Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839.

Bild:
<< vorherige Seite

Großen-Schwert wieder wird, was es war und
ist und bleiben soll, nämlich ein Bratenspieß frü-
hestens aus der Soester Fehde, den ein Reisiger
des Erzbischofs hier mag in den Büschen haben
stehen lassen.

Demnach wollen Sie also die alten Zweifel
an dem Schwerte von Carolus Magnus wieder
regen und rühren? fragte der Hofschulze, der sich
zwar gegen den Anderen scheinbar ruhig ausnahm,
jedoch auch mit einiger Mühe nach Athem rang.

Es sind keine Zweifel, es ist die klarste Ge-
wißheit; meinen Schein, meinen Schein her! stam-
melte der Sammler, der die schleunigste Beendi-
gung des Geschäfts wünschte, weil er fühlte, wie
der Muth der Wahrheit im Angesichte der Amphora
bei ihm sank.

Sie behalten den alten Topf, und ich behalte
den Schein, Herr Schmitz, sagte der Hofschulze
und bohrte seinen Stock wieder wie gestern bei
dem Vorfalle mit dem Hochzeitbitter, tief in die
Erde. -- Der Sammler fragte ihn heftig, ob
das sein letztes Wort sei? welche Frage der
Hofschulze bejahte, mit dem Hinzufügen: Handel
ist Handel.


Großen-Schwert wieder wird, was es war und
iſt und bleiben ſoll, nämlich ein Bratenſpieß frü-
heſtens aus der Soeſter Fehde, den ein Reiſiger
des Erzbiſchofs hier mag in den Büſchen haben
ſtehen laſſen.

Demnach wollen Sie alſo die alten Zweifel
an dem Schwerte von Carolus Magnus wieder
regen und rühren? fragte der Hofſchulze, der ſich
zwar gegen den Anderen ſcheinbar ruhig ausnahm,
jedoch auch mit einiger Mühe nach Athem rang.

Es ſind keine Zweifel, es iſt die klarſte Ge-
wißheit; meinen Schein, meinen Schein her! ſtam-
melte der Sammler, der die ſchleunigſte Beendi-
gung des Geſchäfts wünſchte, weil er fühlte, wie
der Muth der Wahrheit im Angeſichte der Amphora
bei ihm ſank.

Sie behalten den alten Topf, und ich behalte
den Schein, Herr Schmitz, ſagte der Hofſchulze
und bohrte ſeinen Stock wieder wie geſtern bei
dem Vorfalle mit dem Hochzeitbitter, tief in die
Erde. — Der Sammler fragte ihn heftig, ob
das ſein letztes Wort ſei? welche Frage der
Hofſchulze bejahte, mit dem Hinzufügen: Handel
iſt Handel.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0050" n="38"/>
Großen-Schwert wieder wird, was es war und<lb/>
i&#x017F;t und bleiben &#x017F;oll, nämlich ein Braten&#x017F;pieß frü-<lb/>
he&#x017F;tens aus der Soe&#x017F;ter Fehde, den ein Rei&#x017F;iger<lb/>
des Erzbi&#x017F;chofs hier mag in den Bü&#x017F;chen haben<lb/>
&#x017F;tehen la&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <p>Demnach wollen Sie al&#x017F;o die alten Zweifel<lb/>
an dem Schwerte von Carolus Magnus wieder<lb/>
regen und rühren? fragte der Hof&#x017F;chulze, der &#x017F;ich<lb/>
zwar gegen den Anderen &#x017F;cheinbar ruhig ausnahm,<lb/>
jedoch auch mit einiger Mühe nach Athem rang.</p><lb/>
          <p>Es &#x017F;ind keine Zweifel, es i&#x017F;t die klar&#x017F;te Ge-<lb/>
wißheit; meinen Schein, meinen Schein her! &#x017F;tam-<lb/>
melte der Sammler, der die &#x017F;chleunig&#x017F;te Beendi-<lb/>
gung des Ge&#x017F;chäfts wün&#x017F;chte, weil er fühlte, wie<lb/>
der Muth der Wahrheit im Ange&#x017F;ichte der Amphora<lb/>
bei ihm &#x017F;ank.</p><lb/>
          <p>Sie behalten den alten Topf, und ich behalte<lb/>
den Schein, Herr Schmitz, &#x017F;agte der Hof&#x017F;chulze<lb/>
und bohrte &#x017F;einen Stock wieder wie ge&#x017F;tern bei<lb/>
dem Vorfalle mit dem Hochzeitbitter, tief in die<lb/>
Erde. &#x2014; Der Sammler fragte ihn heftig, ob<lb/>
das &#x017F;ein letztes Wort &#x017F;ei? welche Frage der<lb/>
Hof&#x017F;chulze bejahte, mit dem Hinzufügen: Handel<lb/>
i&#x017F;t Handel.</p><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[38/0050] Großen-Schwert wieder wird, was es war und iſt und bleiben ſoll, nämlich ein Bratenſpieß frü- heſtens aus der Soeſter Fehde, den ein Reiſiger des Erzbiſchofs hier mag in den Büſchen haben ſtehen laſſen. Demnach wollen Sie alſo die alten Zweifel an dem Schwerte von Carolus Magnus wieder regen und rühren? fragte der Hofſchulze, der ſich zwar gegen den Anderen ſcheinbar ruhig ausnahm, jedoch auch mit einiger Mühe nach Athem rang. Es ſind keine Zweifel, es iſt die klarſte Ge- wißheit; meinen Schein, meinen Schein her! ſtam- melte der Sammler, der die ſchleunigſte Beendi- gung des Geſchäfts wünſchte, weil er fühlte, wie der Muth der Wahrheit im Angeſichte der Amphora bei ihm ſank. Sie behalten den alten Topf, und ich behalte den Schein, Herr Schmitz, ſagte der Hofſchulze und bohrte ſeinen Stock wieder wie geſtern bei dem Vorfalle mit dem Hochzeitbitter, tief in die Erde. — Der Sammler fragte ihn heftig, ob das ſein letztes Wort ſei? welche Frage der Hofſchulze bejahte, mit dem Hinzufügen: Handel iſt Handel.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839/50
Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839, S. 38. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839/50>, abgerufen am 23.04.2024.