Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1795.

Bild:
<< vorherige Seite

aber sie gehen doch durchs ganze Stück, und
halten zusammen, was sonst auseinander fie¬
le, auch wirklich auseinander fällt, wenn
man sie wegschneidet, und ein übriges ge¬
than zu haben glaubt, wenn man die En¬
den stehen läßt.

Zu diesen äußern Verhältnissen zähle ich
die Unruhen in Norwegen, den Krieg mit
dem jungen Fortinbras, die Gesandtschaft
an den alten Oheim, den geschlichteten Zwist,
den Zug des jungen Fortinbras nach Polen
und seine Rückkehr am Ende. Ingleichen
die Rückkehr des Horatio von Wittenberg,
die Lust Hamlets dahin zu gehen, die Reise
des Laertes nach Frankreich, seine Rückkunft,
die Verschickung Hamlets nach England,
seine Gefangenschaft beym Seeräuber, der
Tod der beyden Hofleute auf den Uriasbrief;
alles dieses sind Umstände und Begebenhei¬
ten, die einen Roman weit und breit machen

aber ſie gehen doch durchs ganze Stück, und
halten zuſammen, was ſonſt auseinander fie¬
le, auch wirklich auseinander fällt, wenn
man ſie wegſchneidet, und ein übriges ge¬
than zu haben glaubt, wenn man die En¬
den ſtehen läßt.

Zu dieſen äußern Verhältniſſen zähle ich
die Unruhen in Norwegen, den Krieg mit
dem jungen Fortinbras, die Geſandtſchaft
an den alten Oheim, den geſchlichteten Zwiſt,
den Zug des jungen Fortinbras nach Polen
und ſeine Rückkehr am Ende. Ingleichen
die Rückkehr des Horatio von Wittenberg,
die Luſt Hamlets dahin zu gehen, die Reiſe
des Laertes nach Frankreich, ſeine Rückkunft,
die Verſchickung Hamlets nach England,
ſeine Gefangenſchaft beym Seeräuber, der
Tod der beyden Hofleute auf den Uriasbrief;
alles dieſes ſind Umſtände und Begebenhei¬
ten, die einen Roman weit und breit machen

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0051" n="45"/>
aber &#x017F;ie gehen doch durchs ganze Stück, und<lb/>
halten zu&#x017F;ammen, was &#x017F;on&#x017F;t auseinander fie¬<lb/>
le, auch wirklich auseinander fällt, wenn<lb/>
man &#x017F;ie weg&#x017F;chneidet, und ein übriges ge¬<lb/>
than zu haben glaubt, wenn man die En¬<lb/>
den &#x017F;tehen läßt.</p><lb/>
            <p>Zu die&#x017F;en äußern Verhältni&#x017F;&#x017F;en zähle ich<lb/>
die Unruhen in Norwegen, den Krieg mit<lb/>
dem jungen Fortinbras, die Ge&#x017F;andt&#x017F;chaft<lb/>
an den alten Oheim, den ge&#x017F;chlichteten Zwi&#x017F;t,<lb/>
den Zug des jungen Fortinbras nach Polen<lb/>
und &#x017F;eine Rückkehr am Ende. Ingleichen<lb/>
die Rückkehr des Horatio von Wittenberg,<lb/>
die Lu&#x017F;t Hamlets dahin zu gehen, die Rei&#x017F;e<lb/>
des Laertes nach Frankreich, &#x017F;eine Rückkunft,<lb/>
die Ver&#x017F;chickung Hamlets nach England,<lb/>
&#x017F;eine Gefangen&#x017F;chaft beym Seeräuber, der<lb/>
Tod der beyden Hofleute auf den Uriasbrief;<lb/>
alles die&#x017F;es &#x017F;ind Um&#x017F;tände und Begebenhei¬<lb/>
ten, die einen Roman weit und breit machen<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[45/0051] aber ſie gehen doch durchs ganze Stück, und halten zuſammen, was ſonſt auseinander fie¬ le, auch wirklich auseinander fällt, wenn man ſie wegſchneidet, und ein übriges ge¬ than zu haben glaubt, wenn man die En¬ den ſtehen läßt. Zu dieſen äußern Verhältniſſen zähle ich die Unruhen in Norwegen, den Krieg mit dem jungen Fortinbras, die Geſandtſchaft an den alten Oheim, den geſchlichteten Zwiſt, den Zug des jungen Fortinbras nach Polen und ſeine Rückkehr am Ende. Ingleichen die Rückkehr des Horatio von Wittenberg, die Luſt Hamlets dahin zu gehen, die Reiſe des Laertes nach Frankreich, ſeine Rückkunft, die Verſchickung Hamlets nach England, ſeine Gefangenſchaft beym Seeräuber, der Tod der beyden Hofleute auf den Uriasbrief; alles dieſes ſind Umſtände und Begebenhei¬ ten, die einen Roman weit und breit machen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre03_1795
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre03_1795/51
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Bd. 3. Frankfurt (Main) u. a., 1795, S. 45. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_lehrjahre03_1795/51>, abgerufen am 22.05.2024.