Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gerber, Carl Friedrich von: Grundzüge eines Systems des deutschen Staatsrecht. Leipzig, 1865.

Bild:
<< vorherige Seite

§. 25. Der Monarch.
Handeln sich der Wille seiner Persönlichkeit verwirk-
licht. In den monarchischen Staaten2 Deutschlands sind
diess der Monarch und die Stände. Die Art und der
Umfang, in welchem Beide als Organe des Staats wir-
ken, ist ganz verschieden; aber beiden Organen gemein-
schaftlich ist die Eigenschaft, dass der in ihrem Wesen
enthaltene Beruf rechtlichen Handelns ihren Berechtigten
als eigener und ursprünglicher zukommt.3 Daher ist die
Festsetzung ihres Rechts eine der hauptsächlichsten Auf-
gaben des Grundgesetzes. Nicht zu den Organen des
Staats gehören die Staatsdiener; ihr Recht ist kein
ursprüngliches Recht zur Kundgebung des Staatswillens,
sondern ein abgeleitetes, sie sind nur die rechtlichen
Gehülfen des Monarchen.

ERSTES CAPITEL.
Der Monarch.
1. Inhalt des Monarchenrechts.
a) Die monarchische Institution.
§. 25.

Der Monarch ist das oberste Willensorgan des
Staats. Sein Wille soll als allgemeiner Wille, als Wille
des Staats gelten. In dem Monarchen wird die abstracte
Persönlichkeit der Staatsgewalt verkörpert. Und zwar

2 Der Republik fehlt ein solches persönliches Gesammtorgan,
wie der Monarch. Der Inhalt der Rechtsstellung ihres Präsiden-
ten ist ein abgeleiteter.
3 Ihr öffentliches Recht (Organ des Staats zu sein) ist eige-
nes
, nicht aus dem Rechte eines Anderen (Volk, Wähler, Cor-
poration) abgeleitetes Recht.

§. 25. Der Monarch.
Handeln sich der Wille seiner Persönlichkeit verwirk-
licht. In den monarchischen Staaten2 Deutschlands sind
diess der Monarch und die Stände. Die Art und der
Umfang, in welchem Beide als Organe des Staats wir-
ken, ist ganz verschieden; aber beiden Organen gemein-
schaftlich ist die Eigenschaft, dass der in ihrem Wesen
enthaltene Beruf rechtlichen Handelns ihren Berechtigten
als eigener und ursprünglicher zukommt.3 Daher ist die
Festsetzung ihres Rechts eine der hauptsächlichsten Auf-
gaben des Grundgesetzes. Nicht zu den Organen des
Staats gehören die Staatsdiener; ihr Recht ist kein
ursprüngliches Recht zur Kundgebung des Staatswillens,
sondern ein abgeleitetes, sie sind nur die rechtlichen
Gehülfen des Monarchen.

ERSTES CAPITEL.
Der Monarch.
1. Inhalt des Monarchenrechts.
a) Die monarchische Institution.
§. 25.

Der Monarch ist das oberste Willensorgan des
Staats. Sein Wille soll als allgemeiner Wille, als Wille
des Staats gelten. In dem Monarchen wird die abstracte
Persönlichkeit der Staatsgewalt verkörpert. Und zwar

