Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Herder, Johann Gottfried von: Kritische Wälder. Bd. 3. Riga, 1769.

Bild:
<< vorherige Seite

Drittes Wäldchen.
und die Erziehung solchen anschaulichen Vorstel-
lungen entsprach -- was natürlicher, als eine
Vergleichung zwischen Bildern und Versen? was
aber auch unnatürlicher, als bei uns solche Ver-
gleichung zu fodern? Die Münzallegorien sind uns
meistens überbrachte Jdeen: unsre Dichter, der
Muse sei Dank! aber uns National -- ich sehe
keine Parallele. Die Münzvorstellungen aus den
Alten entsprechen höchstens auch den Dichtern der
Alten; und so sehr diese auch unsrer lieben Schul-
jugend eingeprägt werden: so haben wir doch nim-
mer ein Attisches, ein Römisches Publikum, das,
wie jenes, nach diesen Dichtern gebildet wäre?
Die lange Deklamation des Hrn Kl. über die Pa-
rallele, vom Geschmack auf Münzen a), der sich
zu unsrer Zeit, unter der Regierung Friederichs
des Großen (vermuthlich zu Halle) angefangen,
und von Classischen Schriftstellern, die unsern Zeit-
punkt allen Völkern und der spätesten Nachkommen-
schaft bewundernswürdig machen werden, die ganze
Parallele ist in Vergleichung der Alten link.

5.

Doch wie anders, als link ists, wie unser Verf.
am liebsten redet? Ein Büchlein über die Ge-
schichte des Geschmacks auf Münzen; und dies

Büch-
a) S. 70-76.
F

Drittes Waͤldchen.
und die Erziehung ſolchen anſchaulichen Vorſtel-
lungen entſprach — was natuͤrlicher, als eine
Vergleichung zwiſchen Bildern und Verſen? was
aber auch unnatuͤrlicher, als bei uns ſolche Ver-
gleichung zu fodern? Die Muͤnzallegorien ſind uns
meiſtens uͤberbrachte Jdeen: unſre Dichter, der
Muſe ſei Dank! aber uns National — ich ſehe
keine Parallele. Die Muͤnzvorſtellungen aus den
Alten entſprechen hoͤchſtens auch den Dichtern der
Alten; und ſo ſehr dieſe auch unſrer lieben Schul-
jugend eingepraͤgt werden: ſo haben wir doch nim-
mer ein Attiſches, ein Roͤmiſches Publikum, das,
wie jenes, nach dieſen Dichtern gebildet waͤre?
Die lange Deklamation des Hrn Kl. uͤber die Pa-
rallele, vom Geſchmack auf Muͤnzen a), der ſich
zu unſrer Zeit, unter der Regierung Friederichs
des Großen (vermuthlich zu Halle) angefangen,
und von Claſſiſchen Schriftſtellern, die unſern Zeit-
punkt allen Voͤlkern und der ſpaͤteſten Nachkommen-
ſchaft bewundernswuͤrdig machen werden, die ganze
Parallele iſt in Vergleichung der Alten link.

5.

Doch wie anders, als link iſts, wie unſer Verf.
am liebſten redet? Ein Buͤchlein uͤber die Ge-
ſchichte des Geſchmacks auf Muͤnzen; und dies

