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Candidus, Karl: Der deutsche Christus. Fünfzehn Canzonen. Leipzig, 1844.

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Canzone X.
Daß Jegliches an seinem Ort erscheine,
Darin besteht der Ortnung heilig Wesen.
Wenn in der Schöpfung Schooß die Rose pranget
Sind Primel und Viole längst gewesen,
Und blühen herbstlich Astern im Vereine,
Ist, traun! ein Thor wer Tulpen noch verlanget.
Wenn so in Angeln hanget,
Die unverrückbar sind, der Zeiten Kreislauf,
Wenn bei der glanzumhauchten Sommerhitze
Mit allem eurem Witze
Vergeblich ihr beriethet einen Eislauf,
Warum doch soll des Geistes Flügelspreiten
Nicht auch erfolgen zu bestimmten Zeiten?
Canzone X.
Daß Jegliches an ſeinem Ort erſcheine,
Darin beſteht der Ortnung heilig Weſen.
Wenn in der Schöpfung Schooß die Roſe pranget
Sind Primel und Viole längſt geweſen,
Und blühen herbſtlich Aſtern im Vereine,
Iſt, traun! ein Thor wer Tulpen noch verlanget.
Wenn ſo in Angeln hanget,
Die unverrückbar ſind, der Zeiten Kreislauf,
Wenn bei der glanzumhauchten Sommerhitze
Mit allem eurem Witze
Vergeblich ihr beriethet einen Eislauf,
Warum doch ſoll des Geiſtes Flügelſpreiten
Nicht auch erfolgen zu beſtimmten Zeiten?
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[[59]/0073] Canzone X. Daß Jegliches an ſeinem Ort erſcheine, Darin beſteht der Ortnung heilig Weſen. Wenn in der Schöpfung Schooß die Roſe pranget Sind Primel und Viole längſt geweſen, Und blühen herbſtlich Aſtern im Vereine, Iſt, traun! ein Thor wer Tulpen noch verlanget. Wenn ſo in Angeln hanget, Die unverrückbar ſind, der Zeiten Kreislauf, Wenn bei der glanzumhauchten Sommerhitze Mit allem eurem Witze Vergeblich ihr beriethet einen Eislauf, Warum doch ſoll des Geiſtes Flügelſpreiten Nicht auch erfolgen zu beſtimmten Zeiten?

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Zitationshilfe: Candidus, Karl: Der deutsche Christus. Fünfzehn Canzonen. Leipzig, 1844, S. [59]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/candidus_christus_1854/73>, abgerufen am 09.08.2022.