Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Herwegh, Georg]: Gedichte eines Lebendigen. Bd. 1. Zürich u. a., 1841.

Bild:
<< vorherige Seite
II.
Ja, ich bekenn's, die Stimme Gottes ist
Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,
Der hat sein Haus auf Felsen sich gebaut,
Indeß der Zorn des Herrn die Frevler frißt.
Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,
Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge thaut,
Der nicht im eignen Jammer sich beschaut
Und selbstgefällig seine Silben mißt!
Doch sollt' er drum nur Waffenträger sein,
Der dienend hinter seinem Heere steht
Und, wenn es Not thut, reicht ein Schwert hinein?
Der nicht voran, ein Feuerzeichen, geht,
Und Seher ist wie sonst? Ich rufe: Nein!
Und dreimal: Nein! und stimme für Profet!
II.
Ja, ich bekenn's, die Stimme Gottes iſt
Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,
Der hat ſein Haus auf Felſen ſich gebaut,
Indeß der Zorn des Herrn die Frevler frißt.
Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,
Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge thaut,
Der nicht im eignen Jammer ſich beſchaut
Und ſelbſtgefällig ſeine Silben mißt!
Doch ſollt' er drum nur Waffenträger ſein,
Der dienend hinter ſeinem Heere ſteht
Und, wenn es Not thut, reicht ein Schwert hinein?
Der nicht voran, ein Feuerzeichen, geht,
Und Seher iſt wie ſonſt? Ich rufe: Nein!
Und dreimal: Nein! und ſtimme für Profet!
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0138" n="132"/>
        </div>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">II.</hi><lb/>
          </head>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Ja, ich bekenn's, die Stimme Gottes i&#x017F;t</l><lb/>
              <l>Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut,</l><lb/>
              <l>Der hat &#x017F;ein Haus auf Fel&#x017F;en &#x017F;ich gebaut,</l><lb/>
              <l>Indeß der Zorn des Herrn die Frevler frißt.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="2">
              <l>Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt,</l><lb/>
              <l>Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge thaut,</l><lb/>
              <l>Der nicht im eignen Jammer &#x017F;ich be&#x017F;chaut</l><lb/>
              <l>Und &#x017F;elb&#x017F;tgefällig &#x017F;eine Silben mißt!</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="3">
              <l>Doch &#x017F;ollt' er drum nur <hi rendition="#g">Waffenträger</hi> &#x017F;ein,</l><lb/>
              <l>Der <hi rendition="#g">dienend</hi> hinter &#x017F;einem Heere &#x017F;teht</l><lb/>
              <l>Und, wenn es Not thut, reicht ein Schwert hinein?</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="4">
              <l>Der nicht <hi rendition="#g">voran</hi>, ein Feuerzeichen, geht,</l><lb/>
              <l>Und <hi rendition="#g">Seher</hi> i&#x017F;t wie &#x017F;on&#x017F;t? Ich rufe: Nein!</l><lb/>
              <l>Und dreimal: Nein! und &#x017F;timme für <hi rendition="#g">Profet</hi>!</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[132/0138] II. Ja, ich bekenn's, die Stimme Gottes iſt Des Volkes Stimme! und wer ihr vertraut, Der hat ſein Haus auf Felſen ſich gebaut, Indeß der Zorn des Herrn die Frevler frißt. Dem Sänger Heil, der ihrer nie vergißt, Dem nur des Volkes Schmerz vom Auge thaut, Der nicht im eignen Jammer ſich beſchaut Und ſelbſtgefällig ſeine Silben mißt! Doch ſollt' er drum nur Waffenträger ſein, Der dienend hinter ſeinem Heere ſteht Und, wenn es Not thut, reicht ein Schwert hinein? Der nicht voran, ein Feuerzeichen, geht, Und Seher iſt wie ſonſt? Ich rufe: Nein! Und dreimal: Nein! und ſtimme für Profet!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/herwegh_gedichte01_1841
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/herwegh_gedichte01_1841/138
Zitationshilfe: [Herwegh, Georg]: Gedichte eines Lebendigen. Bd. 1. Zürich u. a., 1841, S. 132. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/herwegh_gedichte01_1841/138>, abgerufen am 20.04.2024.