Buͤch-
a) S. 70-76.
F
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0087" n="81"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Drittes Wa&#x0364;ldchen.</hi></fw><lb/>
und die Erziehung &#x017F;olchen an&#x017F;chaulichen Vor&#x017F;tel-<lb/>
lungen ent&#x017F;prach &#x2014; was natu&#x0364;rlicher, als eine<lb/>
Vergleichung zwi&#x017F;chen Bildern und Ver&#x017F;en? was<lb/>
aber auch unnatu&#x0364;rlicher, als bei uns &#x017F;olche Ver-<lb/>
gleichung zu fodern? Die Mu&#x0364;nzallegorien &#x017F;ind uns<lb/>
mei&#x017F;tens u&#x0364;berbrachte Jdeen: un&#x017F;re Dichter, der<lb/>
Mu&#x017F;e &#x017F;ei Dank! aber uns National &#x2014; ich &#x017F;ehe<lb/>
keine Parallele. Die Mu&#x0364;nzvor&#x017F;tellungen aus den<lb/>
Alten ent&#x017F;prechen ho&#x0364;ch&#x017F;tens auch den Dichtern der<lb/>
Alten; und &#x017F;o &#x017F;ehr die&#x017F;e auch un&#x017F;rer lieben Schul-<lb/>
jugend eingepra&#x0364;gt werden: &#x017F;o haben wir doch nim-<lb/>
mer ein Atti&#x017F;ches, ein Ro&#x0364;mi&#x017F;ches Publikum, das,<lb/>
wie jenes, <hi rendition="#fr">nach die&#x017F;en Dichtern gebildet wa&#x0364;re?</hi><lb/>
Die lange Deklamation des Hrn Kl. u&#x0364;ber die Pa-<lb/>
rallele, vom Ge&#x017F;chmack auf Mu&#x0364;nzen <note place="foot" n="a)">S. 70-76.</note>, der &#x017F;ich<lb/>
zu un&#x017F;rer Zeit, unter der Regierung Friederichs<lb/>
des Großen (vermuthlich zu <hi rendition="#fr">Halle</hi>) angefangen,<lb/>
und von Cla&#x017F;&#x017F;i&#x017F;chen Schrift&#x017F;tellern, die un&#x017F;ern Zeit-<lb/>
punkt allen Vo&#x0364;lkern und der &#x017F;pa&#x0364;te&#x017F;ten Nachkommen-<lb/>
&#x017F;chaft bewundernswu&#x0364;rdig machen werden, die ganze<lb/>
Parallele i&#x017F;t in Vergleichung der Alten link.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>5.</head><lb/>
          <p>Doch wie anders, als link i&#x017F;ts, wie un&#x017F;er Verf.<lb/>
am lieb&#x017F;ten redet? Ein Bu&#x0364;chlein u&#x0364;ber die Ge-<lb/>
&#x017F;chichte des Ge&#x017F;chmacks auf Mu&#x0364;nzen; und dies<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Bu&#x0364;ch-</fw><lb/>
<fw place="bottom" type="sig">F</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[81/0087] Drittes Waͤldchen. und die Erziehung ſolchen anſchaulichen Vorſtel- lungen entſprach — was natuͤrlicher, als eine Vergleichung zwiſchen Bildern und Verſen? was aber auch unnatuͤrlicher, als bei uns ſolche Ver- gleichung zu fodern? Die Muͤnzallegorien ſind uns meiſtens uͤberbrachte Jdeen: unſre Dichter, der Muſe ſei Dank! aber uns National — ich ſehe keine Parallele. Die Muͤnzvorſtellungen aus den Alten entſprechen hoͤchſtens auch den Dichtern der Alten; und ſo ſehr dieſe auch unſrer lieben Schul- jugend eingepraͤgt werden: ſo haben wir doch nim- mer ein Attiſches, ein Roͤmiſches Publikum, das, wie jenes, nach dieſen Dichtern gebildet waͤre? Die lange Deklamation des Hrn Kl. uͤber die Pa- rallele, vom Geſchmack auf Muͤnzen a), der ſich zu unſrer Zeit, unter der Regierung Friederichs des Großen (vermuthlich zu Halle) angefangen, und von Claſſiſchen Schriftſtellern, die unſern Zeit- punkt allen Voͤlkern und der ſpaͤteſten Nachkommen- ſchaft bewundernswuͤrdig machen werden, die ganze Parallele iſt in Vergleichung der Alten link. 5. Doch wie anders, als link iſts, wie unſer Verf. am liebſten redet? Ein Buͤchlein uͤber die Ge- ſchichte des Geſchmacks auf Muͤnzen; und dies Buͤch- a) S. 70-76. F

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/herder_kritische03_1769
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/herder_kritische03_1769/87
Zitationshilfe: Herder, Johann Gottfried von: Kritische Wälder. Bd. 3. Riga, 1769, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herder_kritische03_1769/87>, abgerufen am 16.06.2024.