Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lange, Max: Lehrbuch des Schachspiels. Halle (Saale), 1856.

Bild:
<< vorherige Seite
Zweiter Abschnitt.
Die Königsbauer-Eröffnung.

Zwanzigstes Kapitel.
Einleitung.

§. 217. Die Königsbauereröffnung 1. e 2--e 4 e 7--e 5
ist zwar nicht vollkommen correct, da sie weder dem Streben
des feindlichen Königsangriffs auf f 7 direct entgegenwirkt,
noch überhaupt den Anforderungen beider Parteien auf gleich-
artige correcte Entwickelung genügt, vielmehr durch den
Punkt e 5 nur zu directen Angriffen Veranlassung giebt; sie
bietet aber gerade wegen dieser eigenthümlichen Schwächen,
welche bei Weitem noch nicht entscheidenden Nachtheil,
sondern nur eine mehr oder weniger schwierige Vertheidi-
gung zur Folge haben, besondere Gelegenheit zur Erörterung
aller nur möglichen Angriffscombinationen des Spieles und
gilt daher als besonderes Bildungsmittel für das Studium wie
als ergiebigste Quelle für interessante praktische Spiele.

§. 218. Nach §. 206 kann der Angriff in der Eröff-
nung zunächst doppelter Natur, d. h. allgemein oder direct
sein. Durch Verbindung beider Angriffsarten gewinnt man
ein drittes Verfahren, welches wir den gemischten Angriff
nennen wollen. Der allgemeine Angriff erfordert nun auch
in der Königsbauereröffnung wie überall zuerst die unge-
störte Entwickelung der Königsfiguren nebst der Rochade.
Der directe Angriff dagegen verfolgt allein den Zweck der
Eroberung des Bauers e 5. Der gemischte Angriff endlich
wird durch eine innige Vereinigung von allgemeinen und
directen Angriffszügen constituirt. Letztere betreffen zwar
ebenfalls den Punkt e 5 doch ohne alleinigen Zweck ihn
durchaus zu erobern. Es kommt hier nur auf Eröffnung des
Punktes e 5 für die Fortbewegung des eigenen Königsbauer
an, damit hierdurch Terraingewinn vorbereitet und so zu-
gleich dem Character des ferneren allgemeinen Angriffes

Zweiter Abschnitt.
Die Königsbauer-Eröffnung.

Zwanzigstes Kapitel.
Einleitung.

§. 217. Die Königsbauereröffnung 1. e 2—e 4 e 7—e 5
ist zwar nicht vollkommen correct, da sie weder dem Streben
des feindlichen Königsangriffs auf f 7 direct entgegenwirkt,
noch überhaupt den Anforderungen beider Parteien auf gleich-
artige correcte Entwickelung genügt, vielmehr durch den
Punkt e 5 nur zu directen Angriffen Veranlassung giebt; sie
bietet aber gerade wegen dieser eigenthümlichen Schwächen,
welche bei Weitem noch nicht entscheidenden Nachtheil,
sondern nur eine mehr oder weniger schwierige Vertheidi-
gung zur Folge haben, besondere Gelegenheit zur Erörterung
aller nur möglichen Angriffscombinationen des Spieles und
gilt daher als besonderes Bildungsmittel für das Studium wie
als ergiebigste Quelle für interessante praktische Spiele.

§. 218. Nach §. 206 kann der Angriff in der Eröff-
nung zunächst doppelter Natur, d. h. allgemein oder direct
sein. Durch Verbindung beider Angriffsarten gewinnt man
ein drittes Verfahren, welches wir den gemischten Angriff
nennen wollen. Der allgemeine Angriff erfordert nun auch
in der Königsbauereröffnung wie überall zuerst die unge-
störte Entwickelung der Königsfiguren nebst der Rochade.
Der directe Angriff dagegen verfolgt allein den Zweck der
Eroberung des Bauers e 5. Der gemischte Angriff endlich
wird durch eine innige Vereinigung von allgemeinen und
directen Angriffszügen constituirt. Letztere betreffen zwar
ebenfalls den Punkt e 5 doch ohne alleinigen Zweck ihn
durchaus zu erobern. Es kommt hier nur auf Eröffnung des
Punktes e 5 für die Fortbewegung des eigenen Königsbauer
an, damit hierdurch Terraingewinn vorbereitet und so zu-
gleich dem Character des ferneren allgemeinen Angriffes

