Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hug, Gallus Joseph: Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte. Vorträge über christliche Ehe und Erziehung. Freiburg (Schweiz), 1896.

Bild:
<< vorherige Seite

sam verrichtet werden kann. Es hat aber auch eine außer-
ordentlich tiefe Bedeutung.

Es ist nämlich der lebendig gewordene Glaube, daß
Speis und Trank eine Gabe Gottes ist. Betrachtet in dieser
Beziehung den Ps. 146, V. 7 sq. "Singet dem Herrn mit
Danksagung und lobsinget unserm Gott mit der Harfe!"

Wozu diese Aufforderung? Etwa weil Gott der unermeß-
liche Ocean aller Vollkommenheit und aller Schöne ist? Oder
weil er diese Erde gebildet und die Himmelsräume mit
Gestirnen ausgeschmückt? Eine ganz andere Antwort gibt
der Psalmist. "Er decket den Himmel mit Wolken und
bereitet Regen der Erde. Er läßt wachsen Gras auf den
Bergen und Kräuter zum Dienste der Menschen; er gibt
dem Vieh seine Speise und den jungen Raben, die zu
ihm rufen."
Daher die Frage des Dulders Job: "Wer
bereitet dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu
Gott schreien und unstät sind, weil sie nicht zu essen
haben."
(Job XXXVIII.) Daher sagt der Psalmist so
schön: "Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst
ihnen Speise zur rechten Zeit; du thuest auf deine Hand
und sättigest alles Lebendige mit Segen.
(Ps. 144, V. 15.)

Zu wem also ruft der junge Rabe in seinem Hunger?
Zu Gott dem Herrn. Das thut er allerdings unbewußt,
wie alle Vögel des Himmels, wie alle Thiere des Fest-
landes, wie alle Fische in den Gewässern; naturnothwendig,
unbewußt warten die Augen der gesammten Thierwelt auf
den Herrn, um zur rechten Zeit Speise zu erhalten: und
dann soll die Krone der Schöpfung, der König und Herr
der Thierwelt, der Mensch, dessen Gestalt zum Aufblick
nach dem Himmel geschaffen, dessen Geist die Urquelle
aller Güte und alles Segens erkennt, - dann soll der
Mensch allein nicht himmelwärts blicken, soll allein nicht
zum Herrn um Nahrung rufen - soll allein ihm nicht
mit Danksagung lobsingen? - Urtheilet selbst!

sam verrichtet werden kann. Es hat aber auch eine außer-
ordentlich tiefe Bedeutung.

Es ist nämlich der lebendig gewordene Glaube, daß
Speis und Trank eine Gabe Gottes ist. Betrachtet in dieser
Beziehung den Ps. 146, V. 7 sq. „Singet dem Herrn mit
Danksagung und lobsinget unserm Gott mit der Harfe!“

Wozu diese Aufforderung? Etwa weil Gott der unermeß-
liche Ocean aller Vollkommenheit und aller Schöne ist? Oder
weil er diese Erde gebildet und die Himmelsräume mit
Gestirnen ausgeschmückt? Eine ganz andere Antwort gibt
der Psalmist. „Er decket den Himmel mit Wolken und
bereitet Regen der Erde. Er läßt wachsen Gras auf den
Bergen und Kräuter zum Dienste der Menschen; er gibt
dem Vieh seine Speise und den jungen Raben, die zu
ihm rufen.“
Daher die Frage des Dulders Job: „Wer
bereitet dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu
Gott schreien und unstät sind, weil sie nicht zu essen
haben.“
(Job XXXVIII.) Daher sagt der Psalmist so
schön: „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst
ihnen Speise zur rechten Zeit; du thuest auf deine Hand
und sättigest alles Lebendige mit Segen.
(Ps. 144, V. 15.)

Zu wem also ruft der junge Rabe in seinem Hunger?
Zu Gott dem Herrn. Das thut er allerdings unbewußt,
wie alle Vögel des Himmels, wie alle Thiere des Fest-
landes, wie alle Fische in den Gewässern; naturnothwendig,
unbewußt warten die Augen der gesammten Thierwelt auf
den Herrn, um zur rechten Zeit Speise zu erhalten: und
dann soll die Krone der Schöpfung, der König und Herr
der Thierwelt, der Mensch, dessen Gestalt zum Aufblick
nach dem Himmel geschaffen, dessen Geist die Urquelle
aller Güte und alles Segens erkennt, – dann soll der
Mensch allein nicht himmelwärts blicken, soll allein nicht
zum Herrn um Nahrung rufen – soll allein ihm nicht
mit Danksagung lobsingen? – Urtheilet selbst!

