Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780.

Bild:
<< vorherige Seite
Beschreibungen von Gärten.

II.
Beschreibung von Sielbeck.

Ueber dem Dorfe Sielbeck, eine halbe Meile von der fürstbischöflichen Resi-
denzstadt Eutin im Herzogthum Holstein, erhebt sich ein Lustort, *) der
gleichfalls mit dem Namen Sielbeck bezeichnet wird, in vorzüglicher Schönheit.
Die ganze Landschaft umher hat einen sich auszeichnenden Charakter der Anmuthig-
keit. Sie besteht aus einer reichen und mannichfaltigen Zusammensetzung von Ber-
gen, die auf dem Gipfel und an den Seiten herab mit schönen Waldungen beklei-
det sind, von Hügeln, deren Abhänge mit den lieblichsten Hainen und Gruppen von
Buchen glänzen, von grasreichen Thälern, Saatfeldern, Viehweiden und gutbe-
wohnten Dörfern. Die waldigten Scenen, und die überall auf den Anhöhen umher an-
muthig hingestreuten Gebüsche sind voll von melodischen Vögeln, und voll von Wild, das
eine reiche Jagd anbietet. Zwischen diesen Gegenständen und Aussichten eröffnen sich
einige überaus schöne Landseen, deren Ufer hin und wieder mit grünen Höhen bekränzt
und mit Waldungen beschattet sind. Die reine Klarheit dieser ansehnlichen Gewässer
spielt zwischen der Dunkelheit entfernter Wälder dem Auge mit einem bezaubernden
Reiz entgegen; in der Nähe sieht man die Wellen in ihrer Ruhe sich sanft dahin
schmiegen: die Tiefe der Lage und die Berge umher beschützen sie vor der Empörung
des Sturms; man sieht den Fischer sein gesegnetes Netz fröhlich heraufziehen, und
hinter den Gebüschen, welche die Ausflüsse der Seen umschatten, den Freund der
Jagd auf wilde Enten lauschen.

Der Kellersee, der ungefähr einen Umkreis von einer Meile hat, bildet in der
Landschaft von Sielbeck einen herrlichen Mittelpunkt. Um die Aussicht auf diesen
See und seine angränzende Gegenden zu genießen, ist nach der östlichen Seite auf
einem Berge ein Pavillon errichtet.

Er steht auf einem runden ebenen Platz, der vorne ganz frey ist, und blos
in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten durch ein kleines, niedriges, weiß-
angestrichenes Gitterwerk von Holz, das aber an seinen beyden Enden mit dem Ge-
bäude nicht verbunden ist, von dem angränzenden Felde abgesondert wird. Von

der
*) Er ward 1776 von dem Herrn Legationsrath Willgaard angelegt, und ist ein
Denkmal von der Einsicht und dem Geschmack dieses verdienstvollen Mannes.
Beſchreibungen von Gaͤrten.

II.
Beſchreibung von Sielbeck.

Ueber dem Dorfe Sielbeck, eine halbe Meile von der fuͤrſtbiſchoͤflichen Reſi-
denzſtadt Eutin im Herzogthum Holſtein, erhebt ſich ein Luſtort, *) der
gleichfalls mit dem Namen Sielbeck bezeichnet wird, in vorzuͤglicher Schoͤnheit.
Die ganze Landſchaft umher hat einen ſich auszeichnenden Charakter der Anmuthig-
keit. Sie beſteht aus einer reichen und mannichfaltigen Zuſammenſetzung von Ber-
gen, die auf dem Gipfel und an den Seiten herab mit ſchoͤnen Waldungen beklei-
det ſind, von Huͤgeln, deren Abhaͤnge mit den lieblichſten Hainen und Gruppen von
Buchen glaͤnzen, von grasreichen Thaͤlern, Saatfeldern, Viehweiden und gutbe-
wohnten Doͤrfern. Die waldigten Scenen, und die uͤberall auf den Anhoͤhen umher an-
muthig hingeſtreuten Gebuͤſche ſind voll von melodiſchen Voͤgeln, und voll von Wild, das
eine reiche Jagd anbietet. Zwiſchen dieſen Gegenſtaͤnden und Ausſichten eroͤffnen ſich
einige uͤberaus ſchoͤne Landſeen, deren Ufer hin und wieder mit gruͤnen Hoͤhen bekraͤnzt
und mit Waldungen beſchattet ſind. Die reine Klarheit dieſer anſehnlichen Gewaͤſſer
ſpielt zwiſchen der Dunkelheit entfernter Waͤlder dem Auge mit einem bezaubernden
Reiz entgegen; in der Naͤhe ſieht man die Wellen in ihrer Ruhe ſich ſanft dahin
ſchmiegen: die Tiefe der Lage und die Berge umher beſchuͤtzen ſie vor der Empoͤrung
des Sturms; man ſieht den Fiſcher ſein geſegnetes Netz froͤhlich heraufziehen, und
hinter den Gebuͤſchen, welche die Ausfluͤſſe der Seen umſchatten, den Freund der
Jagd auf wilde Enten lauſchen.

