Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kortum, Carl Arnold: Die Jobsiade. Bd. 1. Dortmund, 1799.

Bild:
<< vorherige Seite
6. Seine Verdienste schafften ihm diese Würde;
Er trug übrigens seines Amtes Bürde
Geduldig und mit gar frohem Muth
Und aß und trank täglich gut.
7. Nach ihm kam der geistliche Assesser,
Ein Mann von Person zwar etwas größer,
Doch an Körper und Waden dünn
Und von etwas mürrischem Sinn.
8. Er triebe nebst der geistlichen Sache
Verschiedene Stücke aus dem ökonomischen
Fache
Und trank nur Bier und schlechten Wein,
Denn seine Einkünste waren klein.
9. Auch Herr Krager, ein Mann von hohen
Jahren,
In den Kirchenvätern sehr wohl erfahren,
Die er, so oft die Gelegenheit kam
Seinen Satz zu erweisen, hernahm.
10. Auch Herr Krisch, ein Mann von guten
Sitten,
Ungemein stark in Postillen beritten;
Wobei er sich so gut und noch besser befand
Als der beste Pfarrer im Schwabenland.
11. Auch
F 2
6. Seine Verdienſte ſchafften ihm dieſe Wuͤrde;
Er trug uͤbrigens ſeines Amtes Buͤrde
Geduldig und mit gar frohem Muth
Und aß und trank taͤglich gut.
7. Nach ihm kam der geiſtliche Aſſeſſer,
Ein Mann von Perſon zwar etwas groͤßer,
Doch an Koͤrper und Waden duͤnn
Und von etwas muͤrriſchem Sinn.
8. Er triebe nebſt der geiſtlichen Sache
Verſchiedene Stuͤcke aus dem oͤkonomiſchen
Fache
Und trank nur Bier und ſchlechten Wein,
Denn ſeine Einkuͤnſte waren klein.
9. Auch Herr Krager, ein Mann von hohen
Jahren,
In den Kirchenvaͤtern ſehr wohl erfahren,
Die er, ſo oft die Gelegenheit kam
Seinen Satz zu erweiſen, hernahm.
10. Auch Herr Kriſch, ein Mann von guten
Sitten,
Ungemein ſtark in Poſtillen beritten;
Wobei er ſich ſo gut und noch beſſer befand
Als der beſte Pfarrer im Schwabenland.
11. Auch
F 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0107" n="83"/>
          <lg n="6">
            <l>6. Seine Verdien&#x017F;te &#x017F;chafften ihm die&#x017F;e Wu&#x0364;rde;</l><lb/>
            <l>Er trug u&#x0364;brigens &#x017F;eines Amtes Bu&#x0364;rde</l><lb/>
            <l>Geduldig und mit gar frohem Muth</l><lb/>
            <l>Und aß und trank ta&#x0364;glich gut.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="7">
            <l>7. Nach ihm kam der <hi rendition="#g">gei&#x017F;tliche A&#x017F;&#x017F;e&#x017F;&#x017F;er</hi>,</l><lb/>
            <l>Ein Mann von Per&#x017F;on zwar etwas gro&#x0364;ßer,</l><lb/>
            <l>Doch an Ko&#x0364;rper und Waden du&#x0364;nn</l><lb/>
            <l>Und von etwas mu&#x0364;rri&#x017F;chem Sinn.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="8">
            <l>8. Er triebe neb&#x017F;t der gei&#x017F;tlichen Sache</l><lb/>
            <l>Ver&#x017F;chiedene Stu&#x0364;cke aus dem o&#x0364;konomi&#x017F;chen</l><lb/>
            <l>Fache</l><lb/>
            <l>Und trank nur Bier und &#x017F;chlechten Wein,</l><lb/>
            <l>Denn &#x017F;eine Einku&#x0364;n&#x017F;te waren klein.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="9">
            <l>9. Auch <hi rendition="#g">Herr Krager</hi>, ein Mann von hohen</l><lb/>
            <l>Jahren,</l><lb/>
            <l>In den Kirchenva&#x0364;tern &#x017F;ehr wohl erfahren,</l><lb/>
            <l>Die er, &#x017F;o oft die Gelegenheit kam</l><lb/>
            <l>Seinen Satz zu erwei&#x017F;en, hernahm.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="10">
            <l>10. Auch <hi rendition="#g">Herr Kri&#x017F;ch</hi>, ein Mann von guten</l><lb/>
            <l>Sitten,</l><lb/>
            <l>Ungemein &#x017F;tark in Po&#x017F;tillen beritten;</l><lb/>
            <l>Wobei er &#x017F;ich &#x017F;o gut und noch be&#x017F;&#x017F;er befand</l><lb/>
            <l>Als der be&#x017F;te Pfarrer im Schwabenland.</l>
          </lg><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">F 2</fw>
          <fw place="bottom" type="catch">11. Auch</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[83/0107] 6. Seine Verdienſte ſchafften ihm dieſe Wuͤrde; Er trug uͤbrigens ſeines Amtes Buͤrde Geduldig und mit gar frohem Muth Und aß und trank taͤglich gut. 7. Nach ihm kam der geiſtliche Aſſeſſer, Ein Mann von Perſon zwar etwas groͤßer, Doch an Koͤrper und Waden duͤnn Und von etwas muͤrriſchem Sinn. 8. Er triebe nebſt der geiſtlichen Sache Verſchiedene Stuͤcke aus dem oͤkonomiſchen Fache Und trank nur Bier und ſchlechten Wein, Denn ſeine Einkuͤnſte waren klein. 9. Auch Herr Krager, ein Mann von hohen Jahren, In den Kirchenvaͤtern ſehr wohl erfahren, Die er, ſo oft die Gelegenheit kam Seinen Satz zu erweiſen, hernahm. 10. Auch Herr Kriſch, ein Mann von guten Sitten, Ungemein ſtark in Poſtillen beritten; Wobei er ſich ſo gut und noch beſſer befand Als der beſte Pfarrer im Schwabenland. 11. Auch F 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade01_1799
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade01_1799/107
Zitationshilfe: Kortum, Carl Arnold: Die Jobsiade. Bd. 1. Dortmund, 1799, S. 83. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kortum_jobsiade01_1799/107>, abgerufen am 12.05.2021.