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[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 6. Zürich, 1742.

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Echo
"könnte, daß Milton durch diese Verdollmet-
"schung noch mehr Kraft und Nachdruck gewon-
"nen habe, als er in seiner Muttersprache be-
"sizt. Jndessen hat es ihm aus Bescheidenheit
"beliebt, sich über den Mangel genugsamer
"Kundschaft in unsrer Sprache zu beschweren,
"der doch in Absehen auf die Stärcke seiner über-
"all prächtigen und erhabenen Ausdrückungen
"gewiß nirgends zu spüren ist. Sollte aber ja
"im Absehen auf die Zierlichkeit der Wortfü-
"gung hier und dar etwas unterlauffen, so in
"rein gewöhnten deutschen Ohren rauh und
"widrig klinget, so wird dieses dem Vaterlan-
"de des Hrn. Uebersetzers mehr, als seiner Un-
"fähigkeit zuzuschreiben seyn. Und doch muß
"man gestehen, daß uns noch kein Schweitze-
"rischer Scribent vorgekommen, dem man sein
"Vaterland weniger als Hrn. Bodmern hat
"anmercken können."

Und in dem XIX. St.
der Beyträge in der Beantwortung auf die Ein-
würffe wegen der Unvollkommenheit der deutschen
Sprache Bl. 448 heißt es:

"Gewiß alle Ken-
"ner Miltons sind erstaunet, als sie die Dol-
"metschung Hrn. Prof. Bodmers gelesen ha-
"ben: Denn wer hätte sichs eingebildet, daß
"dieses mit Gedancken so beschwerte Gedichte,
"dessen Ausdruck so körnicht, sinnreich und tief
"ist, sich so nach drücklich und vollständig deutsch
"würde geben lassen. Und doch hat es der Hr.
"Bodmer gethan. Jn Wahrheit, wer nun-
"mehr unsre Sprache noch matt, seicht, und
"plauderhaft nennen will, der verdienet, daß
"man
Echo
„koͤnnte, daß Milton durch dieſe Verdollmet-
„ſchung noch mehr Kraft und Nachdruck gewon-
„nen habe, als er in ſeiner Mutterſprache be-
„ſizt. Jndeſſen hat es ihm aus Beſcheidenheit
„beliebt, ſich uͤber den Mangel genugſamer
„Kundſchaft in unſrer Sprache zu beſchweren,
„der doch in Abſehen auf die Staͤrcke ſeiner uͤber-
„all praͤchtigen und erhabenen Ausdruͤckungen
„gewiß nirgends zu ſpuͤren iſt. Sollte aber ja
„im Abſehen auf die Zierlichkeit der Wortfuͤ-
„gung hier und dar etwas unterlauffen, ſo in
„rein gewoͤhnten deutſchen Ohren rauh und
„widrig klinget, ſo wird dieſes dem Vaterlan-
„de des Hrn. Ueberſetzers mehr, als ſeiner Un-
„faͤhigkeit zuzuſchreiben ſeyn. Und doch muß
„man geſtehen, daß uns noch kein Schweitze-
„riſcher Scribent vorgekommen, dem man ſein
„Vaterland weniger als Hrn. Bodmern hat
„anmercken koͤnnen.„

Und in dem XIX. St.
der Beytraͤge in der Beantwortung auf die Ein-
wuͤrffe wegen der Unvollkommenheit der deutſchen
Sprache Bl. 448 heißt es:

„Gewiß alle Ken-
„ner Miltons ſind erſtaunet, als ſie die Dol-
„metſchung Hrn. Prof. Bodmers geleſen ha-
„ben: Denn wer haͤtte ſichs eingebildet, daß
„dieſes mit Gedancken ſo beſchwerte Gedichte,
„deſſen Ausdruck ſo koͤrnicht, ſinnreich und tief
„iſt, ſich ſo nach druͤcklich und vollſtaͤndig deutſch
„wuͤrde geben laſſen. Und doch hat es der Hr.
„Bodmer gethan. Jn Wahrheit, wer nun-
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[44/0044] Echo „koͤnnte, daß Milton durch dieſe Verdollmet- „ſchung noch mehr Kraft und Nachdruck gewon- „nen habe, als er in ſeiner Mutterſprache be- „ſizt. Jndeſſen hat es ihm aus Beſcheidenheit „beliebt, ſich uͤber den Mangel genugſamer „Kundſchaft in unſrer Sprache zu beſchweren, „der doch in Abſehen auf die Staͤrcke ſeiner uͤber- „all praͤchtigen und erhabenen Ausdruͤckungen „gewiß nirgends zu ſpuͤren iſt. Sollte aber ja „im Abſehen auf die Zierlichkeit der Wortfuͤ- „gung hier und dar etwas unterlauffen, ſo in „rein gewoͤhnten deutſchen Ohren rauh und „widrig klinget, ſo wird dieſes dem Vaterlan- „de des Hrn. Ueberſetzers mehr, als ſeiner Un- „faͤhigkeit zuzuſchreiben ſeyn. Und doch muß „man geſtehen, daß uns noch kein Schweitze- „riſcher Scribent vorgekommen, dem man ſein „Vaterland weniger als Hrn. Bodmern hat „anmercken koͤnnen.„ Und in dem XIX. St. der Beytraͤge in der Beantwortung auf die Ein- wuͤrffe wegen der Unvollkommenheit der deutſchen Sprache Bl. 448 heißt es: „Gewiß alle Ken- „ner Miltons ſind erſtaunet, als ſie die Dol- „metſchung Hrn. Prof. Bodmers geleſen ha- „ben: Denn wer haͤtte ſichs eingebildet, daß „dieſes mit Gedancken ſo beſchwerte Gedichte, „deſſen Ausdruck ſo koͤrnicht, ſinnreich und tief „iſt, ſich ſo nach druͤcklich und vollſtaͤndig deutſch „wuͤrde geben laſſen. Und doch hat es der Hr. „Bodmer gethan. Jn Wahrheit, wer nun- „mehr unſre Sprache noch matt, ſeicht, und „plauderhaft nennen will, der verdienet, daß „man

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Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 6. Zürich, 1742, S. 44. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung06_1742/44>, abgerufen am 08.08.2022.