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Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 1. Leipzig u. a., 1775.

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XVII. Fragment. Physiognomische Uebungen
L.
Ein Kopf nach Piazetta.

Zieh erst die fatale Härte des linken Auges und der einen Seite der Nasen ab, und dann frage
dich: Jst diese Stirne ganz gemein? Das Licht auf der Wölbung der Stirne, der scharfe Augkno-
chen -- zeigt mir viel feinen Verstand; nicht einen offnen heitern philosophischen Kopf; weder einen
Ersinder des Schönen, noch einen Schöpfer des Guten! Aber einen tiefklugen, allenfalls kunst-
und fleißreichen Mann. Dieß bestätigt mir auch, nebst der Stellung, der ganze untere Theil des
Gesichts von der Nase an, besonders der Queereinschnitt mitten, und der Eindruck unten am Kinne.

Nachstehende Vignette ist etwas von dem Porträt des Franz Antonius Pagi, dessen
Gesicht einen sehr feinen, verständigen, planvollen Mann zeigt.

[Abbildung]
M. Ein
XVII. Fragment. Phyſiognomiſche Uebungen
L.
Ein Kopf nach Piazetta.

Zieh erſt die fatale Haͤrte des linken Auges und der einen Seite der Naſen ab, und dann frage
dich: Jſt dieſe Stirne ganz gemein? Das Licht auf der Woͤlbung der Stirne, der ſcharfe Augkno-
chen — zeigt mir viel feinen Verſtand; nicht einen offnen heitern philoſophiſchen Kopf; weder einen
Erſinder des Schoͤnen, noch einen Schoͤpfer des Guten! Aber einen tiefklugen, allenfalls kunſt-
und fleißreichen Mann. Dieß beſtaͤtigt mir auch, nebſt der Stellung, der ganze untere Theil des
Geſichts von der Naſe an, beſonders der Queereinſchnitt mitten, und der Eindruck unten am Kinne.

Nachſtehende Vignette iſt etwas von dem Portraͤt des Franz Antonius Pagi, deſſen
Geſicht einen ſehr feinen, verſtaͤndigen, planvollen Mann zeigt.

[Abbildung]
M. Ein
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[204/0292] XVII. Fragment. Phyſiognomiſche Uebungen L. Ein Kopf nach Piazetta. Zieh erſt die fatale Haