Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. Bd. 6. Leipzig, 1709.

Bild:
<< vorherige Seite
Verliebte und


An die Schlesische Melpomene.
B. N.
DU forderst, schönste! mich zu reim und versen aus.
Was aber soll ich schreiben?
Wenn man an musen schreibt, und mit göttinnen spricht,
So schickt sich, wie du weist, kein falscher firniß nicht;
Wer aber hertzlich spricht, den muß die liebe treiben.
Du weist, Melpomene! daß ich dir folgen muß,
Drum mache selbst den schluß,
Ob meine feder soll falsch oder redlich sprechen;
Glaub aber dieses nur, wofern ich falsch muß seyn,
So thu ich es bey dir wahrhafftig auf den schein,
Jm hertzen werd ich doch nicht das gesetze brechen.


Auf Clelien.
C. H.
DEr schönen Clelie stehn alle sünden frey:
Das stehlen, denn sie hat mein hertze mir genommen;
Das lügen, denn sie spricht: daß dem nicht also sey;
Das morden, ich bin fast durch sie ums leben kommen;
Die hoffart, denn sie sieht mich offtermahls kaum an;
Die unbarmhertzigkeit, sie achtet nichts mein klagen;
Ja was vor sünden man nur immer nennen kan,
Die kan ich insgesamt von dieser schönen sagen.


Verliebte rede der geilen Phryne
an den Xenocrates:

aus des Loredano Scherzi Geniali übersetzt.
UNd du, Xenocrates! wilst nicht verliebet seyn?
Du bist als wie ein mensch, du bist als wie ein stein.
Das erste bist du nicht; wer fleisch und beine führt,
Der wird auch durch ein wort, das Phryne redt, gerührt.
Du
Verliebte und


An die Schleſiſche Melpomene.
B. N.
DU forderſt, ſchoͤnſte! mich zu reim und verſen aus.
Was aber ſoll ich ſchreiben?
Wenn man an muſen ſchreibt, und mit goͤttinnen ſpricht,
So ſchickt ſich, wie du weiſt, kein falſcher firniß nicht;
Wer aber hertzlich ſpricht, den muß die liebe treiben.
Du weiſt, Melpomene! daß ich dir folgen muß,
Drum mache ſelbſt den ſchluß,
Ob meine feder ſoll falſch oder redlich ſprechen;
Glaub aber dieſes nur, wofern ich falſch muß ſeyn,
So thu ich es bey dir wahrhafftig auf den ſchein,
Jm hertzen werd ich doch nicht das geſetze brechen.


Auf Clelien.
C. H.
DEr ſchoͤnen Clelie ſtehn alle ſuͤnden frey:
Das ſtehlen, denn ſie hat mein hertze mir genommen;
Das luͤgen, denn ſie ſpricht: daß dem nicht alſo ſey;
Das morden, ich bin faſt durch ſie ums leben kommen;
Die hoffart, denn ſie ſieht mich offtermahls kaum an;
Die unbarmhertzigkeit, ſie achtet nichts mein klagen;
Ja was vor ſuͤnden man nur immer nennen kan,
Die kan ich insgeſamt von dieſer ſchoͤnen ſagen.


Verliebte rede der geilen Phryne
an den Xenocrates:

