Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874.

Bild:
<< vorherige Seite

und Geschäften? Nicht wahr, um das Wohl der
Kinder; für sie erwirbt man, für sie arbeitet man
und führt sein Geschäft; ihre Unterhaltung, ihr stan-
desmäßiges Fortkommen, ihr zeitliches Wohlergehen
hat man im Auge. - Wohl; aber wenn ihr zeit-
liches
Wohlergehen so sehr am Herzen liegt, soll
das Heil ihrer Seele, ihr ewiges Wohlergehen nicht
so viel mehr am Herzen liegen! Wenn man also
an die Bestrebungen für ihr zeitliches Wohl sich also
hingiebt, daß man darüber mehr oder weniger un-
fähig wird, ihr ewiges Wohl zu begründen, kann das
denn recht sein! Heißt das nicht grausam sein gegen
die Kinder? Und so verhält es sich in der That.
Indem man so ganz aufgeht in zeitlicher Bestrebung,
behält man nicht mehr Zeit oder Fähigkeit, für das
Seelenheil der Kinder gebührend zu wirken, dafür
das Erwünschte und Nothwendige einzusetzen.

Christlicher Vater, halt Maaß in deinen äußern
Beschäftigungen! Wirf dich nicht so ganz in's Aeußere!
Verwickele dich nicht so unzeitig in jegliche Unterneh-
mung! Trag Sorge, deine Arbeiten und Beschäfti-
gungen, so viel an dir, dahin zu regeln, daß dir noch
Zeit bleibe, mit deinen Kindern dich abzugeben; daß
dir Zeit und Ruhe bleibe, das, was für dich selbst
zum Bestande und Fortgange des christlichen Lebens
erforderlich und heilsam ist, in gebührender Weise zu
thun, damit du ein christlicher Vater sein mögest.
Sei darauf bedacht, daß bei aller Arbeit und Be-
schäftigung das tägliche Gebet, der Besuch der Kirche,
der Empfung der hh. Sakramente und sonstige christ-
liche Uebung Platz und die rechte Berücksichtigung
finde!

und Geschäften? Nicht wahr, um das Wohl der
Kinder; für sie erwirbt man, für sie arbeitet man
und führt sein Geschäft; ihre Unterhaltung, ihr stan-
desmäßiges Fortkommen, ihr zeitliches Wohlergehen
hat man im Auge. – Wohl; aber wenn ihr zeit-
liches
Wohlergehen so sehr am Herzen liegt, soll
das Heil ihrer Seele, ihr ewiges Wohlergehen nicht
so viel mehr am Herzen liegen! Wenn man also
an die Bestrebungen für ihr zeitliches Wohl sich also
hingiebt, daß man darüber mehr oder weniger un-
fähig wird, ihr ewiges Wohl zu begründen, kann das
denn recht sein! Heißt das nicht grausam sein gegen
die Kinder? Und so verhält es sich in der That.
Indem man so ganz aufgeht in zeitlicher Bestrebung,
behält man nicht mehr Zeit oder Fähigkeit, für das
Seelenheil der Kinder gebührend zu wirken, dafür
das Erwünschte und Nothwendige einzusetzen.

Christlicher Vater, halt Maaß in deinen äußern
Beschäftigungen! Wirf dich nicht so ganz in's Aeußere!
Verwickele dich nicht so unzeitig in jegliche Unterneh-
mung! Trag Sorge, deine Arbeiten und Beschäfti-
gungen, so viel an dir, dahin zu regeln, daß dir noch
Zeit bleibe, mit deinen Kindern dich abzugeben; daß
dir Zeit und Ruhe bleibe, das, was für dich selbst
zum Bestande und Fortgange des christlichen Lebens
erforderlich und heilsam ist, in gebührender Weise zu
thun, damit du ein christlicher Vater sein mögest.
Sei darauf bedacht, daß bei aller Arbeit und Be-
schäftigung das tägliche Gebet, der Besuch der Kirche,
der Empfung der hh. Sakramente und sonstige christ-
liche Uebung Platz und die rechte Berücksichtigung
finde!

