Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hug, Gallus Joseph: Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte. Vorträge über christliche Ehe und Erziehung. Freiburg (Schweiz), 1896.

Bild:
<< vorherige Seite

chen, welche die Ehrfurcht vor der Jungfräulichkeit längst
verloren haben; er verachtet am Ende Alles, die Gebote
Gottes und der Kirche, geistliche und weltliche Obrigkeit
und all ihre Anordnungen, Vater und Mutter, Bruder
und Schwester, Gattin und Kinder - und jeden Menschen,
der in Christo noch gottselig leben will. Was wird erst
geschehen, wenn ein Mädchen ohne Ehrfurcht aufwächst?
Die Verwüstung ist so tief, so grauenvoll, die Scham-
losigkeit oft so frech, daß ich kein Wort darüber verlieren
darf. Denn euch Allen bin ich auch Ehrfurcht schuldig;
und beim Anblicke solcher Greuel wird die Zunge wie
gelähmt, nur das Auge kann noch weinen, wenn der
Schmerz nicht etwas zu groß geworden.

Dafür vergleichet lieber den Schüler der Ehrfurcht
mit dem Schüler der Verachtung. Jener schaut ehrfurchts-
voll aufwärts zum Himmel, dieser auf die Erde und auf-
wärts nur, um zu spotten; jener wird in seiner Ehrfurcht
für alles Heilige und Göttliche warm begeistert und strebt
immer höher und höher, um jene göttliche Majestät end-
lich zu erlangen und ihr Bild vollkommener in seine
Seele zu drücken. Das ist Excelsior! Immer höher und
höher, immer erhabener und erhaben. Dieser aber ent-
fernt sich in seiner Verachtung von Allem, was Größe
und Heiligkeit und Gerechtigkeit heißt, und nähert sich
immer mehr und mehr dem Abgrunde der sittlichen Ver-
sunkenheit; er wollte Alles erniedrigen, hat nur sich selbst
erniedrigt; er hat Alles verspottet und verachtet, aber die
Tugend und Heiligkeit und Gerechtigkeit und die großen
Männer und Frauen sind noch unversehrt in ihrer Schöne
und Majestät; er aber ist ein Gegenstand der Verachtung
geworden. Da hilft keine Feinheit der Mode, des Welt-
toues, des sogenannten Anstandes; über all diesen glänzenden
Firniß lagert sich dennoch die Nacht der Gemeinheit ähn-
lich wie bei aller Kunst der Moden und der Schmücke

chen, welche die Ehrfurcht vor der Jungfräulichkeit längst
verloren haben; er verachtet am Ende Alles, die Gebote
Gottes und der Kirche, geistliche und weltliche Obrigkeit
und all ihre Anordnungen, Vater und Mutter, Bruder
und Schwester, Gattin und Kinder – und jeden Menschen,
der in Christo noch gottselig leben will. Was wird erst
geschehen, wenn ein Mädchen ohne Ehrfurcht aufwächst?
Die Verwüstung ist so tief, so grauenvoll, die Scham-
losigkeit oft so frech, daß ich kein Wort darüber verlieren
darf. Denn euch Allen bin ich auch Ehrfurcht schuldig;
und beim Anblicke solcher Greuel wird die Zunge wie
gelähmt, nur das Auge kann noch weinen, wenn der
Schmerz nicht etwas zu groß geworden.

Dafür vergleichet lieber den Schüler der Ehrfurcht
mit dem Schüler der Verachtung. Jener schaut ehrfurchts-
voll aufwärts zum Himmel, dieser auf die Erde und auf-
wärts nur, um zu spotten; jener wird in seiner Ehrfurcht
für alles Heilige und Göttliche warm begeistert und strebt
immer höher und höher, um jene göttliche Majestät end-
lich zu erlangen und ihr Bild vollkommener in seine
Seele zu drücken. Das ist Excelsior! Immer höher und
höher, immer erhabener und erhaben. Dieser aber ent-
fernt sich in seiner Verachtung von Allem, was Größe
und Heiligkeit und Gerechtigkeit heißt, und nähert sich
immer mehr und mehr dem Abgrunde der sittlichen Ver-
sunkenheit; er wollte Alles erniedrigen, hat nur sich selbst
erniedrigt; er hat Alles verspottet und verachtet, aber die
Tugend und Heiligkeit und Gerechtigkeit und die großen
Männer und Frauen sind noch unversehrt in ihrer Schöne
und Majestät; er aber ist ein Gegenstand der Verachtung
geworden. Da hilft keine Feinheit der Mode, des Welt-
toues, des sogenannten Anstandes; über all diesen glänzenden
Firniß lagert sich dennoch die Nacht der Gemeinheit ähn-
lich wie bei aller Kunst der Moden und der Schmücke

