Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874.

Bild:
<< vorherige Seite

beide unsere Pflichten gegen dieselben aufrichtig zu er-
füllen bemühet sind. So verleihe denn, o Gott, meinem
Manne die Gnade, daß er die Heiligkeit und Wichtigkeit
seines väterlichen Berufs recht erkenne; erwecke ihn, daß
er es sich aufrichtig am Herzen liegen lasse, sie vollkommen
zu erfüllen. Möge er doch vor Allem mit dem Beispiele
eines treuen christlichen Lebens den Kindern vorleuchten!
Darum, o allmächtiger Gott, begnadige ihn, auf daß er
seine Fehler ernstlich bekämpfe und sie überwinde; behüte
ihn, daß er in den Zerstreuungen seines Lebens Deiner
nicht vergesse, in den Gefahren des Lebens nicht zu Grunde
gehe; flöße ihm ein die Gesinnungen eines lebendigen
Glaubens, der Hoffnung und der Liebe; gib ihm Eifer zum
Gebete und zum Gottesdienste und zu den Uebungen eines
echt christlichen Lebens. Mache, o Herr, daß er ein wahr-
haft christlicher Vater für unsere Kinder sei. Amen.

Gebet um die Gnade der standesmäßigen
Keuschheit.*)

O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, "von dem jegliches
vollkommene Geschenk kommt,"
auch ich "trete zu Dir hin

*) Mit Recht findet dieses Gebet Platz unter den Gebeten einer christ-
lichen Mutter. Denn kommt es, damit die Erziehung wohl gelinge,
vor Allem darauf an, daß die Mutter echt christliche Frömmigkeit
übe, weil nur dann das so nothwendige gute Beispiel und der Segen
der göttlichen Gnade - beide ganz unentbehrlich - stattfindet, so ist
es ja eben ein keusches Herz und Leben, worin allein solche Fröm-
migkeit gedeihet. Daher Gottes h. Wille, daß auch Eheleute in ihrem
Stande züchtig und ehrbar leben. Finde hier das ernste Wort des
h. Engels Raphael an den jüngern Tobias Platz (B. Tobias 6, 17 ff.):
"Welche so in den Ehestand treten," und so darin leben, "daß sie
Gott von sich und von ihrem Herzen ausschließen, und ihrer Wollust
also pflegen, wie Roß und Maulesel, die keinen Verstand haben, über
die hat der Teufel Gewalt"
(das bezieht sich auf die sieben Männer
der Sara, welche sämmtlich in der Nacht nach der Verehelichung
plötzlich starben; "ich habe gehört," sagte Tobias (6, 14), "daß ein
böser Geist sie getödtet hat"
(und der Engel bestätigte das). "Du
aber, fährt der Engel fort
, "nimm die Jungfrau (Sara) zu dir in
der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern, als aus
Lust."
Und also sprach Tobias zu seiner Gemahlin Sara: "Wir
sind Kinder der Heiligen und dürfen nicht so zusammenkommen, wie
die Heiden, welche Gott nicht kennen."
Sollen aber christliche Ehe-
leute so zusammenkommen, wie es "Kindern der Heiligen" d. i. Chri-
sten geziemt, sollen sie in standesmäßiger Menschheit leben, so bedür-
fen sie einer besondern Gnade. "Und da ich wußte." heißt es im
Buche der Weisheit (8, 21) "daß ich nicht enthaltsam (keusch) sein
könnte, wenn der Herr es nicht verleihet, so trat ich zum Herrn und
flehete (um diese Gnade) mit der ganzen Inbrunst meines Herzens."