2 Der Republik fehlt ein solches persönliches Gesammtorgan,
wie der Monarch. Der Inhalt der Rechtsstellung ihres Präsiden-
ten ist ein abgeleiteter.
3 Ihr öffentliches Recht (Organ des Staats zu sein) ist eige-
nes
, nicht aus dem Rechte eines Anderen (Volk, Wähler, Cor-
poration) abgeleitetes Recht.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0089" n="71"/><fw place="top" type="header">§. 25. Der Monarch.</fw><lb/>
Handeln sich der Wille seiner Persönlichkeit verwirk-<lb/>
licht. In den monarchischen Staaten<note place="foot" n="2">Der Republik fehlt ein solches persönliches Gesammtorgan,<lb/>
wie der Monarch. Der Inhalt der Rechtsstellung ihres Präsiden-<lb/>
ten ist ein abgeleiteter.</note> Deutschlands sind<lb/>
diess der <hi rendition="#g">Monarch</hi> und die <hi rendition="#g">Stände.</hi> Die Art und der<lb/>
Umfang, in welchem Beide als Organe des Staats wir-<lb/>
ken, ist ganz verschieden; aber beiden Organen gemein-<lb/>
schaftlich ist die Eigenschaft, dass der in ihrem Wesen<lb/>
enthaltene Beruf rechtlichen Handelns ihren Berechtigten<lb/>
als eigener und ursprünglicher zukommt.<note place="foot" n="3">Ihr öffentliches Recht (Organ des Staats zu sein) ist <hi rendition="#g">eige-<lb/>
nes</hi>, nicht aus dem Rechte eines Anderen (Volk, Wähler, Cor-<lb/>
poration) abgeleitetes Recht.</note> Daher ist die<lb/>
Festsetzung ihres Rechts eine der hauptsächlichsten Auf-<lb/>
gaben des Grundgesetzes. Nicht zu den Organen des<lb/>
Staats gehören die <hi rendition="#g">Staatsdiener</hi>; ihr Recht ist kein<lb/>
ursprüngliches Recht zur Kundgebung des Staatswillens,<lb/>
sondern ein abgeleitetes, sie sind nur die rechtlichen<lb/>
Gehülfen des Monarchen.</p>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#g">ERSTES CAPITEL.<lb/>
Der Monarch.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>1. <hi rendition="#g">Inhalt des Monarchenrechts.</hi></head><lb/>
            <div n="4">
              <head>a) Die monarchische Institution.</head><lb/>
              <div n="5">
                <head>§. 25.</head><lb/>
                <p>Der Monarch ist das oberste Willensorgan des<lb/>
Staats. Sein Wille soll als allgemeiner Wille, als Wille<lb/>
des Staats gelten. In dem Monarchen wird die abstracte<lb/>
Persönlichkeit der Staatsgewalt verkörpert. Und zwar<lb/></p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[71/0089] §. 25. Der Monarch. Handeln sich der Wille seiner Persönlichkeit verwirk- licht. In den monarchischen Staaten 2 Deutschlands sind diess der Monarch und die Stände. Die Art und der Umfang, in welchem Beide als Organe des Staats wir- ken, ist ganz verschieden; aber beiden Organen gemein- schaftlich ist die Eigenschaft, dass der in ihrem Wesen enthaltene Beruf rechtlichen Handelns ihren Berechtigten als eigener und ursprünglicher zukommt. 3 Daher ist die Festsetzung ihres Rechts eine der hauptsächlichsten Auf- gaben des Grundgesetzes. Nicht zu den Organen des Staats gehören die Staatsdiener; ihr Recht ist kein ursprüngliches Recht zur Kundgebung des Staatswillens, sondern ein abgeleitetes, sie sind nur die rechtlichen Gehülfen des Monarchen. ERSTES CAPITEL. Der Monarch. 1. Inhalt des Monarchenrechts. a) Die monarchische Institution. §. 25. Der Monarch ist das oberste Willensorgan des Staats. Sein Wille soll als allgemeiner Wille, als Wille des Staats gelten. In dem Monarchen wird die abstracte Persönlichkeit der Staatsgewalt verkörpert. Und zwar 2 Der Republik fehlt ein solches persönliches Gesammtorgan, wie der Monarch. Der Inhalt der Rechtsstellung ihres Präsiden- ten ist ein abgeleiteter. 3 Ihr öffentliches Recht (Organ des Staats zu sein) ist eige- nes, nicht aus dem Rechte eines Anderen (Volk, Wähler, Cor- poration) abgeleitetes Recht.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/gerber_staatsrecht_1865
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/gerber_staatsrecht_1865/89
Zitationshilfe: Gerber, Carl Friedrich von: Grundzüge eines Systems des deutschen Staatsrecht. Leipzig, 1865, S. 71. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gerber_staatsrecht_1865/89>, abgerufen am 21.02.2024.