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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792.

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sie sich ja schlagen, so geschieht es a la mode der
Gassenbuben mit Stöcken und Fäusten. --

Ich war dieses Gespräches müde, und brach
es ab. Ueberall fand ich bei den Herren Leipzigern
große Armseligkeit und glänzendes Elend. Sie tra-
gen zwar seidne Strümpfe beim tiefsten Dreck, gehn
wie die Tanzmeister parisisch: schleichen hundertmal
des Tags vor den Fenstern vorbei, wo sie ein hüb-
sches Gesicht wittern, und werden in den dritten
Himmel entzückt, wenn ihnen ein solches Gesicht
freundlich zulächelt: ist das aber männliches Wesen,
das den Hallenser so kenntlich auszeichnet? -- Sonst
ist das l'Hombre-Spiel unter den Leipzigern sehr ge-
wöhnlich. Zur Zeit der Messe müssen die meisten auf
dem Boden unterm Dache, oder hinten neben dem
Abtritt wohnen, weil zu dieser Zeit ihre Stuben von
Fremden bezogen werden. -- Wenn die Hallenser
nach Leipzig kommen, so machen sie da doch Figur,
und jederman sieht nach ihnen: wenn aber Leipziger
sich zu Halle einfinden, so werden sie gar nicht be-
merkt, wenigstens nicht für Studenten angesehen. --
Uebrigens sind die Herren gut zu Fuße, und können
täglich fünf, sechs, acht Meilen laufen. Doch ge-
nug von diesem Artikel.



ſie ſich ja ſchlagen, ſo geſchieht es à la mode der
Gaſſenbuben mit Stoͤcken und Faͤuſten. —

Ich war dieſes Geſpraͤches muͤde, und brach
es ab. Ueberall fand ich bei den Herren Leipzigern
große Armſeligkeit und glaͤnzendes Elend. Sie tra-
gen zwar ſeidne Struͤmpfe beim tiefſten Dreck, gehn
wie die Tanzmeiſter pariſiſch: ſchleichen hundertmal
des Tags vor den Fenſtern vorbei, wo ſie ein huͤb-
ſches Geſicht wittern, und werden in den dritten
Himmel entzuͤckt, wenn ihnen ein ſolches Geſicht
freundlich zulaͤchelt: iſt das aber maͤnnliches Weſen,
das den Hallenſer ſo kenntlich auszeichnet? — Sonſt
iſt das l'Hombre-Spiel unter den Leipzigern ſehr ge-
woͤhnlich. Zur Zeit der Meſſe muͤſſen die meiſten auf
dem Boden unterm Dache, oder hinten neben dem
Abtritt wohnen, weil zu dieſer Zeit ihre Stuben von
Fremden bezogen werden. — Wenn die Hallenſer
nach Leipzig kommen, ſo machen ſie da doch Figur,
und jederman ſieht nach ihnen: wenn aber Leipziger
ſich zu Halle einfinden, ſo werden ſie gar nicht be-
merkt, wenigſtens nicht fuͤr Studenten angeſehen. —
Uebrigens ſind die Herren gut zu Fuße, und koͤnnen
taͤglich fuͤnf, ſechs, acht Meilen laufen. Doch ge-
nug von dieſem Artikel.



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[151/0153] ſie ſich ja ſchlagen, ſo geſchieht es à la mode der Gaſſenbuben mit Stoͤcken und Faͤuſten. — Ich war dieſes Geſpraͤches muͤde, und brach es ab. Ueberall fand ich bei den Herren Leipzigern große Armſeligkeit und glaͤnzendes Elend. Sie tra- gen zwar ſeidne Struͤmpfe beim tiefſten Dreck, gehn wie die Tanzmeiſter pariſiſch: ſchleichen hundertmal des Tags vor den Fenſtern vorbei, wo ſie ein huͤb- ſches Geſicht wittern, und werden in den dritten Himmel entzuͤckt, wenn ihnen ein ſolches Geſicht freundlich zulaͤchelt: iſt das aber maͤnnliches Weſen, das den Hallenſer ſo kenntlich auszeichnet? — Sonſt iſt das l'Hombre-Spiel unter den Leipzigern ſehr ge- woͤhnlich. Zur Zeit der Meſſe muͤſſen die meiſten auf dem Boden unterm Dache, oder hinten neben dem Abtritt wohnen, weil zu dieſer Zeit ihre Stuben von Fremden bezogen werden. — Wenn die Hallenſer nach Leipzig kommen, ſo machen ſie da doch Figur, und jederman ſieht nach ihnen: wenn aber Leipziger ſich zu Halle einfinden, ſo werden ſie gar nicht be- merkt, wenigſtens nicht fuͤr Studenten angeſehen. — Uebrigens ſind die Herren gut zu Fuße, und koͤnnen taͤglich fuͤnf, ſechs, acht Meilen laufen. Doch ge- nug von dieſem Artikel.

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/153>, abgerufen am 24.02.2024.