Ofen,
der mit einem Puddelofen verbunden war und von der entweichenden
Flamme desselben erhitzt wurde, 12 Stunden lang der Rotglut aus-

1) L. c., 2. Serie, T. VI, p. 125. J. S. Dawson wollte Eisengarschlacke und
Eisenoxyde mit Kohle gemengt im Flammofen reduzieren (E. P. 6374 vom 29. Jan.
1833).
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0557" n="541"/><fw place="top" type="header">Schwei&#x017F;seisen 1831 bis 1850.</fw><lb/><hi rendition="#g">Watt</hi> hatten 1801 ein gro&#x017F;ses feuerfestes Gebäude für die Baum-<lb/>
wollenspinnerei von <hi rendition="#g">Philipps &amp; Lee</hi> in Manchester erbaut, wozu<lb/>
gu&#x017F;seiserne Balken verwendet wurden, wobei <hi rendition="#g">Watt</hi> schon sehr rich-<lb/>
tige Profile und Ma&#x017F;sverhältnisse anwendete. <hi rendition="#g">Hodgkinson</hi> behandelte<lb/>
diese Frage 1827 theoretisch. In New-York begann man anfangs der<lb/>
40er Jahre die ersten Häuser aus Gu&#x017F;seisen zu erbauen, die dann<lb/>
infolge des Goldfiebers in Kalifornien zu ausgedehnter Anwendung<lb/>
kamen. Man konnte die amerikanischen gu&#x017F;seisernen Häuser in einigen<lb/>
Tagen zusammensetzen, während man für die aus England bezogenen<lb/>
schmiedeeisernen Häuser einen ganzen Monat brauchte.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Schwei&#x017F;seisen 1831 bis 1850</hi>.</hi> </head><lb/>
            <div n="4">
              <head>I. <hi rendition="#g">Die direkte Darstellung</hi>.</head><lb/>
              <p><hi rendition="#g">Schmiedbares Eisen unmittelbar aus den Erzen zu ge-<lb/>
winnen</hi>, statt auf dem Umwege der Roheisenerzeugung, war ein<lb/>
Problem, das niemals ganz verschwand, sondern von Zeit zu Zeit<lb/>
immer wieder auftauchte. Die Zahl der dafür gelösten Patente ist<lb/>
eine sehr gro&#x017F;se. Über das Ausschmelzen der Erze im Flammofen<lb/>
und direktes Verpuddeln des so erhaltenen Eisens hatte <hi rendition="#g">Maison-<lb/>
Desroches</hi> einen langen Aufsatz in den Annales des mines von 1829<lb/>
veröffentlicht <note place="foot" n="1)">L. c., 2. Serie, T. VI, p. 125. J. S. <hi rendition="#g">Dawson</hi> wollte Eisengarschlacke und<lb/>
Eisenoxyde mit Kohle gemengt im Flammofen reduzieren (E. P. 6374 vom 29. Jan.<lb/>
1833).</note>.</p><lb/>
              <p>1836 nahm J. J. <hi rendition="#g">Hawkins</hi> auf eine Mitteilung von P. <hi rendition="#g">Boydon</hi><lb/>
hin in England ein Patent, geröstete oder gebrannte Erze mit Holz-<lb/>
kohle gemischt in geschlossenen Gefä&#x017F;sen oder Öfen, am besten in<lb/>
einem Stahlcementierofen, zu glühen oder zu cementieren. Je nach<lb/>
dem Zusatze der Holzkohle wollte er auf diese Weise Eisen von ver-<lb/>
schiedenem Kohlengehalt erhalten, das als Gu&#x017F;seisen oder als Gu&#x017F;s-<lb/>
stahl in Tiegeln geschmolzen oder als Schmiedeeisen in Puddel- oder<lb/>
Schwei&#x017F;söfen weiter verarbeitet werden sollte.</p><lb/>
              <p>1837 erhielt <hi rendition="#g">William Neale Clay</hi> ein Patent auf sein Ver-<lb/>
fahren, reiche Eisenerze &#x2014; Karbonate oder Oxyde &#x2014; in nu&#x017F;sgro&#x017F;sen<lb/>
Stücken mit 20 Proz. Koks, Holzkohlen, Torfkohlen, Anthracit oder<lb/>
ähnlichen Kohlensubstanzen in D-förmigen Retorten in einem Ofen,<lb/>
der mit einem Puddelofen verbunden war und von der entweichenden<lb/>
Flamme desselben erhitzt wurde, 12 Stunden lang der Rotglut aus-<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[541/0557] Schweiſseisen 1831 bis 1850. Watt hatten 1801 ein groſses feuerfestes Gebäude für die Baum- wollenspinnerei von Philipps & Lee in Manchester erbaut, wozu guſseiserne Balken verwendet wurden, wobei Watt schon sehr rich- tige Profile und Maſsverhältnisse anwendete. Hodgkinson behandelte diese Frage 1827 theoretisch. In New-York begann man anfangs der 40er Jahre die ersten Häuser aus Guſseisen zu erbauen, die dann infolge des Goldfiebers in Kalifornien zu ausgedehnter Anwendung kamen. Man konnte die amerikanischen guſseisernen Häuser in einigen Tagen zusammensetzen, während man für die aus England bezogenen schmiedeeisernen Häuser einen ganzen Monat brauchte. Schweiſseisen 1831 bis 1850. I. Die direkte Darstellung. Schmiedbares Eisen unmittelbar aus den Erzen zu ge- winnen, statt auf dem Umwege der Roheisenerzeugung, war ein Problem, das niemals ganz verschwand, sondern von Zeit zu Zeit immer wieder auftauchte. Die Zahl der dafür gelösten Patente ist eine sehr groſse. Über das Ausschmelzen der Erze im Flammofen und direktes Verpuddeln des so erhaltenen Eisens hatte Maison- Desroches einen langen Aufsatz in den Annales des mines von 1829 veröffentlicht 1). 1836 nahm J. J. Hawkins auf eine Mitteilung von P. Boydon hin in England ein Patent, geröstete oder gebrannte Erze mit Holz- kohle gemischt in geschlossenen Gefäſsen oder Öfen, am besten in einem Stahlcementierofen, zu glühen oder zu cementieren. Je nach dem Zusatze der Holzkohle wollte er auf diese Weise Eisen von ver- schiedenem Kohlengehalt erhalten, das als Guſseisen oder als Guſs- stahl in Tiegeln geschmolzen oder als Schmiedeeisen in Puddel- oder Schweiſsöfen weiter verarbeitet werden sollte. 1837 erhielt William Neale Clay ein Patent auf sein Ver- fahren, reiche Eisenerze — Karbonate oder Oxyde — in nuſsgroſsen Stücken mit 20 Proz. Koks, Holzkohlen, Torfkohlen, Anthracit oder ähnlichen Kohlensubstanzen in D-förmigen Retorten in einem Ofen, der mit einem Puddelofen verbunden war und von der entweichenden Flamme desselben erhitzt wurde, 12 Stunden lang der Rotglut aus- 1) L. c., 2. Serie, T. VI, p. 125. J. S. Dawson wollte Eisengarschlacke und Eisenoxyde mit Kohle gemengt im Flammofen reduzieren (E. P. 6374 vom 29. Jan. 1833).

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/557
Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899, S. 541. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/557>, abgerufen am 11.08.2022.