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Lange, Max: Lehrbuch des Schachspiels. Halle (Saale), 1856.

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§. 332. Am üblichsten scheint jedoch in Deutschland
unter allen Methoden des Vierschachs die folgende. Man
fügt an das gewöhnliche Schachbrett auf jeder Seite drei
neue Felderreihen, so dass an jeder Ecke sich eine Lücke
von neun Feldern findet. Sodann sitzen die befreundeten
Spieler einander gegenüber und jeder hat seinen Gegner zur
Seite. Die Figuren jedes Spielers werden in der bekannten
Weise auf den beiden äussersten Felderreihen aufgestellt;
auch setzt man die Damen auf die Felder ihrer Farbe.
Die Reihenfolge geht wie beim Whistspiele links herum, so
dass Freund und Feind abwechselnd ziehen. Sonst gelten
im Allgemeinen dieselben Gesetze für Gangweise der Fi-
guren und Ende der Partien, wie in der vorigen Methode.
Eine ausführliche Darstellung findet sich in dem 1849 er-
schienenen Buche über das Vierschachspiel von Dr. H. Sause.

§. 333. Weniger gebräuchlich scheint endlich eine in
Braunschweig übliche, von Dr. Theodorich Martinsen
vorgeschlagene Methode. Hier werden dem gewöhnlichen
Schachbrette nur zwei neue Felderreihen auf jeder Seite
angehängt; im Uebrigen erkennt der genannte Spieler mehr
oder weniger die Bestimmungen der vorhin erwähnten Art
des Vierschachs an. Man ist davon in Braunschweig wohl
insofern abgewichen, als man die beiden Aiden jeder Partei
neben einander sitzen lässt. In beiden Fällen dürfen aber
die sich an den Flügeln berührenden feindlichen Bauern
gegenseitig nicht schlagen. Ausser solcher besonderen Vor-
schrift werden hier aber noch manche andere sehr com-
plicirte Gesetze nothwendig, so dass wohl für die Praxis
diese Arten des Vierschachs beim grösseren Publikum wenig
Anklang finden möchten. Ueberhaupt dürften die Vortheile
sämmtlicher genannten Abarten des gewöhnlichen Schach-
spieles deren eigenthümlichen Nachtheilen bei Weitem nicht
das Gegengewicht halten, und nur ganz besondere Liebhaberei
einzelner Spieler mag sich mit ihren nothwendigerweise ver-
wickelten Gesetzen und mannigfachen Schwächen befreunden.
Als rathsam möchten wir fast nur die zuerst erwähnte ein-
fachste Methode empfehlen. Dieser ähnlich hat man, z. B.

§. 332. Am üblichsten scheint jedoch in Deutschland
unter allen Methoden des Vierschachs die folgende. Man
fügt an das gewöhnliche Schachbrett auf jeder Seite drei
neue Felderreihen, so dass an jeder Ecke sich eine Lücke
von neun Feldern findet. Sodann sitzen die befreundeten
Spieler einander gegenüber und jeder hat seinen Gegner zur
Seite. Die Figuren jedes Spielers werden in der bekannten
Weise auf den beiden äussersten Felderreihen aufgestellt;
auch setzt man die Damen auf die Felder ihrer Farbe.
Die Reihenfolge geht wie beim Whistspiele links herum, so
dass Freund und Feind abwechselnd ziehen. Sonst gelten
im Allgemeinen dieselben Gesetze für Gangweise der Fi-
guren und Ende der Partien, wie in der vorigen Methode.
Eine ausführliche Darstellung findet sich in dem 1849 er-
schienenen Buche über das Vierschachspiel von Dr. H. Sause.

