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Boeck, Josef Phileas: Marmorirkunst. 2. Aufl. Wien u. a., 1896.

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(Astragalus tragacanthus), einer in der Türkei, auf Kreta
und den benachbarten Inseln wachsenden, 63 bis 95 Centi-
meter hohen, ungefähr 3 Centimeter dicken Pflanze.

Traganthgummi ward bereits schon vor länger denn
einem Jahrhundert als Grund zum Marmoriren verwendet.

Die Herstellung der Lösung ist viel einfacher als bei
Methode I und geschieht in folgender Weise: 15 Gramm
reines, gutes Traganthgummi werden in eine Flasche
geworfen, darauf 1 Liter kaltes, weiches Wasser gegossen
und 24 Stunden unter öfterem Schütteln gelöst.

Ist die Lösung vor sich gegangen, so wird dieselbe
durch Leinwand gedrückt, damit alle etwa in der Flüssigkeit
enthaltenen Unreinigkeiten zurückbleiben.

Die Traganthgummilösung hält sich an kühlen Orten
bedeutend länger als Carragheenmoosabkochung und ist
daher erstere vorzuziehen. Die Mehrkosten werden dadurch
reichlich gedeckt.

Das Verdünnen richtet sich ganz in der Weise wie
schon bei Methode I beschrieben, und giebt die öftere Be-
handlung bald die nöthige Erfahrung.

Das Präpariren der Galle.

Rinds=, am besten Ochsengalle, auch Fischgalle wird
präparirt beim Marmoriren verwendet. In den meisten
Fällen kommt Ochsengalle in Anwendung, da dieselbe jeder-
zeit leicht zu haben ist.

Die zu präparirende Galle muß in erster Linie frisch
sein. Verdorbene, stark übelriechende Galle soll in keinem
Falle verwendet werden. Ist dies der Fall, so wird dieselbe
durch ein grobes Gewebe, etwa Flanell oder Leinwand,
filtrirt, dann durch Filtrir- oder Löschpapier einigemale
laufen gelassen, was zwar einige Tage in Anspruch nimmt,
jedoch sehr genau genommen werden muß, da schlecht filtrirte
Galle Fetttheile behält, welche höchst nachtheilig einwirken

(Astragalus tragacanthus), einer in der Tuͤrkei, auf Kreta
und den benachbarten Inseln wachsenden, 63 bis 95 Centi-
meter hohen, ungefaͤhr 3 Centimeter dicken Pflanze.

Traganthgummi ward bereits schon vor laͤnger denn
einem Jahrhundert als Grund zum Marmoriren verwendet.

Die Herstellung der Loͤsung ist viel einfacher als bei
Methode I und geschieht in folgender Weise: 15 Gramm
reines, gutes Traganthgummi werden in eine Flasche
geworfen, darauf 1 Liter kaltes, weiches Wasser gegossen
und 24 Stunden unter oͤfterem Schuͤtteln geloͤst.

Ist die Loͤsung vor sich gegangen, so wird dieselbe
durch Leinwand gedruͤckt, damit alle etwa in der Fluͤssigkeit
enthaltenen Unreinigkeiten zuruͤckbleiben.

Die Traganthgummiloͤsung haͤlt sich an kuͤhlen Orten
bedeutend laͤnger als Carragheenmoosabkochung und ist
daher erstere vorzuziehen. Die Mehrkosten werden dadurch
reichlich gedeckt.

Das Verduͤnnen richtet sich ganz in der Weise wie
schon bei Methode I beschrieben, und giebt die oͤftere Be-
handlung bald die noͤthige Erfahrung.

Das Praͤpariren der Galle.

Rinds=, am besten Ochsengalle, auch Fischgalle wird
praͤparirt beim Marmoriren verwendet. In den meisten
Faͤllen kommt Ochsengalle in Anwendung, da dieselbe jeder-
zeit leicht zu haben ist.

Die zu praͤparirende Galle muß in erster Linie frisch
sein. Verdorbene, stark uͤbelriechende Galle soll in keinem
Falle verwendet werden. Ist dies der Fall, so wird dieselbe
durch ein grobes Gewebe, etwa Flanell oder Leinwand,
filtrirt, dann durch Filtrir- oder Loͤschpapier einigemale
laufen gelassen, was zwar einige Tage in Anspruch nimmt,
jedoch sehr genau genommen werden muß, da schlecht filtrirte
Galle Fetttheile behaͤlt, welche hoͤchst nachtheilig einwirken

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[26/0036] (Astragalus tragacanthus), einer in der Tuͤrkei, auf Kreta und den benachbarten Inseln wachsenden, 63 bis 95 Centi- meter hohen, ungefaͤhr 3 Centimeter dicken Pflanze. Traganthgummi ward bereits schon vor laͤnger denn einem Jahrhundert als Grund zum Marmoriren verwendet. Die Herstellung der Loͤsung ist viel einfacher als bei Methode I und geschieht in folgender Weise: 15 Gramm reines, gutes Traganthgummi werden in eine Flasche geworfen, darauf 1 Liter kaltes, weiches Wasser gegossen und 24 Stunden unter oͤfterem Schuͤtteln geloͤst. Ist die Loͤsung vor sich gegangen, so wird dieselbe durch Leinwand gedruͤckt, damit alle etwa in der Fluͤssigkeit enthaltenen Unreinigkeiten zuruͤckbleiben. Die Traganthgummiloͤsung haͤlt sich an kuͤhlen Orten bedeutend laͤnger als Carragheenmoosabkochung und ist daher erstere vorzuziehen. Die Mehrkosten werden dadurch reichlich gedeckt. Das Verduͤnnen richtet sich ganz in der Weise wie schon bei Methode I beschrieben, und giebt die oͤftere Be- handlung bald die noͤthige Erfahrung. Das Praͤpariren der Galle. Rinds=, am besten Ochsengalle, auch Fischgalle wird praͤparirt beim Marmoriren verwendet. In den meisten Faͤllen kommt Ochsengalle in Anwendung, da dieselbe jeder- zeit leicht zu haben ist. Die zu praͤparirende Galle muß in erster Linie frisch sein. Verdorbene, stark uͤbelriechende Galle soll in keinem Falle verwendet werden. Ist dies der Fall, so wird dieselbe durch ein grobes Gewebe, etwa Flanell oder Leinwand, filtrirt, dann durch Filtrir- oder Loͤschpapier einigemale laufen gelassen, was zwar einige Tage in Anspruch nimmt, jedoch sehr genau genommen werden muß, da schlecht filtrirte Galle Fetttheile behaͤlt, welche hoͤchst nachtheilig einwirken

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Zitationshilfe: Boeck, Josef Phileas: Marmorirkunst. 2. Aufl. Wien u. a., 1896, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/boeck_marmorirkunst_1896/36>, abgerufen am 02.03.2024.