Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Clausewitz, Carl von: Vom Kriege. Bd. 3. Berlin, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

Der erste ist daß es Hindernisse des Zugangs giebt,
die dem Feinde das Vordringen auf diesem Punkte ent-
weder unmöglich machen oder ihn nöthigen langsamer zu
marschiren, in Kolonnen zu bleiben etc.

Die zweite ist daß die Hindernisse uns erlauben un-
sere Truppen verdeckt aufzustellen.

Beide Vortheile sind sehr wichtig, aber der zweite
scheint mir wichtiger als der erste; wenigstens ist es ge-
wiß daß man ihn häufiger genießt, weil die einfachste Ge-
gend in den meisten Fällen noch erlaubt sich mehr oder
weniger verdeckt zu stellen.

Früher kannte man nur den ersten dieser beiden Vor-
theile und machte wenig Gebrauch von dem zweiten. Jetzt
hat die Beweglichkeit aller Armeen gemacht daß man je-
nen weniger benutzen kann und eben darum muß man sich
des zweiten um so häufiger bedienen. Der erste dieser bei-
den Vortheile ist allein bei der Vertheidigung wirksam,
der andere bei dem Angriff und der Vertheidigung.

2. Das Terrain als Zugangshinderniß betrachtet,
kommt vorzüglich in folgenden Punkten vor: a) als Flan-
kenanlehnung, b) als Fronteverstärkung.

3. Um die Flanken daranzulehnen muß es ganz
undurchdringlich sein: ein großer Strom, ein See, ein
undurchdringlicher Morast. Alle diese Gegenstände finden
sich aber selten, darum ist eine vollkommen sichere Anleh-
nung der Flanken etwas Seltenes und zwar jetzt noch
mehr als sonst, weil man sich mehr bewegt, nicht so lange
in einer Stellung bleibt, folglich mehr Stellungen auf
dem Kriegstheater benutzen muß.

Ist das Hinderniß des Zugangs nicht ganz undurch-
dringlich, so ist es eigentlich kein Stützpunkt für die
die Flanke, sondern ein bloßer Verstärkungspunkt. Dann

Der erſte iſt daß es Hinderniſſe des Zugangs giebt,
die dem Feinde das Vordringen auf dieſem Punkte ent-
weder unmoͤglich machen oder ihn noͤthigen langſamer zu
marſchiren, in Kolonnen zu bleiben ꝛc.

Die zweite iſt daß die Hinderniſſe uns erlauben un-
ſere Truppen verdeckt aufzuſtellen.

Beide Vortheile ſind ſehr wichtig, aber der zweite
ſcheint mir wichtiger als der erſte; wenigſtens iſt es ge-
wiß daß man ihn haͤufiger genießt, weil die einfachſte Ge-
gend in den meiſten Faͤllen noch erlaubt ſich mehr oder
weniger verdeckt zu ſtellen.

Fruͤher kannte man nur den erſten dieſer beiden Vor-
theile und machte wenig Gebrauch von dem zweiten. Jetzt
hat die Beweglichkeit aller Armeen gemacht daß man je-
nen weniger benutzen kann und eben darum muß man ſich
des zweiten um ſo haͤufiger bedienen. Der erſte dieſer bei-
den Vortheile iſt allein bei der Vertheidigung wirkſam,
der andere bei dem Angriff und der Vertheidigung.

2. Das Terrain als Zugangshinderniß betrachtet,
kommt vorzuͤglich in folgenden Punkten vor: a) als Flan-
kenanlehnung, b) als Fronteverſtaͤrkung.

3. Um die Flanken daranzulehnen muß es ganz
undurchdringlich ſein: ein großer Strom, ein See, ein
undurchdringlicher Moraſt. Alle dieſe Gegenſtaͤnde finden
ſich aber ſelten, darum iſt eine vollkommen ſichere Anleh-
nung der Flanken etwas Seltenes und zwar jetzt noch
mehr als ſonſt, weil man ſich mehr bewegt, nicht ſo lange
in einer Stellung bleibt, folglich mehr Stellungen auf
dem Kriegstheater benutzen muß.

Iſt das Hinderniß des Zugangs nicht ganz undurch-
dringlich, ſo iſt es eigentlich kein Stuͤtzpunkt fuͤr die
die Flanke, ſondern ein bloßer Verſtaͤrkungspunkt. Dann

