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Gleim, Johann Wilhelm Ludwig: Versuch in Scherzhaften Liedern. Bd. 2. Berlin, 1745.

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An einen Vater.
Alter, denk an deine Jugend!
Fühle noch einmal die Wollust,
Die du in den Adern fühltest,
Damals, als du Vater wurdest.
Sieh, hier sitzt auf meinem Schoosse
Deine Tochter, die mich liebet!
Sieh, sie streichelt meine Hände!
Sieh, sie zupft mich bei der Nase!
Sieh, sie kneipt mich in die Wangen!
Sieh, sie hüpft auf meinem Schoosse!
Sieh, sie kützelt mich und lachet!
Wie vergnügt ist deine Tochter!
Kann sie dich nicht frölich machen?
Alter, rufst du nicht mit Tränen,
Deine Jugendzeit zurükke?
Sieh, wie schön wir sie gebrauchen!
Lobe doch, in dem du trinkest,
Unser Tändeln, unsre Jugend!
Sieh nur, wie vergnügt wir tändeln!
Doch du kannst mit dunkeln Augen,
Unser Tändeln nicht mehr sehen.
Warte nur, du solst es fühlen!
War-
An einen Vater.
Alter, denk an deine Jugend!
Fühle noch einmal die Wolluſt,
Die du in den Adern fühlteſt,
Damals, als du Vater wurdeſt.
Sieh, hier ſitzt auf meinem Schooſſe
Deine Tochter, die mich liebet!
Sieh, ſie ſtreichelt meine Hände!
Sieh, ſie zupft mich bei der Naſe!
Sieh, ſie kneipt mich in die Wangen!
Sieh, ſie hüpft auf meinem Schooſſe!
Sieh, ſie kützelt mich und lachet!
Wie vergnügt iſt deine Tochter!
Kann ſie dich nicht frölich machen?
Alter, rufſt du nicht mit Tränen,
Deine Jugendzeit zurükke?
Sieh, wie ſchön wir ſie gebrauchen!
Lobe doch, in dem du trinkeſt,
Unſer Tändeln, unſre Jugend!
Sieh nur, wie vergnügt wir tändeln!
Doch du kannſt mit dunkeln Augen,
Unſer Tändeln nicht mehr ſehen.
Warte nur, du ſolſt es fühlen!
War-
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[27/0053] An einen Vater. Alter, denk an deine Jugend! Fühle noch einmal die Wolluſt, Die du in den Adern fühlteſt, Damals, als du Vater wurdeſt. Sieh, hier ſitzt auf meinem Schooſſe Deine Tochter, die mich liebet! Sieh, ſie ſtreichelt meine Hände! Sieh, ſie zupft mich bei der Naſe! Sieh, ſie kneipt mich in die Wangen! Sieh, ſie hüpft auf meinem Schooſſe! Sieh, ſie kützelt mich und lachet! Wie vergnügt iſt deine Tochter! Kann ſie dich nicht frölich machen? Alter, rufſt du nicht mit Tränen, Deine Jugendzeit zurükke? Sieh, wie ſchön wir ſie gebrauchen! Lobe doch, in dem du trinkeſt, Unſer Tändeln, unſre Jugend! Sieh nur, wie vergnügt wir tändeln! Doch du kannſt mit dunkeln Augen, Unſer Tändeln nicht mehr ſehen. Warte nur, du ſolſt es fühlen! War-

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Zitationshilfe: Gleim, Johann Wilhelm Ludwig: Versuch in Scherzhaften Liedern. Bd. 2. Berlin, 1745, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gleim_versuch02_1745/53>, abgerufen am 17.04.2021.