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Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Continuatio des abentheurlichen Simplicissimi Oder Der Schluß desselben. Nürnberg, 1669.

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auff mich geworffen/ ich gedachte er hätte ein Wohl-
gefallen an meiner Gedult und freywilligen Armut/
und würde mir derowegen wol durchhelssen/ wie
ich dann in gemeltem Schlosso dessen Göttliche
Hilff und Gnad handgreifflich verspürt und genos-
sen/ in meiner ersten Nacht-Herberg gesellete sich
ein lauffer Botte zu mir/ der vorgab/ er seye bedacht
eben den Weg zugehen/ den ich vor mir hätte/
nemblich auff Loretten; weilen ich nun den Weg
nicht wuste noch die Sprach recht verstunde/ er aber
vorgab/ daß er kein sonderlicher schneller Lauffer
wäre/ wurden wir eins/ beyeinander zubleiben und
einander Gesellschafft zuleisten; dieser hatte gemei-
niglich auch an den Enden zuthun/ wo ich meines
Schloß-Herrn Schreiben abzulegen hatte/ allwo man
uns dann Fürstl. tractirte, wann er aber in einem
Wirthshauß einkehren muste/ nöthigte er mich zu
ihm und zahlte vor mich auß/ welches ich die länge
nicht annehmen wolte/ weil mich teuchte ich wür-
de ihm auff solche weiß seinen Lohn den er so säur-
lich verdienen muste/ verschwenden helffen; er aber
sagte/ er geniesse meiner auch wo ich Schreiben zu-
bestellen habe/ als wo er meinetwegen schmarotzen:
und sein Geld sparen können; solcher gestalt über-
wanden wir das hohe Gebürg und kamen miteinan-
der in das fruchtbare Jtalia da mir mein Gefährt
ererst erzehlete/ daß er von obgedachten Schloß-Herren
abgefertigt wäre mich zubegleitten und zehrfrey zu-
halten/ batte mich derowegen/ daß ich ja bey ihm ver-
lieb nehmen/ und das freywillige Allmosen das mir sein
Herr nachschickte/ nit verschmähen: sonder lieber als
das jenige gemessen wolte das ich ererst von allerhand

ohn-

auff mich geworffen/ ich gedachte er haͤtte ein Wohl-
gefallen an meiner Gedult und freywilligen Armut/
und wuͤrde mir derowegen wol durchhelſſen/ wie
ich dann in gemeltem Schloſſo deſſen Goͤttliche
Hilff und Gnad handgreifflich verſpuͤrt und genoſ-
ſen/ in meiner erſten Nacht-Herberg geſellete ſich
ein lauffer Botte zu mir/ der vorgab/ er ſeye bedacht
eben den Weg zugehen/ den ich vor mir haͤtte/
nemblich auff Loretten; weilen ich nun den Weg
nicht wuſte noch die Sprach recht verſtunde/ er aber
vorgab/ daß er kein ſonderlicher ſchneller Lauffer
waͤre/ wurden wir eins/ beyeinander zubleiben und
einander Geſellſchafft zuleiſten; dieſer hatte gemei-
niglich auch an den Enden zuthun/ wo ich meines
Schloß-Herꝛn Schreiben abzulegen hatte/ allwo man
uns dann Fuͤrſtl. tractirte, wann er aber in einem
Wirthshauß einkehren muſte/ noͤthigte er mich zu
ihm und zahlte vor mich auß/ welches ich die laͤnge
nicht annehmen wolte/ weil mich teuchte ich wuͤr-
de ihm auff ſolche weiß ſeinen Lohn den er ſo ſaͤur-
lich verdienen muſte/ verſchwenden helffen; er aber
ſagte/ er genieſſe meiner auch wo ich Schreiben zu-
beſtellen habe/ als wo er meinetwegen ſchmarotzen:
und ſein Geld ſparen koͤnnen; ſolcher geſtalt uͤber-
wanden wir das hohe Gebuͤrg und kamen miteinan-
der in das fruchtbare Jtalia da mir mein Gefaͤhrt
ererſt erzehlete/ daß er von obgedachtẽ Schloß-Herꝛẽ
abgefertigt waͤre mich zubegleitten und zehrfrey zu-
halten/ batte mich derowegen/ daß ich ja bey ihm ver-
lieb nehmẽ/ und das fꝛeywillige Allmoſen das mir ſein
Herꝛ nachſchickte/ nit verſchmaͤhen: ſonder lieber als
das jenige gemeſſẽ wolte das ich ererſt von allerhand

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Zitationshilfe: Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von: Continuatio des abentheurlichen Simplicissimi Oder Der Schluß desselben. Nürnberg, 1669, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_continuatio_1669/106>, abgerufen am 19.07.2024.