Daher obiges Gebet. Möge es oft "mit der ganzen Inbrunst des
Herzens"
verrichtet werden.

beide unsere Pflichten gegen dieselben aufrichtig zu er-
füllen bemühet sind. So verleihe denn, o Gott, meinem
Manne die Gnade, daß er die Heiligkeit und Wichtigkeit
seines väterlichen Berufs recht erkenne; erwecke ihn, daß
er es sich aufrichtig am Herzen liegen lasse, sie vollkommen
zu erfüllen. Möge er doch vor Allem mit dem Beispiele
eines treuen christlichen Lebens den Kindern vorleuchten!
Darum, o allmächtiger Gott, begnadige ihn, auf daß er
seine Fehler ernstlich bekämpfe und sie überwinde; behüte
ihn, daß er in den Zerstreuungen seines Lebens Deiner
nicht vergesse, in den Gefahren des Lebens nicht zu Grunde
gehe; flöße ihm ein die Gesinnungen eines lebendigen
Glaubens, der Hoffnung und der Liebe; gib ihm Eifer zum
Gebete und zum Gottesdienste und zu den Uebungen eines
echt christlichen Lebens. Mache, o Herr, daß er ein wahr-
haft christlicher Vater für unsere Kinder sei. Amen.

Gebet um die Gnade der standesmäßigen
Keuschheit.*)

O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, „von dem jegliches
vollkommene Geschenk kommt,“
auch ich „trete zu Dir hin

*) Mit Recht findet dieses Gebet Platz unter den Gebeten einer christ-
lichen Mutter. Denn kommt es, damit die Erziehung wohl gelinge,
vor Allem darauf an, daß die Mutter echt christliche Frömmigkeit
übe, weil nur dann das so nothwendige gute Beispiel und der Segen
der göttlichen Gnade – beide ganz unentbehrlich – stattfindet, so ist
es ja eben ein keusches Herz und Leben, worin allein solche Fröm-
migkeit gedeihet. Daher Gottes h. Wille, daß auch Eheleute in ihrem
Stande züchtig und ehrbar leben. Finde hier das ernste Wort des
h. Engels Raphael an den jüngern Tobias Platz (B. Tobias 6, 17 ff.):
„Welche so in den Ehestand treten,“ und so darin leben, „daß sie
Gott von sich und von ihrem Herzen ausschließen, und ihrer Wollust
also pflegen, wie Roß und Maulesel, die keinen Verstand haben, über
die hat der Teufel Gewalt“
(das bezieht sich auf die sieben Männer
der Sara, welche sämmtlich in der Nacht nach der Verehelichung
plötzlich starben; „ich habe gehört,“ sagte Tobias (6, 14), „daß ein
böser Geist sie getödtet hat“
(und der Engel bestätigte das). „Du
aber, fährt der Engel fort
, „nimm die Jungfrau (Sara) zu dir in
der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern, als aus
Lust.“
Und also sprach Tobias zu seiner Gemahlin Sara: „Wir
sind Kinder der Heiligen und dürfen nicht so zusammenkommen, wie
die Heiden, welche Gott nicht kennen.“
Sollen aber christliche Ehe-
leute so zusammenkommen, wie es „Kindern der Heiligen“ d. i. Chri-
sten geziemt, sollen sie in standesmäßiger Menschheit leben, so bedür-
fen sie einer besondern Gnade. „Und da ich wußte.“ heißt es im
Buche der Weisheit (8, 21) „daß ich nicht enthaltsam (keusch) sein
könnte, wenn der Herr es nicht verleihet, so trat ich zum Herrn und
flehete (um diese Gnade) mit der ganzen Inbrunst meines Herzens.“