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="29">
        <p><pb facs="#f0289" xml:id="H891_001_1896_pb0277_0001" n="277"/>
sam verrichtet werden kann. Es hat aber auch eine außer-<lb/>
ordentlich tiefe Bedeutung.</p>
        <p>Es ist nämlich der lebendig gewordene Glaube, daß<lb/>
Speis und Trank eine Gabe Gottes ist. Betrachtet in dieser<lb/>
Beziehung den Ps. 146, V. 7 sq. <q>&#x201E;Singet dem Herrn mit<lb/>
Danksagung und lobsinget unserm Gott mit der Harfe!&#x201C;</q><lb/>
Wozu diese Aufforderung? Etwa weil Gott der unermeß-<lb/>
liche Ocean aller Vollkommenheit und aller Schöne ist? Oder<lb/>
weil er diese Erde gebildet und die Himmelsräume mit<lb/>
Gestirnen ausgeschmückt? Eine ganz andere Antwort gibt<lb/>
der Psalmist. <q>&#x201E;Er decket den Himmel mit Wolken und<lb/>
bereitet Regen der Erde. Er läßt wachsen Gras auf den<lb/>
Bergen und Kräuter zum Dienste der Menschen; er gibt<lb/>
dem Vieh seine Speise und den jungen Raben, die zu<lb/>
ihm rufen.&#x201C;</q> Daher die Frage des Dulders Job: <q>&#x201E;Wer<lb/>
bereitet dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu<lb/>
Gott schreien und unstät sind, weil sie nicht zu essen<lb/>
haben.&#x201C;</q> (Job XXXVIII.) Daher sagt der Psalmist so<lb/>
schön: <q>&#x201E;Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst<lb/>
ihnen Speise zur rechten Zeit; du thuest auf deine Hand<lb/>
und sättigest alles Lebendige mit Segen.</q> (Ps. 144, V. 15.)</p>
        <p>Zu wem also ruft der junge Rabe in seinem Hunger?<lb/>
Zu Gott dem Herrn. Das thut er allerdings unbewußt,<lb/>
wie alle Vögel des Himmels, wie alle Thiere des Fest-<lb/>
landes, wie alle Fische in den Gewässern; naturnothwendig,<lb/>
unbewußt warten die Augen der gesammten Thierwelt auf<lb/>
den Herrn, um zur rechten Zeit Speise zu erhalten: und<lb/>
dann soll die Krone der Schöpfung, der König und Herr<lb/>
der Thierwelt, der Mensch, dessen Gestalt zum Aufblick<lb/>
nach dem Himmel geschaffen, dessen Geist die Urquelle<lb/>
aller Güte und alles Segens erkennt, &#x2013; dann soll der<lb/>
Mensch allein nicht himmelwärts blicken, soll allein nicht<lb/>
zum Herrn um Nahrung rufen &#x2013; soll allein ihm nicht<lb/>
mit Danksagung lobsingen? &#x2013; Urtheilet selbst!</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[277/0289] sam verrichtet werden kann. Es hat aber auch eine außer- ordentlich tiefe Bedeutung. Es ist nämlich der lebendig gewordene Glaube, daß Speis und Trank eine Gabe Gottes ist. Betrachtet in dieser Beziehung den Ps. 146, V. 7 sq. „Singet dem Herrn mit Danksagung und lobsinget unserm Gott mit der Harfe!“ Wozu diese Aufforderung? Etwa weil Gott der unermeß- liche Ocean aller Vollkommenheit und aller Schöne ist? Oder weil er diese Erde gebildet und die Himmelsräume mit Gestirnen ausgeschmückt? Eine ganz andere Antwort gibt der Psalmist. „Er decket den Himmel mit Wolken und bereitet Regen der Erde. Er läßt wachsen Gras auf den Bergen und Kräuter zum Dienste der Menschen; er gibt dem Vieh seine Speise und den jungen Raben, die zu ihm rufen.“ Daher die Frage des Dulders Job: „Wer bereitet dem Raben seine Speise, wenn seine Jungen zu Gott schreien und unstät sind, weil sie nicht zu essen haben.“ (Job XXXVIII.) Daher sagt der Psalmist so schön: „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit; du thuest auf deine Hand und sättigest alles Lebendige mit Segen. (Ps. 144, V. 15.) Zu wem also ruft der junge Rabe in seinem Hunger? Zu Gott dem Herrn. Das thut er allerdings unbewußt, wie alle Vögel des Himmels, wie alle Thiere des Fest- landes, wie alle Fische in den Gewässern; naturnothwendig, unbewußt warten die Augen der gesammten Thierwelt auf den Herrn, um zur rechten Zeit Speise zu erhalten: und dann soll die Krone der Schöpfung, der König und Herr der Thierwelt, der Mensch, dessen Gestalt zum Aufblick nach dem Himmel geschaffen, dessen Geist die Urquelle aller Güte und alles Segens erkennt, – dann soll der Mensch allein nicht himmelwärts blicken, soll allein nicht zum Herrn um Nahrung rufen – soll allein ihm nicht mit Danksagung lobsingen? – Urtheilet selbst!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hug_familie_1896
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hug_familie_1896/289
Zitationshilfe: Hug, Gallus Joseph: Die christliche Familie im Kampfe gegen feindliche Mächte. Vorträge über christliche Ehe und Erziehung. Freiburg (Schweiz), 1896, S. 277. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hug_familie_1896/289>, abgerufen am 01.07.2022.