§. 333. Weniger gebräuchlich scheint endlich eine in
Braunschweig übliche, von Dr. Theodorich Martinsen
vorgeschlagene Methode. Hier werden dem gewöhnlichen
Schachbrette nur zwei neue Felderreihen auf jeder Seite
angehängt; im Uebrigen erkennt der genannte Spieler mehr
oder weniger die Bestimmungen der vorhin erwähnten Art
des Vierschachs an. Man ist davon in Braunschweig wohl
insofern abgewichen, als man die beiden Aiden jeder Partei
neben einander sitzen lässt. In beiden Fällen dürfen aber
die sich an den Flügeln berührenden feindlichen Bauern
gegenseitig nicht schlagen. Ausser solcher besonderen Vor-
schrift werden hier aber noch manche andere sehr com-
plicirte Gesetze nothwendig, so dass wohl für die Praxis
diese Arten des Vierschachs beim grösseren Publikum wenig
Anklang finden möchten. Ueberhaupt dürften die Vortheile
sämmtlicher genannten Abarten des gewöhnlichen Schach-
spieles deren eigenthümlichen Nachtheilen bei Weitem nicht
das Gegengewicht halten, und nur ganz besondere Liebhaberei
einzelner Spieler mag sich mit ihren nothwendigerweise ver-
wickelten Gesetzen und mannigfachen Schwächen befreunden.
Als rathsam möchten wir fast nur die zuerst erwähnte ein-
fachste Methode empfehlen. Dieser ähnlich hat man, z. B.

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[189/0201] §. 332. Am üblichsten scheint jedoch in Deutschland unter allen Methoden des Vierschachs die folgende. Man fügt an das gewöhnliche Schachbrett auf jeder Seite drei neue Felderreihen, so dass an jeder Ecke sich eine Lücke von neun Feldern findet. Sodann sitzen die befreundeten Spieler einander gegenüber und jeder hat seinen Gegner zur Seite. Die Figuren jedes Spielers werden in der bekannten Weise auf den beiden äussersten Felderreihen aufgestellt; auch setzt man die Damen auf die Felder ihrer Farbe. Die Reihenfolge geht wie beim Whistspiele links herum, so dass Freund und Feind abwechselnd ziehen. Sonst gelten im Allgemeinen dieselben Gesetze für Gangweise der Fi- guren und Ende der Partien, wie in der vorigen Methode. Eine ausführliche Darstellung findet sich in dem 1849 er- schienenen Buche über das Vierschachspiel von Dr. H. Sause. §. 333. Weniger gebräuchlich scheint endlich eine in Braunschweig übliche, von Dr. Theodorich Martinsen vorgeschlagene Methode. Hier werden dem gewöhnlichen Schachbrette nur zwei neue Felderreihen auf jeder Seite angehängt; im Uebrigen erkennt der genannte Spieler mehr oder weniger die Bestimmungen der vorhin erwähnten Art des Vierschachs an. Man ist davon in Braunschweig wohl insofern abgewichen, als man die beiden Aiden jeder Partei neben einander sitzen lässt. In beiden Fällen dürfen aber die sich an den Flügeln berührenden feindlichen Bauern gegenseitig nicht schlagen. Ausser solcher besonderen Vor- schrift werden hier aber noch manche andere sehr com- plicirte Gesetze nothwendig, so dass wohl für die Praxis diese Arten des Vierschachs beim grösseren Publikum wenig Anklang finden möchten. Ueberhaupt dürften die Vortheile sämmtlicher genannten Abarten des gewöhnlichen Schach- spieles deren eigenthümlichen Nachtheilen bei Weitem nicht das Gegengewicht halten, und nur ganz besondere Liebhaberei einzelner Spieler mag sich mit ihren nothwendigerweise ver- wickelten Gesetzen und mannigfachen Schwächen befreunden. Als rathsam möchten wir fast nur die zuerst erwähnte ein- fachste Methode empfehlen. Dieser ähnlich hat man, z. B.

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Zitationshilfe: Lange, Max: Lehrbuch des Schachspiels. Halle (Saale), 1856, S. 189. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lange_schachspiel_1856/201>, abgerufen am 15.04.2024.