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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792.

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Acht und zwanzigstes Kapitel.

Gar zur Seite eines gnädigen Fräuleins! Fernere Be-
gebenheiten zu Erfurt, Gotha, Hersfeld, Gießen, Frank-
furt am Mayn und Alzey. Ein Wink für Fürsten.



Früh wollte ich meine Reise fortsetzen, als ein
Kutscher hereintrat und Schnapps foderte. Wohin
die Reise, Schwager? "Nach Gotha!" -- So?
kann ich mitfahren? "Warum nicht: acht Groschen,
und Sie sitzen hinten auf." -- Ich pränumerirte,
und saß hinten auf. -- Wer sitzt denn da hinten?
fragte ein funfzigjähriges Fräulein. -- Ja, das
weis der liebe Gott, antwortete der Schwager: er
muß doch wohl einen Paß haben! er will ja durch
Erfurt. -- Es währte nicht lange, und Fräulein
mußte aussteigen: es war, wie Yorik sagt, rien que
pisser.
Ich stieg auch ab, und steckte meine Pfeiffe
an. Da ließ sich das Fräulein mit mir ein ins Ge-
spräch: erzählte, daß sie ein Hoffraulein von Gotha
wäre, in Weimar Freunde besucht hatte, und daß
der junge Mosjeh, den sie bei sich hätte, Junker
Karl hieße. Ich belehrte sie jetzt auch von meinen
Umständen, und Fräulein, nach vielen "Herr Gott!
Herr Jesus!" gestattete mir, mit in der Kutsche

Acht und zwanzigſtes Kapitel.

Gar zur Seite eines gnaͤdigen Fraͤuleins! Fernere Be-
gebenheiten zu Erfurt, Gotha, Hersfeld, Gießen, Frank-
furt am Mayn und Alzey. Ein Wink fuͤr Fuͤrſten.



Fruͤh wollte ich meine Reiſe fortſetzen, als ein
Kutſcher hereintrat und Schnapps foderte. Wohin
die Reiſe, Schwager? „Nach Gotha!“ — So?
kann ich mitfahren? „Warum nicht: acht Groſchen,
und Sie ſitzen hinten auf.“ — Ich praͤnumerirte,
und ſaß hinten auf. — Wer ſitzt denn da hinten?
fragte ein funfzigjaͤhriges Fraͤulein. — Ja, das
weis der liebe Gott, antwortete der Schwager: er
muß doch wohl einen Paß haben! er will ja durch
Erfurt. — Es waͤhrte nicht lange, und Fraͤulein
mußte ausſteigen: es war, wie Yorik ſagt, rien que
piſſer.
Ich ſtieg auch ab, und ſteckte meine Pfeiffe
an. Da ließ ſich das Fraͤulein mit mir ein ins Ge-
ſpraͤch: erzaͤhlte, daß ſie ein Hoffraulein von Gotha
waͤre, in Weimar Freunde beſucht hatte, und daß
der junge Mosjeh, den ſie bei ſich haͤtte, Junker
Karl hieße. Ich belehrte ſie jetzt auch von meinen
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[326[336]/0338] Acht und zwanzigſtes Kapitel. Gar zur Seite eines gnaͤdigen Fraͤuleins! Fernere Be- gebenheiten zu Erfurt, Gotha, Hersfeld, Gießen, Frank- furt am Mayn und Alzey. Ein Wink fuͤr Fuͤrſten. Fruͤh wollte ich meine Reiſe fortſetzen, als ein Kutſcher hereintrat und Schnapps foderte. Wohin die Reiſe, Schwager? „Nach Gotha!“ — So? kann ich mitfahren? „Warum nicht: acht Groſchen, und Sie ſitzen hinten auf.“ — Ich praͤnumerirte, und ſaß hinten auf. — Wer ſitzt denn da hinten? fragte ein funfzigjaͤhriges Fraͤulein. — Ja, das weis der liebe Gott, antwortete der Schwager: er muß doch wohl einen Paß haben! er will ja durch Erfurt. — Es waͤhrte nicht lange, und Fraͤulein mußte ausſteigen: es war, wie Yorik ſagt, rien que piſſer. Ich ſtieg auch ab, und ſteckte meine Pfeiffe an. Da ließ ſich das Fraͤulein mit mir ein ins Ge- ſpraͤch: erzaͤhlte, daß ſie ein Hoffraulein von Gotha waͤre, in Weimar Freunde beſucht hatte, und daß der junge Mosjeh, den ſie bei ſich haͤtte, Junker Karl hieße. Ich belehrte ſie jetzt auch von meinen Umſtaͤnden, und Fraͤulein, nach vielen „Herr Gott! Herr Jeſus!“ geſtattete mir, mit in der Kutſche

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 2. Halle, 1792, S. 326[336]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben02_1792/338>, abgerufen am 14.04.2021.