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Kürnberger, Ferdinand: Der Drache. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 11. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. [263]–310. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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haben, aber wer mir das Lenchen auffn Dansboden vor mein Augen wechfischen wil, den wix ich mit Faustöhl das er geschlagener ist als Ferberwolle. Wir wahren zu fastnacht lustig obwols mitn Alten imer schlimer wird man mus aber rächt rumoren zu faßtnacht sonst hat man das ganze Jahr Unglick sagt man bei uns. Auch der Tokder Kniggemann kam auf den Tansboden woriber der Dogter Schilling lermschlug als wen die Glauenseiche ausgelautet würde im Dorff was mich auch selbst ferwunderte das ein Geistlicher auf den Danzboden get. Aber der Kniggemann lachte und sakde das wäre die aufglerung. Ich wuste gleich anfanx das es Lenchens wechen währe und kam auch der Flurschitz hin und strich an ir wie die Katz an der Feuermauer. Und warff der Dokter Kniggemann den Mußiganden einen Dahler hin zum Vortanz der Flurschitz der Lumbb hate nichts, ich aber warf zwey Daler hin aus dem rosa Deschelchen des mir die gnedche Frau Doktern geschenkd hat. Da fledschde der Kniggemann seinen goldenen Zan u. sagde ich wer ein unverschembder Jung u. der Flurschitz rief laud das komd vom Matzchen u. ißt firs Matzchen da kennen richtche Leit nicht mittun. Ich schlug dem Kniggemann ein Beihn daß er fümpfach zusammengnikte wie ein Zollstogg das war aber die Kerbber Ferletzung noch nicht. Sontern dem Flurschitz lies ich eine Bakpfeife zukomen das eß in der Resonans der großen Bauken nachhalte wie der Donner. Darauf gings los." -- Und nun wurde eine erzgebirgische Tanzbodenschlacht beschrieben, über deren wildes Getümmel Lenchens Name ausgegossen war, wie Oel über empörte Meereswogen. Das Ganze endete, wie das Datum besagte, in der Frohnfeste zu Lauenstein, aber auch diesem Schattenwege folgte die Lichtspur des weiblichen Gestirnes, denn Papier, Tinte und Feder, womit geschrieben wurde, rührte von Lenchen her, und der gefangene

haben, aber wer mir das Lenchen auffn Dansboden vor mein Augen wechfischen wil, den wix ich mit Faustöhl das er geschlagener ist als Ferberwolle. Wir wahren zu fastnacht lustig obwols mitn Alten imer schlimer wird man mus aber rächt rumoren zu faßtnacht sonst hat man das ganze Jahr Unglick sagt man bei uns. Auch der Tokder Kniggemann kam auf den Tansboden woriber der Dogter Schilling lermschlug als wen die Glauenseiche ausgelautet würde im Dorff was mich auch selbst ferwunderte das ein Geistlicher auf den Danzboden get. Aber der Kniggemann lachte und sakde das wäre die aufglerung. Ich wuste gleich anfanx das es Lenchens wechen währe und kam auch der Flurschitz hin und strich an ir wie die Katz an der Feuermauer. Und warff der Dokter Kniggemann den Mußiganden einen Dahler hin zum Vortanz der Flurschitz der Lumbb hate nichts, ich aber warf zwey Daler hin aus dem rosa Deschelchen des mir die gnedche Frau Doktern geschenkd hat. Da fledschde der Kniggemann seinen goldenen Zan u. sagde ich wer ein unverschembder Jung u. der Flurschitz rief laud das komd vom Matzchen u. ißt firs Matzchen da kennen richtche Leit nicht mittun. Ich schlug dem Kniggemann ein Beihn daß er fümpfach zusammengnikte wie ein Zollstogg das war aber die Kerbber Ferletzung noch nicht. Sontern dem Flurschitz lies ich eine Bakpfeife zukomen das eß in der Resonans der großen Bauken nachhalte wie der Donner. Darauf gings los.“ — Und nun wurde eine erzgebirgische Tanzbodenschlacht beschrieben, über deren wildes Getümmel Lenchens Name ausgegossen war, wie Oel über empörte Meereswogen. Das Ganze endete, wie das Datum besagte, in der Frohnfeste zu Lauenstein, aber auch diesem Schattenwege folgte die Lichtspur des weiblichen Gestirnes, denn Papier, Tinte und Feder, womit geschrieben wurde, rührte von Lenchen her, und der gefangene

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[0027] haben, aber wer mir das Lenchen auffn Dansboden vor mein Augen wechfischen wil, den wix ich mit Faustöhl das er geschlagener ist als Ferberwolle. Wir wahren zu fastnacht lustig obwols mitn Alten imer schlimer wird man mus aber rächt rumoren zu faßtnacht sonst hat man das ganze Jahr Unglick sagt man bei uns. Auch der Tokder Kniggemann kam auf den Tansboden woriber der Dogter Schilling lermschlug als wen die Glauenseiche ausgelautet würde im Dorff was mich auch selbst ferwunderte das ein Geistlicher auf den Danzboden get. Aber der Kniggemann lachte und sakde das wäre die aufglerung. Ich wuste gleich anfanx das es Lenchens wechen währe und kam auch der Flurschitz hin und strich an ir wie die Katz an der Feuermauer. Und warff der Dokter Kniggemann den Mußiganden einen Dahler hin zum Vortanz der Flurschitz der Lumbb hate nichts, ich aber warf zwey Daler hin aus dem rosa Deschelchen des mir die gnedche Frau Doktern geschenkd hat. Da fledschde der Kniggemann seinen goldenen Zan u. sagde ich wer ein unverschembder Jung u. der Flurschitz rief laud das komd vom Matzchen u. ißt firs Matzchen da kennen richtche Leit nicht mittun. Ich schlug dem Kniggemann ein Beihn daß er fümpfach zusammengnikte wie ein Zollstogg das war aber die Kerbber Ferletzung noch nicht. Sontern dem Flurschitz lies ich eine Bakpfeife zukomen das eß in der Resonans der großen Bauken nachhalte wie der Donner. Darauf gings los.“ — Und nun wurde eine erzgebirgische Tanzbodenschlacht beschrieben, über deren wildes Getümmel Lenchens Name ausgegossen war, wie Oel über empörte Meereswogen. Das Ganze endete, wie das Datum besagte, in der Frohnfeste zu Lauenstein, aber auch diesem Schattenwege folgte die Lichtspur des weiblichen Gestirnes, denn Papier, Tinte und Feder, womit geschrieben wurde, rührte von Lenchen her, und der gefangene

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-15T13:57:16Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-15T13:57:16Z)

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Zitationshilfe: Kürnberger, Ferdinand: Der Drache. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 11. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. [263]–310. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/kuernberger_drache_1910/27>, abgerufen am 17.05.2022.