Der Kellerſee, der ungefaͤhr einen Umkreis von einer Meile hat, bildet in der
Landſchaft von Sielbeck einen herrlichen Mittelpunkt. Um die Ausſicht auf dieſen
See und ſeine angraͤnzende Gegenden zu genießen, iſt nach der oͤſtlichen Seite auf
einem Berge ein Pavillon errichtet.

Er ſteht auf einem runden ebenen Platz, der vorne ganz frey iſt, und blos
in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten durch ein kleines, niedriges, weiß-
angeſtrichenes Gitterwerk von Holz, das aber an ſeinen beyden Enden mit dem Ge-
baͤude nicht verbunden iſt, von dem angraͤnzenden Felde abgeſondert wird. Von

der
*) Er ward 1776 von dem Herrn Legationsrath Willgaard angelegt, und iſt ein
Denkmal von der Einſicht und dem Geſchmack dieſes verdienſtvollen Mannes.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0155" n="151"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Be&#x017F;chreibungen von Ga&#x0364;rten.</hi> </fw><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      <div n="2">
        <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">II.</hi><lb/><hi rendition="#g">Be&#x017F;chreibung von Sielbeck</hi>.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">U</hi>eber dem Dorfe <hi rendition="#fr">Sielbeck,</hi> eine halbe Meile von der fu&#x0364;r&#x017F;tbi&#x017F;cho&#x0364;flichen Re&#x017F;i-<lb/>
denz&#x017F;tadt <hi rendition="#fr">Eutin</hi> im Herzogthum <hi rendition="#fr">Hol&#x017F;tein,</hi> erhebt &#x017F;ich ein Lu&#x017F;tort, <note place="foot" n="*)">Er ward 1776 von dem Herrn Legationsrath Willgaard angelegt, und i&#x017F;t ein<lb/>
Denkmal von der Ein&#x017F;icht und dem Ge&#x017F;chmack die&#x017F;es verdien&#x017F;tvollen Mannes.</note> der<lb/>
gleichfalls mit dem Namen <hi rendition="#fr">Sielbeck</hi> bezeichnet wird, in vorzu&#x0364;glicher Scho&#x0364;nheit.<lb/>
Die ganze Land&#x017F;chaft umher hat einen &#x017F;ich auszeichnenden Charakter der Anmuthig-<lb/>
keit. Sie be&#x017F;teht aus einer reichen und mannichfaltigen Zu&#x017F;ammen&#x017F;etzung von Ber-<lb/>
gen, die auf dem Gipfel und an den Seiten herab mit &#x017F;cho&#x0364;nen Waldungen beklei-<lb/>
det &#x017F;ind, von Hu&#x0364;geln, deren Abha&#x0364;nge mit den lieblich&#x017F;ten Hainen und Gruppen von<lb/>
Buchen gla&#x0364;nzen, von grasreichen Tha&#x0364;lern, Saatfeldern, Viehweiden und gutbe-<lb/>
wohnten Do&#x0364;rfern. Die waldigten Scenen, und die u&#x0364;berall auf den Anho&#x0364;hen umher an-<lb/>
muthig hinge&#x017F;treuten Gebu&#x0364;&#x017F;che &#x017F;ind voll von melodi&#x017F;chen Vo&#x0364;geln, und voll von Wild, das<lb/>
eine reiche Jagd anbietet. Zwi&#x017F;chen die&#x017F;en Gegen&#x017F;ta&#x0364;nden und Aus&#x017F;ichten ero&#x0364;ffnen &#x017F;ich<lb/>
einige u&#x0364;beraus &#x017F;cho&#x0364;ne Land&#x017F;een, deren Ufer hin und wieder mit gru&#x0364;nen Ho&#x0364;hen bekra&#x0364;nzt<lb/>
und mit Waldungen be&#x017F;chattet &#x017F;ind. Die reine Klarheit die&#x017F;er an&#x017F;ehnlichen Gewa&#x0364;&#x017F;&#x017F;er<lb/>
&#x017F;pielt zwi&#x017F;chen der Dunkelheit entfernter Wa&#x0364;lder dem Auge mit einem bezaubernden<lb/>
Reiz entgegen; in der Na&#x0364;he &#x017F;ieht man die Wellen in ihrer Ruhe &#x017F;ich &#x017F;anft dahin<lb/>
&#x017F;chmiegen: die Tiefe der Lage und die Berge umher be&#x017F;chu&#x0364;tzen &#x017F;ie vor der Empo&#x0364;rung<lb/>
des Sturms; man &#x017F;ieht den Fi&#x017F;cher &#x017F;ein ge&#x017F;egnetes Netz fro&#x0364;hlich heraufziehen, und<lb/>
hinter den Gebu&#x0364;&#x017F;chen, welche die Ausflu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e der Seen um&#x017F;chatten, den Freund der<lb/>
