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Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 4,1. Leipzig, 1797.

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Es war auch sonst eine Inquisition zu Avignon,
welche aber, wie man mir berichtet hat, niemanden
zum Tode verurtheilte, doch aber über Büchercensur
und andre ähnliche Fratzen zu sagen hatte. Auch
diese fand in der Revolution natürlich ihr Ende.

Da die Bürger zu Avignon sich dem Papste
entzogen hatten, so zernichteten sie auch alles, was
an dessen Regierung erinnern konnte. Der Thron,
worauf die alten Päpste gesessen waren, wurde
vom Pöbel zerschlagen, ihre Grabmäler gänzlich
zerstöhrt, und ihre Knochenreste hingeschmissen.
Die vortrefflichen Gemälde und die Inschriften, wel-
che hier und da zusehen waren, und wovon die Reise-
beschreiber so viel berichten, sind alle nicht mehr.
Auch hier sind die Franzosen ihrem Grundsatze treu
geblieben: daß man alle Symbole der politischen
und religiösen Tyranney zernichten müsse, gesezt
auch, man müßte die größten Meisterstücke mitzer-
nichten, wenn man anders die von dieser und jener
Tyranney herkommenden Uebel aus der Wurzel hei-
len wolle.

In der ehemaligen Franziskaner Kirche ist das
Grab der berühmten Laura, welche Petrarca's
Muse unsterblich gemacht hat. *) Man wies mir

*) In der fünften Sammlung von Herders Briefen zur Be-
förderung der Humanität finden diejenigen, welche den Pe-
trarca noch nicht gehörig kennen, schon genug, um diesen
seltnen Geist zu bewundern und zu achten.

Es war auch ſonſt eine Inquiſition zu Avignon,
welche aber, wie man mir berichtet hat, niemanden
zum Tode verurtheilte, doch aber uͤber Buͤchercenſur
und andre aͤhnliche Fratzen zu ſagen hatte. Auch
dieſe fand in der Revolution natuͤrlich ihr Ende.

Da die Buͤrger zu Avignon ſich dem Papſte
entzogen hatten, ſo zernichteten ſie auch alles, was
an deſſen Regierung erinnern konnte. Der Thron,
worauf die alten Paͤpſte geſeſſen waren, wurde
vom Poͤbel zerſchlagen, ihre Grabmaͤler gaͤnzlich
zerſtoͤhrt, und ihre Knochenreſte hingeſchmiſſen.
Die vortrefflichen Gemaͤlde und die Inſchriften, wel-
che hier und da zuſehen waren, und wovon die Reiſe-
beſchreiber ſo viel berichten, ſind alle nicht mehr.
Auch hier ſind die Franzoſen ihrem Grundſatze treu
geblieben: daß man alle Symbole der politiſchen
und religioͤſen Tyranney zernichten muͤſſe, geſezt
auch, man muͤßte die groͤßten Meiſterſtuͤcke mitzer-
nichten, wenn man anders die von dieſer und jener
Tyranney herkommenden Uebel aus der Wurzel hei-
len wolle.

In der ehemaligen Franziskaner Kirche iſt das
Grab der beruͤhmten Laura, welche Petrarca's
Muſe unſterblich gemacht hat. *) Man wies mir

*) In der fünften Sammlung von Herders Briefen zur Be-
förderung der Humanität finden diejenigen, welche den Pe-
trarca noch nicht gehörig kennen, ſchon genug, um dieſen
ſeltnen Geiſt zu bewundern und zu achten.
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[397/0401] Es war auch ſonſt eine Inquiſition zu Avignon, welche aber, wie man mir berichtet hat, niemanden zum Tode verurtheilte, doch aber uͤber Buͤchercenſur und andre aͤhnliche Fratzen zu ſagen hatte. Auch dieſe fand in der Revolution natuͤrlich ihr Ende. Da die Buͤrger zu Avignon ſich dem Papſte entzogen hatten, ſo zernichteten ſie auch alles, was an deſſen Regierung erinnern konnte. Der Thron, worauf die alten Paͤpſte geſeſſen waren, wurde vom Poͤbel zerſchlagen, ihre Grabmaͤler gaͤnzlich zerſtoͤhrt, und ihre Knochenreſte hingeſchmiſſen. Die vortrefflichen Gemaͤlde und die Inſchriften, wel- che hier und da zuſehen waren, und wovon die Reiſe- beſchreiber ſo viel berichten, ſind alle nicht mehr. Auch hier ſind die Franzoſen ihrem Grundſatze treu geblieben: daß man alle Symbole der politiſchen und religioͤſen Tyranney zernichten muͤſſe, geſezt auch, man muͤßte die groͤßten Meiſterſtuͤcke mitzer- nichten, wenn man anders die von dieſer und jener Tyranney herkommenden Uebel aus der Wurzel hei- len wolle. In der ehemaligen Franziskaner Kirche iſt das Grab der beruͤhmten Laura, welche Petrarca's Muſe unſterblich gemacht hat. *) Man wies mir *) In der fünften Sammlung von Herders Briefen zur Be- förderung der Humanität finden diejenigen, welche den Pe- trarca noch nicht gehörig kennen, ſchon genug, um dieſen ſeltnen Geiſt zu bewundern und zu achten.

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Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 4,1. Leipzig, 1797, S. 397. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben0401_1797/401>, abgerufen am 27.02.2024.