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Goeze, Johann August Ephraim: Zeitvertreib und Unterricht für Kinder vom dritten bis zehnten Jahr in kleinen Geschichten. Bd. 1. Leipzig, 1783.

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dir die falsche Furcht zu nehmen. Hab' ich
dir nicht oft genug gesagt: du solltest dich
nicht vor dem Gewitter fürchten? Siehest
du denn, daß ich mich so ängstlich davor
fürchte? Hab' ich dir nicht oft genug gesagt:
es komme nicht unmittelbar von dem lieben
Gott, wie sichs die Leute vorstellen: daß der
liebe Gott da über den Wolken säße, und
den Blitz, Hagel und Regen herunterwerfe?

D. Ja! ists denn nicht so? darum hab'
ich mich eben so gefürchtet.

V. Nein! mein Kind, der liebe Gott
hat alles, von der ersten Schöpfung an, in
der Natur dazu so eingerichtet, daß ein Ge-
witter entstehen kann. Wenn sich von der
Erde so viele wässerige Dünste in die Höhe
gezogen haben, daß sie oben in den Wolken
nicht mehr bleiben können, und zu schwer
werden; so fallen sie in unzähligen Tropfen
herunter, und dann regnets. So auch mit

dem
K 2

dir die falſche Furcht zu nehmen. Hab’ ich
dir nicht oft genug geſagt: du ſollteſt dich
nicht vor dem Gewitter fuͤrchten? Sieheſt
du denn, daß ich mich ſo aͤngſtlich davor
fuͤrchte? Hab’ ich dir nicht oft genug geſagt:
es komme nicht unmittelbar von dem lieben
Gott, wie ſichs die Leute vorſtellen: daß der
liebe Gott da uͤber den Wolken ſaͤße, und
den Blitz, Hagel und Regen herunterwerfe?

D. Ja! iſts denn nicht ſo? darum hab’
ich mich eben ſo gefuͤrchtet.

V. Nein! mein Kind, der liebe Gott
hat alles, von der erſten Schoͤpfung an, in
der Natur dazu ſo eingerichtet, daß ein Ge-
witter entſtehen kann. Wenn ſich von der
Erde ſo viele waͤſſerige Duͤnſte in die Hoͤhe
gezogen haben, daß ſie oben in den Wolken
nicht mehr bleiben koͤnnen, und zu ſchwer
werden; ſo fallen ſie in unzaͤhligen Tropfen
herunter, und dann regnets. So auch mit

dem
K 2
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[147/0169] dir die falſche Furcht zu nehmen. Hab’ ich dir nicht oft genug geſagt: du ſollteſt dich nicht vor dem Gewitter fuͤrchten? Sieheſt du denn, daß ich mich ſo aͤngſtlich davor fuͤrchte? Hab’ ich dir nicht oft genug geſagt: es komme nicht unmittelbar von dem lieben Gott, wie ſichs die Leute vorſtellen: daß der liebe Gott da uͤber den Wolken ſaͤße, und den Blitz, Hagel und Regen herunterwerfe? D. Ja! iſts denn nicht ſo? darum hab’ ich mich eben ſo gefuͤrchtet. V. Nein! mein Kind, der liebe Gott hat alles, von der erſten Schoͤpfung an, in der Natur dazu ſo eingerichtet, daß ein Ge- witter entſtehen kann. Wenn ſich von der Erde ſo viele waͤſſerige Duͤnſte in die Hoͤhe gezogen haben, daß ſie oben in den Wolken nicht mehr bleiben koͤnnen, und zu ſchwer werden; ſo fallen ſie in unzaͤhligen Tropfen herunter, und dann regnets. So auch mit dem K 2

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Zitationshilfe: Goeze, Johann August Ephraim: Zeitvertreib und Unterricht für Kinder vom dritten bis zehnten Jahr in kleinen Geschichten. Bd. 1. Leipzig, 1783, S. 147. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goetze_zeitvertreib01_1783/169>, abgerufen am 18.04.2024.