Daher obiges Gebet. Möge es oft „mit der ganzen Inbrunst des
Herzens“
verrichtet werden.
<TEI>
  <text xml:id="C889_001_1874">
    <group>
      <text>
        <body>
          <div>
            <div>
              <div>
                <div>
                  <p><pb facs="#f0397" xml:id="C889_001_1874_pb0186_0001" n="186"/><hi rendition="#g">beide</hi> unsere Pflichten gegen dieselben aufrichtig zu er-<lb/>
füllen bemühet sind. So verleihe denn, o Gott, meinem<lb/>
Manne die Gnade, daß er die Heiligkeit und Wichtigkeit<lb/>
seines väterlichen Berufs recht erkenne; erwecke ihn, daß<lb/>
er es sich aufrichtig am Herzen liegen lasse, sie vollkommen<lb/>
zu erfüllen. Möge er doch vor Allem mit dem Beispiele<lb/>
eines treuen christlichen Lebens den Kindern vorleuchten!<lb/>
Darum, o allmächtiger Gott, begnadige ihn, auf daß er<lb/>
seine Fehler ernstlich bekämpfe und sie überwinde; behüte<lb/>
ihn, daß er in den Zerstreuungen seines Lebens Deiner<lb/>
nicht vergesse, in den Gefahren des Lebens nicht zu Grunde<lb/>
gehe; flöße ihm ein die Gesinnungen eines lebendigen<lb/>
Glaubens, der Hoffnung und der Liebe; gib ihm Eifer zum<lb/>
Gebete und zum Gottesdienste und zu den Uebungen eines<lb/>
echt christlichen Lebens. Mache, o Herr, daß er ein wahr-<lb/>
haft christlicher Vater für unsere Kinder sei. Amen.</p>
                </div>
                <div>
                  <head rendition="#c">Gebet um die Gnade der standesmäßigen<lb/>
Keuschheit.<note place="foot" n="*)"><p>Mit Recht findet dieses Gebet Platz unter den Gebeten einer christ-<lb/>
lichen Mutter. Denn kommt es, damit die Erziehung wohl gelinge,<lb/>
vor Allem darauf an, daß die Mutter echt christliche Frömmigkeit<lb/>
übe, weil nur dann das so nothwendige gute Beispiel und der Segen<lb/>
der göttlichen Gnade &#x2013; beide ganz unentbehrlich &#x2013; stattfindet, so ist<lb/>
es ja eben ein keusches Herz und Leben, worin allein solche Fröm-<lb/>
migkeit gedeihet. Daher Gottes h. Wille, daß auch Eheleute in ihrem<lb/>
Stande züchtig und ehrbar leben. Finde hier das ernste Wort des<lb/>
h. Engels Raphael an den jüngern Tobias Platz (B. Tobias 6, 17 ff.):<lb/><q>&#x201E;Welche so in den Ehestand treten,&#x201C;</q> und so darin leben, <q>&#x201E;daß sie<lb/>
Gott von sich und von ihrem Herzen ausschließen, und ihrer Wollust<lb/>
also pflegen, wie Roß und Maulesel, die keinen Verstand haben, über<lb/><hi rendition="#g">die</hi> hat der Teufel Gewalt&#x201C;</q> (das bezieht sich auf die sieben Männer<lb/>
der Sara, welche sämmtlich in der Nacht nach der Verehelichung<lb/>
plötzlich starben; <q>&#x201E;ich habe gehört,&#x201C;</q> sagte Tobias (6, 14), <q>&#x201E;daß ein<lb/>
böser Geist sie getödtet hat&#x201C;</q> (und der Engel bestätigte das). <q>&#x201E;Du<lb/>
aber, fährt der Engel fort</q>, <q>&#x201E;nimm die Jungfrau (Sara) zu dir in<lb/>
der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern, als aus<lb/>
Lust.&#x201C;</q> Und also sprach Tobias zu seiner Gemahlin Sara: <q>&#x201E;Wir<lb/>
sind Kinder der Heiligen und dürfen nicht so zusammenkommen, wie<lb/>
die Heiden, welche Gott nicht kennen.&#x201C;</q> Sollen aber christliche Ehe-<lb/>
leute so zusammenkommen, wie es <q>&#x201E;Kindern der Heiligen&#x201C;</q> d. i. Chri-<lb/>
sten geziemt, sollen sie in standesmäßiger Menschheit leben, so bedür-<lb/>
fen sie einer besondern Gnade. <q>&#x201E;Und da ich wußte.&#x201C;</q> heißt es im<lb/>
Buche der Weisheit (8, 21) <q>&#x201E;daß ich nicht enthaltsam (keusch) sein<lb/>
könnte, wenn der Herr es nicht verleihet, so trat ich zum Herrn und<lb/>
flehete (um diese Gnade) mit der ganzen Inbrunst meines Herzens.&#x201C;</q><lb/>