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <div>
          <p><pb facs="#f0064" xml:id="C889V3_001_1874_pb0061_0001" n="61"/>
und Geschäften? Nicht wahr, um das Wohl der<lb/>
Kinder; für sie erwirbt man, für sie arbeitet man<lb/>
und führt sein Geschäft; ihre Unterhaltung, ihr stan-<lb/>
desmäßiges Fortkommen, <hi rendition="#g">ihr</hi> zeitliches Wohlergehen<lb/>
hat man im Auge. &#x2013; Wohl; aber wenn ihr <hi rendition="#g">zeit-<lb/>
liches</hi> Wohlergehen so sehr am Herzen liegt, soll<lb/>
das Heil ihrer Seele, ihr <hi rendition="#g">ewiges</hi> Wohlergehen nicht<lb/>
so viel mehr am Herzen liegen! Wenn man also<lb/>
an die Bestrebungen für ihr zeitliches Wohl sich also<lb/>
hingiebt, daß man darüber mehr oder weniger un-<lb/>
fähig wird, ihr ewiges Wohl zu begründen, kann das<lb/>
denn recht sein! Heißt das nicht grausam sein gegen<lb/>
die Kinder? Und so verhält es sich in der That.<lb/>
Indem man so ganz aufgeht in zeitlicher Bestrebung,<lb/>
behält man nicht mehr Zeit oder Fähigkeit, für das<lb/>
Seelenheil der Kinder gebührend zu wirken, dafür<lb/>
das Erwünschte und Nothwendige einzusetzen.</p>
          <p>Christlicher Vater, halt Maaß in deinen äußern<lb/>
Beschäftigungen! Wirf dich nicht so ganz in's Aeußere!<lb/>
Verwickele dich nicht so unzeitig in jegliche Unterneh-<lb/>
mung! Trag Sorge, deine Arbeiten und Beschäfti-<lb/>
gungen, so viel an dir, dahin zu regeln, daß dir noch<lb/>
Zeit bleibe, mit deinen Kindern dich abzugeben; daß<lb/>
dir Zeit und Ruhe bleibe, das, was für dich selbst<lb/>
zum Bestande und Fortgange des christlichen Lebens<lb/>
erforderlich und heilsam ist, in gebührender Weise zu<lb/>
thun, damit du ein <hi rendition="#g">christlicher</hi> Vater sein mögest.<lb/>
Sei darauf bedacht, daß bei aller Arbeit und Be-<lb/>
schäftigung das tägliche Gebet, der Besuch der Kirche,<lb/>
der Empfung der hh. Sakramente und sonstige christ-<lb/>
liche Uebung Platz und die rechte Berücksichtigung<lb/>
finde!</p>
        </div>
        <div>
</div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[61/0064] und Geschäften? Nicht wahr, um das Wohl der Kinder; für sie erwirbt man, für sie arbeitet man und führt sein Geschäft; ihre Unterhaltung, ihr stan- desmäßiges Fortkommen, ihr zeitliches Wohlergehen hat man im Auge. – Wohl; aber wenn ihr zeit- liches Wohlergehen so sehr am Herzen liegt, soll das Heil ihrer Seele, ihr ewiges Wohlergehen nicht so viel mehr am Herzen liegen! Wenn man also an die Bestrebungen für ihr zeitliches Wohl sich also hingiebt, daß man darüber mehr oder weniger un- fähig wird, ihr ewiges Wohl zu begründen, kann das denn recht sein! Heißt das nicht grausam sein gegen die Kinder? Und so verhält es sich in der That. Indem man so ganz aufgeht in zeitlicher Bestrebung, behält man nicht mehr Zeit oder Fähigkeit, für das Seelenheil der Kinder gebührend zu wirken, dafür das Erwünschte und Nothwendige einzusetzen. Christlicher Vater, halt Maaß in deinen äußern Beschäftigungen! Wirf dich nicht so ganz in's Aeußere! Verwickele dich nicht so unzeitig in jegliche Unterneh- mung! Trag Sorge, deine Arbeiten und Beschäfti- gungen, so viel an dir, dahin zu regeln, daß dir noch Zeit bleibe, mit deinen Kindern dich abzugeben; daß dir Zeit und Ruhe bleibe, das, was für dich selbst zum Bestande und Fortgange des christlichen Lebens erforderlich und heilsam ist, in gebührender Weise zu thun, damit du ein christlicher Vater sein mögest. Sei darauf bedacht, daß bei aller Arbeit und Be- schäftigung das tägliche Gebet, der Besuch der Kirche, der Empfung der hh. Sakramente und sonstige christ- liche Uebung Platz und die rechte Berücksichtigung finde!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/64
Zitationshilfe: Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/64>, abgerufen am 20.05.2022.