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="25">
        <p><pb facs="#f0255" xml:id="H891_001_1896_pb0243_0001" n="243"/>
chen, welche die Ehrfurcht vor der Jungfräulichkeit längst<lb/>
verloren haben; er verachtet am Ende Alles, die Gebote<lb/>
Gottes und der Kirche, geistliche und weltliche Obrigkeit<lb/>
und all ihre Anordnungen, Vater und Mutter, Bruder<lb/>
und Schwester, Gattin und Kinder &#x2013; und jeden Menschen,<lb/>
der in Christo noch gottselig leben will. Was wird erst<lb/>
geschehen, wenn ein Mädchen ohne Ehrfurcht aufwächst?<lb/>
Die Verwüstung ist so tief, so grauenvoll, die Scham-<lb/>
losigkeit oft so frech, daß ich kein Wort darüber verlieren<lb/>
darf. Denn euch Allen bin ich auch Ehrfurcht schuldig;<lb/>
und beim Anblicke solcher Greuel wird die Zunge wie<lb/>
gelähmt, nur das Auge kann noch weinen, wenn der<lb/>
Schmerz nicht etwas zu groß geworden.</p>
        <p>Dafür vergleichet lieber den Schüler der Ehrfurcht<lb/>
mit dem Schüler der Verachtung. Jener schaut ehrfurchts-<lb/>
voll aufwärts zum Himmel, dieser auf die Erde und auf-<lb/>
wärts nur, um zu spotten; jener wird in seiner Ehrfurcht<lb/>
für alles Heilige und Göttliche warm begeistert und strebt<lb/>
immer höher und höher, um jene göttliche Majestät end-<lb/>
lich zu erlangen und ihr Bild vollkommener in seine<lb/>
Seele zu drücken. Das ist Excelsior! Immer höher und<lb/>
höher, immer erhabener und erhaben. Dieser aber ent-<lb/>
fernt sich in seiner Verachtung von Allem, was Größe<lb/>
und Heiligkeit und Gerechtigkeit heißt, und nähert sich<lb/>
immer mehr und mehr dem Abgrunde der sittlichen Ver-<lb/>
sunkenheit; er wollte Alles erniedrigen, hat nur sich selbst<lb/>
erniedrigt; er hat Alles verspottet und verachtet, aber die<lb/>
Tugend und Heiligkeit und Gerechtigkeit und die großen<lb/>
Männer und Frauen sind noch unversehrt in ihrer Schöne<lb/>
und Majestät; er aber ist ein Gegenstand der Verachtung<lb/>
geworden. Da hilft keine Feinheit der Mode, des Welt-<lb/>
toues, des sogenannten Anstandes; über all diesen glänzenden<lb/>
Firniß lagert sich dennoch die Nacht der Gemeinheit ähn-<lb/>
lich wie bei aller Kunst der Moden und der Schmücke<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[243/0255] chen, welche die Ehrfurcht vor der Jungfräulichkeit längst verloren haben; er verachtet am Ende Alles, die Gebote Gottes und der Kirche, geistliche und weltliche Obrigkeit und all ihre Anordnungen, Vater und Mutter, Bruder und Schwester, Gattin und Kinder – und jeden Menschen, der in Christo noch gottselig leben will. Was wird erst geschehen, wenn ein Mädchen ohne Ehrfurcht aufwächst? Die Verwüstung ist so tief, so grauenvoll, die Scham- losigkeit oft so frech, daß ich kein Wort darüber verlieren darf. Denn euch Allen bin ich auch Ehrfurcht schuldig; und beim Anblicke solcher Greuel wird die Zunge wie gelähmt, nur das Auge kann noch weinen, wenn der Schmerz nicht etwas zu groß geworden. Dafür vergleichet lieber den Schüler der Ehrfurcht mit dem Schüler der Verachtung. Jener schaut ehrfurchts- voll aufwärts zum Himmel, dieser auf die Erde und auf- wärts nur, um zu spotten; jener wird in seiner Ehrfurcht für alles Heilige und Göttliche warm begeistert und strebt immer höher und höher, um jene göttliche Majestät end- lich zu erlangen und ihr Bild vollkommener in seine Seele zu drücken. Das ist Excelsior! Immer höher und höher, immer erhabener und erhaben. Dieser aber ent- fernt sich in seiner Verachtung von Allem, was Größe und Heiligkeit und Gerechtigkeit heißt, und nähert sich immer mehr und mehr dem Abgrunde der sittlichen Ver- sunkenheit; er wollte Alles erniedrigen, hat nur sich selbst erniedrigt; er hat Alles verspottet und verachtet, aber die Tugend und Heiligkeit und Gerechtigkeit und die großen Männer und Frauen sind noch unversehrt in ihrer Schöne und Majestät; er aber ist ein Gegenstand der Verachtung geworden. Da hilft keine Feinheit der Mode, des Welt- toues, des sogenannten Anstandes; über all diesen glänzenden Firniß lagert sich dennoch die Nacht der Gemeinheit ähn- lich wie bei aller Kunst der Moden und der Schmücke

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hug_familie_1896
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hug_familie_1896/255
Zitationshilfe: Hug, Gallus Joseph: Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte. Vorträge über christliche Ehe und Erziehung. Freiburg (Schweiz), 1896, S. 243. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hug_familie_1896/255>, abgerufen am 01.07.2022.