Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

Bild:
<< vorherige Seite

"Um euch abermahls eine Gelegenheit
zu geben, eure Begierden bändigen zu ler-
nen! Vermuthlich seid ihr jezt alle sehr neu-
gierig, den Ausgang des fürchterlichen Kampfes
zu wissen, der unserm Robinson bevorzuste-
hen scheint; auch bin ich, wenn ihr es so wolt,
sogleich bereit, ihn euch zu erzählen. Aber wie?
wenn ihr freiwillig Verzicht darauf thätet?
Wenn ihr eure Neugierde bekämpftet und die
Befriedigung derselben bis auf Morgen verschö-
bet? Ihr solt indeß euren freien Willen haben;
sprecht: wolt ihr? oder nicht?"

Wir wollen! Wir wollen! war die al-
gemeine Antwort, und so wurde die Fortse-
zung der Erzählung bis auf den folgenden Abend
ausgesezt.*

Jeder
* Unsere jungen Leser müssen aber wissen, daß
alle diese Kinder seit einiger Zeit, so manche
Uebung in der Selbstüberwindung gehabt hat-
ten, daß es ihnen gar nicht mehr sauer wurde,
auch auf ihre liebsten Vergnügungen, wenn es
sein muste, mit lachendem Munde Verzicht zu
thun; und sie werden wohl thun, wenn sie diese
Kinder, die sich sehr gut dabei befinden, darin
nachzuahmen suchen.
F 3

„Um euch abermahls eine Gelegenheit
zu geben, eure Begierden baͤndigen zu ler-
nen! Vermuthlich ſeid ihr jezt alle ſehr neu-
gierig, den Ausgang des fuͤrchterlichen Kampfes
zu wiſſen, der unſerm Robinſon bevorzuſte-
hen ſcheint; auch bin ich, wenn ihr es ſo wolt,
ſogleich bereit, ihn euch zu erzaͤhlen. Aber wie?
wenn ihr freiwillig Verzicht darauf thaͤtet?
Wenn ihr eure Neugierde bekaͤmpftet und die
Befriedigung derſelben bis auf Morgen verſchoͤ-
bet? Ihr ſolt indeß euren freien Willen haben;
ſprecht: wolt ihr? oder nicht?„

Wir wollen! Wir wollen! war die al-
gemeine Antwort, und ſo wurde die Fortſe-
zung der Erzaͤhlung bis auf den folgenden Abend
ausgeſezt.*

Jeder
* Unſere jungen Leſer muͤſſen aber wiſſen, daß
alle dieſe Kinder ſeit einiger Zeit, ſo manche
Uebung in der Selbſtuͤberwindung gehabt hat-
ten, daß es ihnen gar nicht mehr ſauer wurde,
auch auf ihre liebſten Vergnuͤgungen, wenn es
ſein muſte, mit lachendem Munde Verzicht zu
thun; und ſie werden wohl thun, wenn ſie dieſe
Kinder, die ſich ſehr gut dabei befinden, darin
nachzuahmen ſuchen.
F 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0091" n="85"/>
          <p>&#x201E;Um euch abermahls eine Gelegenheit<lb/>
zu geben, eure Begierden ba&#x0364;ndigen zu ler-<lb/>
nen! Vermuthlich &#x017F;eid ihr jezt alle &#x017F;ehr neu-<lb/>
gierig, den Ausgang des fu&#x0364;rchterlichen Kampfes<lb/>
zu wi&#x017F;&#x017F;en, der un&#x017F;erm <hi rendition="#fr">Robin&#x017F;on</hi> bevorzu&#x017F;te-<lb/>
hen &#x017F;cheint; auch bin ich, wenn ihr es &#x017F;o wolt,<lb/>
&#x017F;ogleich bereit, ihn euch zu erza&#x0364;hlen. Aber wie?<lb/>
wenn ihr freiwillig Verzicht darauf tha&#x0364;tet?<lb/>
Wenn ihr eure Neugierde beka&#x0364;mpftet und die<lb/>
Befriedigung der&#x017F;elben bis auf Morgen ver&#x017F;cho&#x0364;-<lb/>
bet? Ihr &#x017F;olt indeß euren freien Willen haben;<lb/>
&#x017F;precht: wolt ihr? oder nicht?&#x201E;</p><lb/>
          <p>Wir wollen! Wir wollen! war die al-<lb/>
gemeine Antwort, und &#x017F;o wurde die Fort&#x017F;e-<lb/>
zung der Erza&#x0364;hlung bis auf den folgenden Abend<lb/>
ausge&#x017F;ezt.<note place="foot" n="*">Un&#x017F;ere jungen Le&#x017F;er mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en aber wi&#x017F;&#x017F;en, daß<lb/>
alle die&#x017F;e Kinder &#x017F;eit einiger Zeit, &#x017F;o manche<lb/>
Uebung in der Selb&#x017F;tu&#x0364;berwindung gehabt hat-<lb/>
ten, daß es ihnen gar nicht mehr &#x017F;auer wurde,<lb/>
auch auf ihre lieb&#x017F;ten Vergnu&#x0364;gungen, wenn es<lb/>
&#x017F;ein mu&#x017F;te, mit lachendem Munde Verzicht zu<lb/>
thun; und &#x017F;ie werden wohl thun, wenn &#x017F;ie die&#x017F;e<lb/>
Kinder, die &#x017F;ich &#x017F;ehr gut dabei befinden, darin<lb/>
nachzuahmen &#x017F;uchen.</note></p><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">F 3</fw><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Jeder</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[85/0091] „Um euch abermahls eine Gelegenheit zu geben, eure Begierden baͤndigen zu ler- nen! Vermuthlich ſeid ihr jezt alle ſehr neu- gierig, den Ausgang des fuͤrchterlichen Kampfes zu wiſſen, der unſerm Robinſon bevorzuſte- hen ſcheint; auch bin ich, wenn ihr es ſo wolt, ſogleich bereit, ihn euch zu erzaͤhlen. Aber wie? wenn ihr freiwillig Verzicht darauf thaͤtet? Wenn ihr eure Neugierde bekaͤmpftet und die Befriedigung derſelben bis auf Morgen verſchoͤ- bet? Ihr ſolt indeß euren freien Willen haben; ſprecht: wolt ihr? oder nicht?„ Wir wollen! Wir wollen! war die al- gemeine Antwort, und ſo wurde die Fortſe- zung der Erzaͤhlung bis auf den folgenden Abend ausgeſezt. * Jeder * Unſere jungen Leſer muͤſſen aber wiſſen, daß alle dieſe Kinder ſeit einiger Zeit, ſo manche Uebung in der Selbſtuͤberwindung gehabt hat- ten, daß es ihnen gar nicht mehr ſauer wurde, auch auf ihre liebſten Vergnuͤgungen, wenn es ſein muſte, mit lachendem Munde Verzicht zu thun; und ſie werden wohl thun, wenn ſie dieſe Kinder, die ſich ſehr gut dabei befinden, darin nachzuahmen ſuchen. F 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/91
Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/91>, abgerufen am 20.05.2024.