Daher obiges Gebet. Möge es oft <q>&#x201E;mit der ganzen Inbrunst des<lb/>
Herzens&#x201C;</q> verrichtet werden.</p></note>
  </head><lb/>
                  <p>O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, <q>&#x201E;von dem jegliches<lb/>
vollkommene Geschenk kommt,&#x201C;</q> auch ich <q>&#x201E;trete zu Dir hin<lb/></q></p>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </body>
      </text>
    </group>
  </text>
</TEI>
[186/0397] beide unsere Pflichten gegen dieselben aufrichtig zu er- füllen bemühet sind. So verleihe denn, o Gott, meinem Manne die Gnade, daß er die Heiligkeit und Wichtigkeit seines väterlichen Berufs recht erkenne; erwecke ihn, daß er es sich aufrichtig am Herzen liegen lasse, sie vollkommen zu erfüllen. Möge er doch vor Allem mit dem Beispiele eines treuen christlichen Lebens den Kindern vorleuchten! Darum, o allmächtiger Gott, begnadige ihn, auf daß er seine Fehler ernstlich bekämpfe und sie überwinde; behüte ihn, daß er in den Zerstreuungen seines Lebens Deiner nicht vergesse, in den Gefahren des Lebens nicht zu Grunde gehe; flöße ihm ein die Gesinnungen eines lebendigen Glaubens, der Hoffnung und der Liebe; gib ihm Eifer zum Gebete und zum Gottesdienste und zu den Uebungen eines echt christlichen Lebens. Mache, o Herr, daß er ein wahr- haft christlicher Vater für unsere Kinder sei. Amen. Gebet um die Gnade der standesmäßigen Keuschheit. *) O Gott, Du Liebhaber reiner Seelen, „von dem jegliches vollkommene Geschenk kommt,“ auch ich „trete zu Dir hin *) Mit Recht findet dieses Gebet Platz unter den Gebeten einer christ- lichen Mutter. Denn kommt es, damit die Erziehung wohl gelinge, vor Allem darauf an, daß die Mutter echt christliche Frömmigkeit übe, weil nur dann das so nothwendige gute Beispiel und der Segen der göttlichen Gnade – beide ganz unentbehrlich – stattfindet, so ist es ja eben ein keusches Herz und Leben, worin allein solche Fröm- migkeit gedeihet. Daher Gottes h. Wille, daß auch Eheleute in ihrem Stande züchtig und ehrbar leben. Finde hier das ernste Wort des h. Engels Raphael an den jüngern Tobias Platz (B. Tobias 6, 17 ff.): „Welche so in den Ehestand treten,“ und so darin leben, „daß sie Gott von sich und von ihrem Herzen ausschließen, und ihrer Wollust also pflegen, wie Roß und Maulesel, die keinen Verstand haben, über die hat der Teufel Gewalt“ (das bezieht sich auf die sieben Männer der Sara, welche sämmtlich in der Nacht nach der Verehelichung plötzlich starben; „ich habe gehört,“ sagte Tobias (6, 14), „daß ein böser Geist sie getödtet hat“ (und der Engel bestätigte das). „Du aber, fährt der Engel fort, „nimm die Jungfrau (Sara) zu dir in der Furcht des Herrn, mehr aus Liebe zu den Kindern, als aus Lust.“ Und also sprach Tobias zu seiner Gemahlin Sara: „Wir sind Kinder der Heiligen und dürfen nicht so zusammenkommen, wie die Heiden, welche Gott nicht kennen.“ Sollen aber christliche Ehe- leute so zusammenkommen, wie es „Kindern der Heiligen“ d. i. Chri- sten geziemt, sollen sie in standesmäßiger Menschheit leben, so bedür- fen sie einer besondern Gnade. „Und da ich wußte.“ heißt es im Buche der Weisheit (8, 21) „daß ich nicht enthaltsam (keusch) sein könnte, wenn der Herr es nicht verleihet, so trat ich zum Herrn und flehete (um diese Gnade) mit der ganzen Inbrunst meines Herzens.“ Daher obiges Gebet. Möge es oft „mit der ganzen Inbrunst des Herzens“ verrichtet werden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/397
Zitationshilfe: Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874, S. 186. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/397>, abgerufen am 26.05.2022.