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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 1. Halle, 1792.

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daß sie niemanden als sich selbst gern reden hören.
Ich war aber doch froh, daß ich nun den herrlichen
Wieland in Person kannte! -- Groß und berühmt
zu seyn, ist indeß doch etwas Lästiges: jeder will da-
von participiren auf diese oder jene Art: und so ist
ein solcher Mann selten ganz Herr von sich und dem
Seinen, am wenigsten von dem ungestöhrten Ge-
brauch seiner Zeit. Jeder Eingriff in dieselbe, ohne
vollgültigen Ersatz, sollte man aber billig für eine
Sünde wider den heiligen Geist halten.

Ich ging nicht wieder über Hersfeld, sondern
über Fulda, wo auch ein Stück von Universität ist.
Ich fand einige Studenten in einer Schenke vor der
Stadt, die man die Moschee hieß: aber die Leut-
chen waren zu sehr mit ihrem Regeln beschäftigt, als
daß sie mich hätten unterhalten sollen. Ich schloß,
sie müßten wenig Komment verstehen. Wohl ihnen!

Zwei und zwanzigstes Kapitel.

Opinionum commenta deler dies: Naturae confirmat.



Als ich wieder nach Gießen kam, waren die Win-
tervorlesungen schon einige Tage angegangen. Ich
wählte mir gute Kollegia, und fing an, recht emsig
zu studiren. Der Professor Köster, mein Vetter,

daß ſie niemanden als ſich ſelbſt gern reden hoͤren.
Ich war aber doch froh, daß ich nun den herrlichen
Wieland in Perſon kannte! — Groß und beruͤhmt
zu ſeyn, iſt indeß doch etwas Laͤſtiges: jeder will da-
von participiren auf dieſe oder jene Art: und ſo iſt
ein ſolcher Mann ſelten ganz Herr von ſich und dem
Seinen, am wenigſten von dem ungeſtoͤhrten Ge-
brauch ſeiner Zeit. Jeder Eingriff in dieſelbe, ohne
vollguͤltigen Erſatz, ſollte man aber billig fuͤr eine
Suͤnde wider den heiligen Geiſt halten.

Ich ging nicht wieder uͤber Hersfeld, ſondern
uͤber Fulda, wo auch ein Stuͤck von Univerſitaͤt iſt.
Ich fand einige Studenten in einer Schenke vor der
Stadt, die man die Moſchee hieß: aber die Leut-
chen waren zu ſehr mit ihrem Regeln beſchaͤftigt, als
daß ſie mich haͤtten unterhalten ſollen. Ich ſchloß,
ſie muͤßten wenig Komment verſtehen. Wohl ihnen!

Zwei und zwanzigſtes Kapitel.

Opinionum commenta deler dies: Naturae confirmat.



Als ich wieder nach Gießen kam, waren die Win-
tervorleſungen ſchon einige Tage angegangen. Ich
waͤhlte mir gute Kollegia, und fing an, recht emſig
zu ſtudiren. Der Profeſſor Koͤſter, mein Vetter,

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[200/0214] daß ſie niemanden als ſich ſelbſt gern reden hoͤren. Ich war aber doch froh, daß ich nun den herrlichen Wieland in Perſon kannte! — Groß und beruͤhmt zu ſeyn, iſt indeß doch etwas Laͤſtiges: jeder will da- von participiren auf dieſe oder jene Art: und ſo iſt ein ſolcher Mann ſelten ganz Herr von ſich und dem Seinen, am wenigſten von dem ungeſtoͤhrten Ge- brauch ſeiner Zeit. Jeder Eingriff in dieſelbe, ohne vollguͤltigen Erſatz, ſollte man aber billig fuͤr eine Suͤnde wider den heiligen Geiſt halten. Ich ging nicht wieder uͤber Hersfeld, ſondern uͤber Fulda, wo auch ein Stuͤck von Univerſitaͤt iſt. Ich fand einige Studenten in einer Schenke vor der Stadt, die man die Moſchee hieß: aber die Leut- chen waren zu ſehr mit ihrem Regeln beſchaͤftigt, als daß ſie mich haͤtten unterhalten ſollen. Ich ſchloß, ſie muͤßten wenig Komment verſtehen. Wohl ihnen! Zwei und zwanzigſtes Kapitel. Opinionum commenta deler dies: Naturae confirmat. Als ich wieder nach Gießen kam, waren die Win- tervorleſungen ſchon einige Tage angegangen. Ich waͤhlte mir gute Kollegia, und fing an, recht emſig zu ſtudiren. Der Profeſſor Koͤſter, mein Vetter,

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 1. Halle, 1792, S. 200. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben01_1792/214>, abgerufen am 11.04.2021.