aus des Loredano Scherzi Geniali uͤberſetzt.
UNd du, Xenocrates! wilſt nicht verliebet ſeyn?
Du biſt als wie ein menſch, du biſt als wie ein ſtein.
Das erſte biſt du nicht; wer fleiſch und beine fuͤhrt,
Der wird auch durch ein wort, das Phryne redt, geruͤhrt.
Du
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0040" n="16"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Verliebte und</hi> </fw><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <head> <hi rendition="#b">An die Schle&#x017F;i&#x017F;che Melpomene.</hi><lb/> <hi rendition="#fr">B. N.</hi> </head><lb/>
            <l><hi rendition="#in">D</hi>U forder&#x017F;t, &#x017F;cho&#x0364;n&#x017F;te! mich zu reim und ver&#x017F;en aus.</l><lb/>
            <l>Was aber &#x017F;oll ich &#x017F;chreiben?</l><lb/>
            <l>Wenn man an mu&#x017F;en &#x017F;chreibt, und mit go&#x0364;ttinnen &#x017F;pricht,</l><lb/>
            <l>So &#x017F;chickt &#x017F;ich, wie du wei&#x017F;t, kein fal&#x017F;cher firniß nicht;</l><lb/>
            <l>Wer aber hertzlich &#x017F;pricht, den muß die liebe treiben.</l><lb/>
            <l>Du wei&#x017F;t, Melpomene! daß ich dir folgen muß,</l><lb/>
            <l>Drum mache &#x017F;elb&#x017F;t den &#x017F;chluß,</l><lb/>
            <l>Ob meine feder &#x017F;oll fal&#x017F;ch oder redlich &#x017F;prechen;</l><lb/>
            <l>Glaub aber die&#x017F;es nur, wofern ich fal&#x017F;ch muß &#x017F;eyn,</l><lb/>
            <l>So thu ich es bey dir wahrhafftig auf den &#x017F;chein,</l><lb/>
            <l>Jm hertzen werd ich doch nicht das ge&#x017F;etze brechen.</l>
          </lg><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <lg type="poem">
            <head> <hi rendition="#b">Auf Clelien.</hi><lb/> <hi rendition="#fr">C. H.</hi> </head><lb/>
            <l><hi rendition="#in">D</hi>Er &#x017F;cho&#x0364;nen Clelie &#x017F;tehn alle &#x017F;u&#x0364;nden frey:</l><lb/>
            <l>Das &#x017F;tehlen, denn &#x017F;ie hat mein hertze mir genommen;</l><lb/>
            <l>Das lu&#x0364;gen, denn &#x017F;ie &#x017F;pricht: daß dem nicht al&#x017F;o &#x017F;ey;</l><lb/>
            <l>Das morden, ich bin fa&#x017F;t durch &#x017F;ie ums leben kommen;</l><lb/>
            <l>Die hoffart, denn &#x017F;ie &#x017F;ieht mich offtermahls kaum an;</l><lb/>
            <l>Die unbarmhertzigkeit, &#x017F;ie achtet nichts mein klagen;</l><lb/>
            <l>Ja was vor &#x017F;u&#x0364;nden man nur immer nennen kan,</l><lb/>
            <l>Die kan ich insge&#x017F;amt von die&#x017F;er &#x017F;cho&#x0364;nen &#x017F;agen.</l>
          </lg><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <lg type="poem">
            <head> <hi rendition="#b">Verliebte rede der geilen Phryne<lb/>
an den Xenocrates:</hi><lb/> <hi rendition="#fr">aus des</hi> <hi rendition="#aq">Loredano Scherzi Geniali</hi> <hi rendition="#fr">u&#x0364;ber&#x017F;etzt.</hi> </head><lb/>
            <l><hi rendition="#in">U</hi>Nd du, Xenocrates! wil&#x017F;t nicht verliebet &#x017F;eyn?</l><lb/>
            <l>Du bi&#x017F;t als wie ein men&#x017F;ch, du bi&#x017F;t als wie ein &#x017F;tein.</l><lb/>
            <l>Das er&#x017F;te bi&#x017F;t du nicht; wer flei&#x017F;ch und beine fu&#x0364;hrt,</l><lb/>
            <l>Der wird auch durch ein wort, das Phryne redt, geru&#x0364;hrt.</l><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">Du</fw><lb/>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[16/0040] Verliebte und An die Schleſiſche Melpomene. B. N. DU forderſt, ſchoͤnſte! mich zu reim und verſen aus. Was aber ſoll ich ſchreiben? Wenn man an muſen ſchreibt, und mit goͤttinnen ſpricht, So ſchickt ſich, wie du weiſt, kein falſcher firniß nicht; Wer aber hertzlich ſpricht, den muß die liebe treiben. Du weiſt, Melpomene! daß ich dir folgen muß, Drum mache ſelbſt den ſchluß, Ob meine feder ſoll falſch oder redlich ſprechen; Glaub aber dieſes nur, wofern ich falſch muß ſeyn, So thu ich es bey dir wahrhafftig auf den ſchein, Jm hertzen werd ich doch nicht das geſetze brechen. Auf Clelien. C. H. DEr ſchoͤnen Clelie ſtehn alle ſuͤnden frey: Das ſtehlen, denn ſie hat mein hertze mir genommen; Das luͤgen, denn ſie ſpricht: daß dem nicht alſo ſey; Das morden, ich bin faſt durch ſie ums leben kommen; Die hoffart, denn ſie ſieht mich offtermahls kaum an; Die unbarmhertzigkeit, ſie achtet nichts mein klagen; Ja was vor ſuͤnden man nur immer nennen kan, Die kan ich insgeſamt von dieſer ſchoͤnen ſagen. Verliebte rede der geilen Phryne an den Xenocrates: aus des Loredano Scherzi Geniali uͤberſetzt. UNd du, Xenocrates! wilſt nicht verliebet ſeyn? Du biſt als wie ein menſch, du biſt als wie ein ſtein. Das erſte biſt du nicht; wer fleiſch und beine fuͤhrt, Der wird auch durch ein wort, das Phryne redt, geruͤhrt. Du

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709/40
Zitationshilfe: Hofmannswaldau, Christian Hofmann von: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. Bd. 6. Leipzig, 1709, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hoffmannswaldau_gedichte06_1709/40>, abgerufen am 06.05.2021.