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Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

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XXII. Hauptstück.
dern, weil diese absolut, folglich einander gleich sind,
und bey der Berechnung der Zufälligkeit Einheiten
abgeben. Eben so (Metaphys. Baumgarten. §. 265.)
Aequalitas minima est in duobus, in quibus vnica
minima quantitas est communis.
Die Gleichheit der
Größen hat schlechthin keine Gradus intensitatis, weil
sie eine absolute Einheit ist. Hingegen kann die Un-
gleichheit größer oder kleiner seyn. Ferner kann man
nicht sagen, daß die Gleichheit 1 = 1, eine intensiue
kleinere Gleichheit sey, als 5 = 5 oder 100 = 100 etc.
weil zwo gleiche Zahlen oder Größen einander gleich
sind, sie mögen groß oder klein seyn. Dieses thut
zur Gleichheit nichts. Saget man endlich in zwey
Dingen seyn mehrere einzele Theile, wenn man sie
je zween und zween vergleichet, von gleicher Größe,
A = A, B = B, C = C etc. so findet man darinn
Gleichheiten in mehrern Stücken, die Gleichheit
der Ganzen ist extensiue größer, das will sagen, es
bleiben weniger ungleiche Stücke darinn etc. Auf
eine ähnliche Art (l. cit. §. 283.): Motus minimus
esset, si vnici minimi vnicus tantum positus erga vni-
cum minimum extra ipsum actuale mutaretur.
Hier
scheint das esset anzuzeigen, daß man zugebe, es gebe
keine kleinste Bewegung, (§. 685.). Dagegen aber
sind dabey ordentlich alle Bewegungen vermenget,
und statt des Wortes Bewegung müßte der Aus-
druck: die Summe der gesammten localen Ver-
änderung
gesetzet werden. Denn diese ist unstreitig
größer, wenn alles durch einander läuft, und gleich-
sam wimmelt, als wenn nur die Bewegung eines eini-
gen Punctes gegen oder von einem unbewegten Pun-
cte betrachtet wird. Sodann wird hier die sogenannte
Quantitas motus, welche aus dem Producte der Masse
in die Geschwindigkeit besteht, und wobey die Di-

rection

XXII. Hauptſtuͤck.
dern, weil dieſe abſolut, folglich einander gleich ſind,
und bey der Berechnung der Zufaͤlligkeit Einheiten
abgeben. Eben ſo (Metaphyſ. Baumgarten. §. 265.)
Aequalitas minima eſt in duobus, in quibus vnica
minima quantitas eſt communis.
Die Gleichheit der
Groͤßen hat ſchlechthin keine Gradus intenſitatis, weil
ſie eine abſolute Einheit iſt. Hingegen kann die Un-
gleichheit groͤßer oder kleiner ſeyn. Ferner kann man
nicht ſagen, daß die Gleichheit 1 = 1, eine intenſiue
kleinere Gleichheit ſey, als 5 = 5 oder 100 = 100 ꝛc.
weil zwo gleiche Zahlen oder Groͤßen einander gleich
ſind, ſie moͤgen groß oder klein ſeyn. Dieſes thut
zur Gleichheit nichts. Saget man endlich in zwey
Dingen ſeyn mehrere einzele Theile, wenn man ſie
je zween und zween vergleichet, von gleicher Groͤße,
A = A, B = B, C = C ꝛc. ſo findet man darinn
Gleichheiten in mehrern Stuͤcken, die Gleichheit
der Ganzen iſt extenſiue groͤßer, das will ſagen, es
bleiben weniger ungleiche Stuͤcke darinn ꝛc. Auf
eine aͤhnliche Art (l. cit. §. 283.): Motus minimus
eſſet, ſi vnici minimi vnicus tantum poſitus erga vni-
cum minimum extra ipſum actuale mutaretur.
Hier
ſcheint das eſſet anzuzeigen, daß man zugebe, es gebe
keine kleinſte Bewegung, (§. 685.). Dagegen aber
ſind dabey ordentlich alle Bewegungen vermenget,
und ſtatt des Wortes Bewegung muͤßte der Aus-
druck: die Summe der geſammten localen Ver-
aͤnderung
geſetzet werden. Denn dieſe iſt unſtreitig
groͤßer, wenn alles durch einander laͤuft, und gleich-
ſam wimmelt, als wenn nur die Bewegung eines eini-
gen Punctes gegen oder von einem unbewegten Pun-
cte betrachtet wird. Sodann wird hier die ſogenannte
Quantitas motus, welche aus dem Producte der Maſſe
in die Geſchwindigkeit beſteht, und wobey die Di-

rection
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[320/0328] XXII. Hauptſtuͤck. dern, weil dieſe abſolut, folglich einander gleich ſind, und bey der Berechnung der Zufaͤlligkeit Einheiten abgeben. Eben ſo (Metaphyſ. Baumgarten. §. 265.) Aequalitas minima eſt in duobus, in quibus vnica minima quantitas eſt communis. Die Gleichheit der Groͤßen hat ſchlechthin keine Gradus intenſitatis, weil ſie eine abſolute Einheit iſt. Hingegen kann die Un- gleichheit groͤßer oder kleiner ſeyn. Ferner kann man nicht ſagen, daß die Gleichheit 1 = 1, eine intenſiue kleinere Gleichheit ſey, als 5 = 5 oder 100 = 100 ꝛc. weil zwo gleiche Zahlen oder Groͤßen einander gleich ſind, ſie moͤgen groß oder klein ſeyn. Dieſes thut zur Gleichheit nichts. Saget man endlich in zwey Dingen ſeyn mehrere einzele Theile, wenn man ſie je zween und zween vergleichet, von gleicher Groͤße, A = A, B = B, C = C ꝛc. ſo findet man darinn Gleichheiten in mehrern Stuͤcken, die Gleichheit der Ganzen iſt extenſiue groͤßer, das will ſagen, es bleiben weniger ungleiche Stuͤcke darinn ꝛc. Auf eine aͤhnliche Art (l. cit. §. 283.): Motus minimus eſſet, ſi vnici minimi vnicus tantum poſitus erga vni- cum minimum extra ipſum actuale mutaretur. Hier ſcheint das eſſet anzuzeigen, daß man zugebe, es gebe keine kleinſte Bewegung, (§. 685.). Dagegen aber ſind dabey ordentlich alle Bewegungen vermenget, und ſtatt des Wortes Bewegung muͤßte der Aus- druck: die Summe der geſammten localen Ver- aͤnderung geſetzet werden. Denn dieſe iſt unſtreitig groͤßer, wenn alles durch einander laͤuft, und gleich- ſam wimmelt, als wenn nur die Bewegung eines eini- gen Punctes gegen oder von einem unbewegten Pun- cte betrachtet wird. Sodann wird hier die ſogenannte Quantitas motus, welche aus dem Producte der Maſſe in die Geſchwindigkeit beſteht, und wobey die Di- rection

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 320. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/328>, abgerufen am 01.03.2021.