Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goeze, Johann August Ephraim: Zeitvertreib und Unterricht für Kinder vom dritten bis zehnten Jahr in kleinen Geschichten. Bd. 1. Leipzig, 1783.

Bild:
<< vorherige Seite

Brod. Auch mußte sie sich selbst aufwarten,
und alles holen. O wie schön konnte sie nun
das viele Gute erkennen, das sie vor vielen
tausend armen Kindern voraus hatte!

Dorchen hingegen war ein liebes dank-
bares Kind, und betete alle Tage recht
herzlich:

Wie dank ich Gott für seine Gabe,
Daß ich so gute Aeltern habe,
Die für mich vom Morgen,
Bis zum Abend sorgen!

Es war ihnen dafür gehorsam, weil es noch
durch nichts anders es seyn konnte. Aber
es hatte doch schon im sechsten Jahre den
Willen und Vorsatz, es zu seyn. Daher
that es den Aeltern aus eigenem Triebe aller-
ley kleine Gefälligkeiten; sollte es auch nur
Nadeln in der Stube aufsuchen, und dem
Vater feinen Sand durch sein Spieltrichter-
chen in die Sandbüchse thun.

XXVI. Das

Brod. Auch mußte ſie ſich ſelbſt aufwarten,
und alles holen. O wie ſchoͤn konnte ſie nun
das viele Gute erkennen, das ſie vor vielen
tauſend armen Kindern voraus hatte!

Dorchen hingegen war ein liebes dank-
bares Kind, und betete alle Tage recht
herzlich:

Wie dank ich Gott fuͤr ſeine Gabe,
Daß ich ſo gute Aeltern habe,
Die fuͤr mich vom Morgen,
Bis zum Abend ſorgen!

Es war ihnen dafuͤr gehorſam, weil es noch
durch nichts anders es ſeyn konnte. Aber
es hatte doch ſchon im ſechsten Jahre den
Willen und Vorſatz, es zu ſeyn. Daher
that es den Aeltern aus eigenem Triebe aller-
ley kleine Gefaͤlligkeiten; ſollte es auch nur
Nadeln in der Stube aufſuchen, und dem
Vater feinen Sand durch ſein Spieltrichter-
chen in die Sandbuͤchſe thun.

XXVI. Das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0129" n="107"/>
Brod. Auch mußte &#x017F;ie &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t aufwarten,<lb/>
und alles holen. O wie &#x017F;cho&#x0364;n konnte &#x017F;ie nun<lb/>
das viele Gute erkennen, das &#x017F;ie vor vielen<lb/>
tau&#x017F;end armen Kindern voraus hatte!</p><lb/>
        <p>Dorchen hingegen war ein liebes dank-<lb/>
bares Kind, und betete alle Tage recht<lb/>
herzlich:</p><lb/>
        <lg type="poem">
          <l>Wie dank ich Gott fu&#x0364;r &#x017F;eine Gabe,</l><lb/>
          <l>Daß ich &#x017F;o gute Aeltern habe,</l><lb/>
          <l>Die fu&#x0364;r mich vom Morgen,</l><lb/>
          <l>Bis zum Abend &#x017F;orgen!</l>
        </lg><lb/>
        <p>Es war ihnen dafu&#x0364;r gehor&#x017F;am, weil es noch<lb/>
durch nichts anders es &#x017F;eyn konnte. Aber<lb/>
es hatte doch &#x017F;chon im &#x017F;echsten Jahre den<lb/>
Willen und Vor&#x017F;atz, es zu &#x017F;eyn. Daher<lb/>
that es den Aeltern aus eigenem Triebe aller-<lb/>
ley kleine Gefa&#x0364;lligkeiten; &#x017F;ollte es auch nur<lb/>
Nadeln in der Stube auf&#x017F;uchen, und dem<lb/>
Vater feinen Sand durch &#x017F;ein Spieltrichter-<lb/>
chen in die Sandbu&#x0364;ch&#x017F;e thun.</p>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">XXVI.</hi> Das</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[107/0129] Brod. Auch mußte ſie ſich ſelbſt aufwarten, und alles holen. O wie ſchoͤn konnte ſie nun das viele Gute erkennen, das ſie vor vielen tauſend armen Kindern voraus hatte! Dorchen hingegen war ein liebes dank- bares Kind, und betete alle Tage recht herzlich: Wie dank ich Gott fuͤr ſeine Gabe, Daß ich ſo gute Aeltern habe, Die fuͤr mich vom Morgen, Bis zum Abend ſorgen! Es war ihnen dafuͤr gehorſam, weil es noch durch nichts anders es ſeyn konnte. Aber es hatte doch ſchon im ſechsten Jahre den Willen und Vorſatz, es zu ſeyn. Daher that es den Aeltern aus eigenem Triebe aller- ley kleine Gefaͤlligkeiten; ſollte es auch nur Nadeln in der Stube aufſuchen, und dem Vater feinen Sand durch ſein Spieltrichter- chen in die Sandbuͤchſe thun. XXVI. Das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/goetze_zeitvertreib01_1783
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/goetze_zeitvertreib01_1783/129
Zitationshilfe: Goeze, Johann August Ephraim: Zeitvertreib und Unterricht für Kinder vom dritten bis zehnten Jahr in kleinen Geschichten. Bd. 1. Leipzig, 1783, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goetze_zeitvertreib01_1783/129>, abgerufen am 17.04.2024.