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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 3. Leipzig, 1796.

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Die Geschichte beweiset überdieß den ewigen
Zirkel der Dinge. Kultur und Barbarey folgen
aufeinander wechselsweise, zum Beweise des gro-
ßen Satzes: daß nichts neues geschehe unter der
Sonne! Daher ist sie auch die ergiebigste Quelle
aller moralischen und politischen Bemerkungen,
und der rechte magische Spiegel, woraus der den-
kende Kopf weissagen kann für die Zukunft. Doch
wo gerathe ich hin! Ich will meine Begebenheiten
erzählen, und schweife in Behauptungen aus, die
mir die Ungnade der Herren Recensenten, welche
sich nun einmal für gedachte Systeme erklärt haben,
nothwendig zuziehen müssen.

Acht und zwanzigstes Kapitel.

Unser Zug über den Rhein.



Den 21ten März brachen wir endlich auf,
und marschirten abwärts, um den Rhein bey Caub
zu passiren. In Wisbaden, wo wir Rasttag hielten,
lernte ich den Hn. R. Rath Neidhardt kennen,
einen trefflichen Mann, und gelehrten Philologen,
welcher sich mehr mit der griechischen und römi-
schen Litteratur, als mit der Juristerey abgiebt,
und doch im Rufe eines großen Rechtsgelehrten

Die Geſchichte beweiſet uͤberdieß den ewigen
Zirkel der Dinge. Kultur und Barbarey folgen
aufeinander wechſelsweiſe, zum Beweiſe des gro-
ßen Satzes: daß nichts neues geſchehe unter der
Sonne! Daher iſt ſie auch die ergiebigſte Quelle
aller moraliſchen und politiſchen Bemerkungen,
und der rechte magiſche Spiegel, woraus der den-
kende Kopf weiſſagen kann fuͤr die Zukunft. Doch
wo gerathe ich hin! Ich will meine Begebenheiten
erzaͤhlen, und ſchweife in Behauptungen aus, die
mir die Ungnade der Herren Recenſenten, welche
ſich nun einmal fuͤr gedachte Syſteme erklaͤrt haben,
nothwendig zuziehen muͤſſen.

Acht und zwanzigſtes Kapitel.

Unſer Zug uͤber den Rhein.



Den 21ten Maͤrz brachen wir endlich auf,
und marſchirten abwaͤrts, um den Rhein bey Caub
zu paſſiren. In Wisbaden, wo wir Raſttag hielten,
lernte ich den Hn. R. Rath Neidhardt kennen,
einen trefflichen Mann, und gelehrten Philologen,
welcher ſich mehr mit der griechiſchen und roͤmi-
ſchen Litteratur, als mit der Juriſterey abgiebt,
und doch im Rufe eines großen Rechtsgelehrten

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[317/0329] Die Geſchichte beweiſet uͤberdieß den ewigen Zirkel der Dinge. Kultur und Barbarey folgen aufeinander wechſelsweiſe, zum Beweiſe des gro- ßen Satzes: daß nichts neues geſchehe unter der Sonne! Daher iſt ſie auch die ergiebigſte Quelle aller moraliſchen und politiſchen Bemerkungen, und der rechte magiſche Spiegel, woraus der den- kende Kopf weiſſagen kann fuͤr die Zukunft. Doch wo gerathe ich hin! Ich will meine Begebenheiten erzaͤhlen, und ſchweife in Behauptungen aus, die mir die Ungnade der Herren Recenſenten, welche ſich nun einmal fuͤr gedachte Syſteme erklaͤrt haben, nothwendig zuziehen muͤſſen. Acht und zwanzigſtes Kapitel. Unſer Zug uͤber den Rhein. Den 21ten Maͤrz brachen wir endlich auf, und marſchirten abwaͤrts, um den Rhein bey Caub zu paſſiren. In Wisbaden, wo wir Raſttag hielten, lernte ich den Hn. R. Rath Neidhardt kennen, einen trefflichen Mann, und gelehrten Philologen, welcher ſich mehr mit der griechiſchen und roͤmi- ſchen Litteratur, als mit der Juriſterey abgiebt, und doch im Rufe eines großen Rechtsgelehrten

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 3. Leipzig, 1796, S. 317. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben03_1796/329>, abgerufen am 01.03.2024.