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0245" n="231"/>
              <p>Der er&#x017F;te i&#x017F;t daß es Hinderni&#x017F;&#x017F;e des Zugangs giebt,<lb/>
die dem Feinde das Vordringen auf die&#x017F;em Punkte ent-<lb/>
weder unmo&#x0364;glich machen oder ihn no&#x0364;thigen lang&#x017F;amer zu<lb/>
mar&#x017F;chiren, in Kolonnen zu bleiben &#xA75B;c.</p><lb/>
              <p>Die zweite i&#x017F;t daß die Hinderni&#x017F;&#x017F;e uns erlauben un-<lb/>
&#x017F;ere Truppen verdeckt aufzu&#x017F;tellen.</p><lb/>
              <p>Beide Vortheile &#x017F;ind &#x017F;ehr wichtig, aber der zweite<lb/>
&#x017F;cheint mir wichtiger als der er&#x017F;te; wenig&#x017F;tens i&#x017F;t es ge-<lb/>
wiß daß man ihn ha&#x0364;ufiger genießt, weil die einfach&#x017F;te Ge-<lb/>
gend in den mei&#x017F;ten Fa&#x0364;llen noch erlaubt &#x017F;ich mehr oder<lb/>
weniger verdeckt zu &#x017F;tellen.</p><lb/>
              <p>Fru&#x0364;her kannte man nur den er&#x017F;ten die&#x017F;er beiden Vor-<lb/>
theile und machte wenig Gebrauch von dem zweiten. Jetzt<lb/>
hat die Beweglichkeit aller Armeen gemacht daß man je-<lb/>
nen weniger benutzen kann und eben darum muß man &#x017F;ich<lb/>
des zweiten um &#x017F;o ha&#x0364;ufiger bedienen. Der er&#x017F;te die&#x017F;er bei-<lb/>
den Vortheile i&#x017F;t allein bei der Vertheidigung wirk&#x017F;am,<lb/>
der andere bei dem Angriff und der Vertheidigung.</p><lb/>
              <p>2. Das Terrain als Zugangshinderniß betrachtet,<lb/>
kommt vorzu&#x0364;glich in folgenden Punkten vor: <hi rendition="#aq">a</hi>) als Flan-<lb/>
kenanlehnung, <hi rendition="#aq">b</hi>) als Frontever&#x017F;ta&#x0364;rkung.</p><lb/>
              <p>3. Um die Flanken daranzulehnen muß es ganz<lb/>
undurchdringlich &#x017F;ein: ein großer Strom, ein See, ein<lb/>
undurchdringlicher Mora&#x017F;t. Alle die&#x017F;e Gegen&#x017F;ta&#x0364;nde finden<lb/>
&#x017F;ich aber &#x017F;elten, darum i&#x017F;t eine vollkommen &#x017F;ichere Anleh-<lb/>
nung der Flanken etwas Seltenes und zwar jetzt noch<lb/>
mehr als &#x017F;on&#x017F;t, weil man &#x017F;ich mehr bewegt, nicht &#x017F;o lange<lb/>
in einer Stellung bleibt, folglich mehr Stellungen auf<lb/>
dem Kriegstheater benutzen muß.</p><lb/>
              <p>I&#x017F;t das Hinderniß des Zugangs nicht ganz undurch-<lb/>
dringlich, &#x017F;o i&#x017F;t es eigentlich kein Stu&#x0364;tzpunkt fu&#x0364;r die<lb/>
die Flanke, &#x017F;ondern ein bloßer Ver&#x017F;ta&#x0364;rkungspunkt. Dann<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[231/0245] Der erſte iſt daß es Hinderniſſe des Zugangs giebt, die dem Feinde das Vordringen auf dieſem Punkte ent- weder unmoͤglich machen oder ihn noͤthigen langſamer zu marſchiren, in Kolonnen zu bleiben ꝛc. Die zweite iſt daß die Hinderniſſe uns erlauben un- ſere Truppen verdeckt aufzuſtellen. Beide Vortheile ſind ſehr wichtig, aber der zweite ſcheint mir wichtiger als der erſte; wenigſtens iſt es ge- wiß daß man ihn haͤufiger genießt, weil die einfachſte Ge- gend in den meiſten Faͤllen noch erlaubt ſich mehr oder weniger verdeckt zu ſtellen. Fruͤher kannte man nur den erſten dieſer beiden Vor- theile und machte wenig Gebrauch von dem zweiten. Jetzt hat die Beweglichkeit aller Armeen gemacht daß man je- nen weniger benutzen kann und eben darum muß man ſich des zweiten um ſo haͤufiger bedienen. Der erſte dieſer bei- den Vortheile iſt allein bei der Vertheidigung wirkſam, der andere bei dem Angriff und der Vertheidigung. 2. Das Terrain als Zugangshinderniß betrachtet, kommt vorzuͤglich in folgenden Punkten vor: a) als Flan- kenanlehnung, b) als Fronteverſtaͤrkung. 3. Um die Flanken daranzulehnen muß es ganz undurchdringlich ſein: ein großer Strom, ein See, ein undurchdringlicher Moraſt. Alle dieſe Gegenſtaͤnde finden ſich aber ſelten, darum iſt eine vollkommen ſichere Anleh- nung der Flanken etwas Seltenes und zwar jetzt noch mehr als ſonſt, weil man ſich mehr bewegt, nicht ſo lange in einer Stellung bleibt, folglich mehr Stellungen auf dem Kriegstheater benutzen muß. Iſt das Hinderniß des Zugangs nicht ganz undurch- dringlich, ſo iſt es eigentlich kein Stuͤtzpunkt fuͤr die die Flanke, ſondern ein bloßer Verſtaͤrkungspunkt. Dann

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Clausewitz' "Vom Kriege" erschien zu Lebzeiten de… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/clausewitz_krieg03_1834
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/clausewitz_krieg03_1834/245
Zitationshilfe: Clausewitz, Carl von: Vom Kriege. Bd. 3. Berlin, 1834, S. 231. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/clausewitz_krieg03_1834/245>, abgerufen am 02.07.2022.