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <pb facs="#f0148" n="136"/>
              <div n="5">
                <head> <hi rendition="#b">Zweiter Abschnitt.<lb/>
Die Königsbauer-Eröffnung.</hi> </head><lb/>
                <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
                <div n="6">
                  <head><hi rendition="#b">Zwanzigstes Kapitel.</hi><lb/>
Einleitung.</head><lb/>
                  <p>§. 217. Die Königsbauereröffnung 1. <hi rendition="#i">e</hi> 2&#x2014;<hi rendition="#i">e</hi> 4 <hi rendition="#i">e</hi> 7&#x2014;<hi rendition="#i">e</hi> 5<lb/>
ist zwar nicht vollkommen correct, da sie weder dem Streben<lb/>
des feindlichen Königsangriffs auf <hi rendition="#i">f</hi> 7 direct entgegenwirkt,<lb/>
noch überhaupt den Anforderungen beider Parteien auf gleich-<lb/>
artige correcte Entwickelung genügt, vielmehr durch den<lb/>
Punkt <hi rendition="#i">e</hi> 5 nur zu directen Angriffen Veranlassung giebt; sie<lb/>
bietet aber gerade wegen dieser eigenthümlichen Schwächen,<lb/>
welche bei Weitem noch nicht entscheidenden Nachtheil,<lb/>
sondern nur eine mehr oder weniger schwierige Vertheidi-<lb/>
gung zur Folge haben, besondere Gelegenheit zur Erörterung<lb/>
aller nur möglichen Angriffscombinationen des Spieles und<lb/>
gilt daher als besonderes Bildungsmittel für das Studium wie<lb/>
als ergiebigste Quelle für interessante praktische Spiele.</p><lb/>
                  <p>§. 218. Nach §. 206 kann der Angriff in der Eröff-<lb/>
nung zunächst doppelter Natur, d. h. allgemein oder direct<lb/>
sein. Durch Verbindung beider Angriffsarten gewinnt man<lb/>
ein drittes Verfahren, welches wir den gemischten Angriff<lb/>
nennen wollen. Der allgemeine Angriff erfordert nun auch<lb/>
in der Königsbauereröffnung wie überall zuerst die unge-<lb/>
störte Entwickelung der Königsfiguren nebst der Rochade.<lb/>
Der directe Angriff dagegen verfolgt allein den Zweck der<lb/>
Eroberung des Bauers <hi rendition="#i">e</hi> 5. Der gemischte Angriff endlich<lb/>
wird durch eine innige Vereinigung von allgemeinen und<lb/>
directen Angriffszügen constituirt. Letztere betreffen zwar<lb/>
ebenfalls den Punkt <hi rendition="#i">e</hi> 5 doch ohne alleinigen Zweck ihn<lb/>
durchaus zu erobern. Es kommt hier nur auf Eröffnung des<lb/>
Punktes <hi rendition="#i">e</hi> 5 für die Fortbewegung des eigenen Königsbauer<lb/>
an, damit hierdurch Terraingewinn vorbereitet und so zu-<lb/>
gleich dem Character des ferneren allgemeinen Angriffes<lb/></p>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[136/0148] Zweiter Abschnitt. Die Königsbauer-Eröffnung. Zwanzigstes Kapitel. Einleitung. §. 217. Die Königsbauereröffnung 1. e 2—e 4 e 7—e 5 ist zwar nicht vollkommen correct, da sie weder dem Streben des feindlichen Königsangriffs auf f 7 direct entgegenwirkt, noch überhaupt den Anforderungen beider Parteien auf gleich- artige correcte Entwickelung genügt, vielmehr durch den Punkt e 5 nur zu directen Angriffen Veranlassung giebt; sie bietet aber gerade wegen dieser eigenthümlichen Schwächen, welche bei Weitem noch nicht entscheidenden Nachtheil, sondern nur eine mehr oder weniger schwierige Vertheidi- gung zur Folge haben, besondere Gelegenheit zur Erörterung aller nur möglichen Angriffscombinationen des Spieles und gilt daher als besonderes Bildungsmittel für das Studium wie als ergiebigste Quelle für interessante praktische Spiele. §. 218. Nach §. 206 kann der Angriff in der Eröff- nung zunächst doppelter Natur, d. h. allgemein oder direct sein. Durch Verbindung beider Angriffsarten gewinnt man ein drittes Verfahren, welches wir den gemischten Angriff nennen wollen. Der allgemeine Angriff erfordert nun auch in der Königsbauereröffnung wie überall zuerst die unge- störte Entwickelung der Königsfiguren nebst der Rochade. Der directe Angriff dagegen verfolgt allein den Zweck der Eroberung des Bauers e 5. Der gemischte Angriff endlich wird durch eine innige Vereinigung von allgemeinen und directen Angriffszügen constituirt. Letztere betreffen zwar ebenfalls den Punkt e 5 doch ohne alleinigen Zweck ihn durchaus zu erobern. Es kommt hier nur auf Eröffnung des Punktes e 5 für die Fortbewegung des eigenen Königsbauer an, damit hierdurch Terraingewinn vorbereitet und so zu- gleich dem Character des ferneren allgemeinen Angriffes

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lange_schachspiel_1856
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lange_schachspiel_1856/148
Zitationshilfe: Lange, Max: Lehrbuch des Schachspiels. Halle (Saale), 1856, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lange_schachspiel_1856/148>, abgerufen am 25.02.2024.