Jagd auf wilde Enten lau&#x017F;chen.</p><lb/>
        <p>Der <hi rendition="#fr">Keller&#x017F;ee,</hi> der ungefa&#x0364;hr einen Umkreis von einer Meile hat, bildet in der<lb/>
Land&#x017F;chaft von <hi rendition="#fr">Sielbeck</hi> einen herrlichen Mittelpunkt. Um die Aus&#x017F;icht auf die&#x017F;en<lb/>
See und &#x017F;eine angra&#x0364;nzende Gegenden zu genießen, i&#x017F;t nach der o&#x0364;&#x017F;tlichen Seite auf<lb/>
einem Berge ein Pavillon errichtet.</p><lb/>
        <p>Er &#x017F;teht auf einem runden ebenen Platz, der vorne ganz frey i&#x017F;t, und blos<lb/>
in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten durch ein kleines, niedriges, weiß-<lb/>
ange&#x017F;trichenes Gitterwerk von Holz, das aber an &#x017F;einen beyden Enden mit dem Ge-<lb/>
ba&#x0364;ude nicht verbunden i&#x017F;t, von dem angra&#x0364;nzenden Felde abge&#x017F;ondert wird. Von<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">der</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[151/0155] Beſchreibungen von Gaͤrten. II. Beſchreibung von Sielbeck. Ueber dem Dorfe Sielbeck, eine halbe Meile von der fuͤrſtbiſchoͤflichen Reſi- denzſtadt Eutin im Herzogthum Holſtein, erhebt ſich ein Luſtort, *) der gleichfalls mit dem Namen Sielbeck bezeichnet wird, in vorzuͤglicher Schoͤnheit. Die ganze Landſchaft umher hat einen ſich auszeichnenden Charakter der Anmuthig- keit. Sie beſteht aus einer reichen und mannichfaltigen Zuſammenſetzung von Ber- gen, die auf dem Gipfel und an den Seiten herab mit ſchoͤnen Waldungen beklei- det ſind, von Huͤgeln, deren Abhaͤnge mit den lieblichſten Hainen und Gruppen von Buchen glaͤnzen, von grasreichen Thaͤlern, Saatfeldern, Viehweiden und gutbe- wohnten Doͤrfern. Die waldigten Scenen, und die uͤberall auf den Anhoͤhen umher an- muthig hingeſtreuten Gebuͤſche ſind voll von melodiſchen Voͤgeln, und voll von Wild, das eine reiche Jagd anbietet. Zwiſchen dieſen Gegenſtaͤnden und Ausſichten eroͤffnen ſich einige uͤberaus ſchoͤne Landſeen, deren Ufer hin und wieder mit gruͤnen Hoͤhen bekraͤnzt und mit Waldungen beſchattet ſind. Die reine Klarheit dieſer anſehnlichen Gewaͤſſer ſpielt zwiſchen der Dunkelheit entfernter Waͤlder dem Auge mit einem bezaubernden Reiz entgegen; in der Naͤhe ſieht man die Wellen in ihrer Ruhe ſich ſanft dahin ſchmiegen: die Tiefe der Lage und die Berge umher beſchuͤtzen ſie vor der Empoͤrung des Sturms; man ſieht den Fiſcher ſein geſegnetes Netz froͤhlich heraufziehen, und hinter den Gebuͤſchen, welche die Ausfluͤſſe der Seen umſchatten, den Freund der Jagd auf wilde Enten lauſchen. Der Kellerſee, der ungefaͤhr einen Umkreis von einer Meile hat, bildet in der Landſchaft von Sielbeck einen herrlichen Mittelpunkt. Um die Ausſicht auf dieſen See und ſeine angraͤnzende Gegenden zu genießen, iſt nach der oͤſtlichen Seite auf einem Berge ein Pavillon errichtet. Er ſteht auf einem runden ebenen Platz, der vorne ganz frey iſt, und blos in einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten durch ein kleines, niedriges, weiß- angeſtrichenes Gitterwerk von Holz, das aber an ſeinen beyden Enden mit dem Ge- baͤude nicht verbunden iſt, von dem angraͤnzenden Felde abgeſondert wird. Von der *) Er ward 1776 von dem Herrn Legationsrath Willgaard angelegt, und iſt ein Denkmal von der Einſicht und dem Geſchmack dieſes verdienſtvollen Mannes.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst2_1780
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst2_1780/155
Zitationshilfe: Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst2_1780/155>, abgerufen am 01.03.2024.