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Fontane, Theodor: Von Zwanzig bis Dreißig. 1. Aufl. Berlin, 1898.

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ich versprach in rasch wiederkehrender guter Laune, daß ich ihm nichts besondres Schlimmes einbrocken wolle.

Diese Zusicherung schien die Leute auch zu beruhigen, und unter Verbeugung gegen mich, schickten sie sich an, in guter Ordnung ihren Rückzug anzutreten. Aber als sie schon beinah draußen waren, kehrte der Eine noch einmal um, schudderte sich und rieb sich mit Ostentation die Hände, wie wenn ihn bitterlich fröre, was aber bei seinem dicken Pelz ganz unmöglich und in der That nichts als eine diplomatische Gesprächs-Ueberleitung war und sagte: "Herr Unteroffizier, en bisken kalt is et hier, en paar Kiepen Torf, ... wat meenen Sie? ..."

"Nu, schon gut," sagte ich. "Lassen wir's. Und wie ich Ihnen gesagt habe, ich werde nichts Schlimmes gegen ihn vorbringen."

So verlief es denn auch.

Das Angebot von ein "paar Kiepen Torf" aber war der Schlußakt meines Dienstjahres bei "Kaiser Franz".



Ostern 45 schloß dies Dienstjahr ab, während dessen ich außer meiner vorgeschilderten Reise nach

ich versprach in rasch wiederkehrender guter Laune, daß ich ihm nichts besondres Schlimmes einbrocken wolle.

Diese Zusicherung schien die Leute auch zu beruhigen, und unter Verbeugung gegen mich, schickten sie sich an, in guter Ordnung ihren Rückzug anzutreten. Aber als sie schon beinah draußen waren, kehrte der Eine noch einmal um, schudderte sich und rieb sich mit Ostentation die Hände, wie wenn ihn bitterlich fröre, was aber bei seinem dicken Pelz ganz unmöglich und in der That nichts als eine diplomatische Gesprächs-Ueberleitung war und sagte: „Herr Unteroffizier, en bisken kalt is et hier, en paar Kiepen Torf, … wat meenen Sie? …“

„Nu, schon gut,“ sagte ich. „Lassen wir’s. Und wie ich Ihnen gesagt habe, ich werde nichts Schlimmes gegen ihn vorbringen.“

So verlief es denn auch.

Das Angebot von ein „paar Kiepen Torf“ aber war der Schlußakt meines Dienstjahres bei „Kaiser Franz“.



Ostern 45 schloß dies Dienstjahr ab, während dessen ich außer meiner vorgeschilderten Reise nach

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[253/0262] ich versprach in rasch wiederkehrender guter Laune, daß ich ihm nichts besondres Schlimmes einbrocken wolle. Diese Zusicherung schien die Leute auch zu beruhigen, und unter Verbeugung gegen mich, schickten sie sich an, in guter Ordnung ihren Rückzug anzutreten. Aber als sie schon beinah draußen waren, kehrte der Eine noch einmal um, schudderte sich und rieb sich mit Ostentation die Hände, wie wenn ihn bitterlich fröre, was aber bei seinem dicken Pelz ganz unmöglich und in der That nichts als eine diplomatische Gesprächs-Ueberleitung war und sagte: „Herr Unteroffizier, en bisken kalt is et hier, en paar Kiepen Torf, … wat meenen Sie? …“ „Nu, schon gut,“ sagte ich. „Lassen wir’s. Und wie ich Ihnen gesagt habe, ich werde nichts Schlimmes gegen ihn vorbringen.“ So verlief es denn auch. Das Angebot von ein „paar Kiepen Torf“ aber war der Schlußakt meines Dienstjahres bei „Kaiser Franz“. Ostern 45 schloß dies Dienstjahr ab, während dessen ich außer meiner vorgeschilderten Reise nach

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Theodor Fontane-Arbeitsstelle der Georg-August-Universität Göttingen, Theodor Fontane: Große Brandenburger Ausgabe (GBA): Bereitstellung der Texttranskription (mit freundlicher Genehmigung des Aufbau-Verlags Berlin). (2018-07-25T10:02:20Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Rahel Gajaneh Hartz: Bearbeitung der digitalen Edition. (2018-07-25T10:02:20Z)

Weitere Informationen:

Theodor Fontane: Von Zwanzig bis Dreißig. Autobiographisches. Hrsg. von der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Universität Göttingen. Bandbearbeiter: Wolfgang Rasch. Berlin 2014 [= Große Brandenburger Ausgabe, Das autobiographische Werk, Bd. 3]: Bereitstellung der Texttranskription (mit freundlicher Genehmigung des Aufbau-Verlags Berlin).

Verfahren der Texterfassung: manuell (einfach erfasst).

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Von Zwanzig bis Dreißig. 1. Aufl. Berlin, 1898, S. 253. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fontane_zwanzig_1898/262>, abgerufen am 17.04.2024.