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Ichenhaeuser, Eliza: Frauenziele. Berlin, 1913.

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weil die letzteren mehr von Berufsarbeit absorbiert
sind. Den Beweis für ihre glänzenden Fähigkeiten
auf diesem Gebiete haben die Frauen durch ihre
Arbeit in den letzten zwei Jahrzehnten unwider-
leglich erbracht. Nicht allein durch ihre praktische
Arbeit und ausgezeichnete Organisation, sondern
vor allen Dingen durch reformatorische Arbeit in
der Auffassung und Ausführung der sozialen Für-
sorge. Während man früher den guten Willen als
genügende Ausstattung zu fürsorglicher Tätigkeit,
sei es in der Armen- und Waisenpflege oder irgend
einer anderen Wohlfahrtstätigkeit für ausreichend
hielt, erkannten die in der Frauenbewegung
stehenden Frauen, daß diese bescheidene Auffassung
von den Pflichten, die mit einer solchen Tätigkeit
verbunden sind, einen großen, die der Fürsorge be-
nötigten Klassen schwer schädigenden Jrrtum ent-
hielt. Sie erkannten, daß die soziale Arbeit Ein-
sicht in das soziale Problem unserer Zeit verlangt,
und daß für die soziale Hilfsarbeit systematische
Kenntnisse, die die praktische Tätigkeit leiten
müssen, unerläßlich sind. Es gelang ihnen, für
diese notwendige Ausbildung so gute Einrich-
tungen ins Leben zu rufen, daß die Männer, die
sich bis dahin ohne sie beholfen hatten, zum ersten
Male ebenfalls Ausbildungsgelegenheiten für
Spezialgebiete der Fürsorge für Frauen und

weil die letzteren mehr von Berufsarbeit absorbiert
sind. Den Beweis für ihre glänzenden Fähigkeiten
auf diesem Gebiete haben die Frauen durch ihre
Arbeit in den letzten zwei Jahrzehnten unwider-
leglich erbracht. Nicht allein durch ihre praktische
Arbeit und ausgezeichnete Organisation, sondern
vor allen Dingen durch reformatorische Arbeit in
der Auffassung und Ausführung der sozialen Für-
sorge. Während man früher den guten Willen als
genügende Ausstattung zu fürsorglicher Tätigkeit,
sei es in der Armen- und Waisenpflege oder irgend
einer anderen Wohlfahrtstätigkeit für ausreichend
hielt, erkannten die in der Frauenbewegung
stehenden Frauen, daß diese bescheidene Auffassung
von den Pflichten, die mit einer solchen Tätigkeit
verbunden sind, einen großen, die der Fürsorge be-
nötigten Klassen schwer schädigenden Jrrtum ent-
hielt. Sie erkannten, daß die soziale Arbeit Ein-
sicht in das soziale Problem unserer Zeit verlangt,
und daß für die soziale Hilfsarbeit systematische
Kenntnisse, die die praktische Tätigkeit leiten
müssen, unerläßlich sind. Es gelang ihnen, für
diese notwendige Ausbildung so gute Einrich-
tungen ins Leben zu rufen, daß die Männer, die
sich bis dahin ohne sie beholfen hatten, zum ersten
Male ebenfalls Ausbildungsgelegenheiten für
Spezialgebiete der Fürsorge für Frauen und

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[244/0248] weil die letzteren mehr von Berufsarbeit absorbiert sind. Den Beweis für ihre glänzenden Fähigkeiten auf diesem Gebiete haben die Frauen durch ihre Arbeit in den letzten zwei Jahrzehnten unwider- leglich erbracht. Nicht allein durch ihre praktische Arbeit und ausgezeichnete Organisation, sondern vor allen Dingen durch reformatorische Arbeit in der Auffassung und Ausführung der sozialen Für- sorge. Während man früher den guten Willen als genügende Ausstattung zu fürsorglicher Tätigkeit, sei es in der Armen- und Waisenpflege oder irgend einer anderen Wohlfahrtstätigkeit für ausreichend hielt, erkannten die in der Frauenbewegung stehenden Frauen, daß diese bescheidene Auffassung von den Pflichten, die mit einer solchen Tätigkeit verbunden sind, einen großen, die der Fürsorge be- nötigten Klassen schwer schädigenden Jrrtum ent- hielt. Sie erkannten, daß die soziale Arbeit Ein- sicht in das soziale Problem unserer Zeit verlangt, und daß für die soziale Hilfsarbeit systematische Kenntnisse, die die praktische Tätigkeit leiten müssen, unerläßlich sind. Es gelang ihnen, für diese notwendige Ausbildung so gute Einrich- tungen ins Leben zu rufen, daß die Männer, die sich bis dahin ohne sie beholfen hatten, zum ersten Male ebenfalls Ausbildungsgelegenheiten für Spezialgebiete der Fürsorge für Frauen und

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Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription. (2020-12-07T10:34:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Zitationshilfe: Ichenhaeuser, Eliza: Frauenziele. Berlin, 1913, S. 244. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ichenhaeuser_frauenziele_1913/248>, abgerufen am 29.07.2021.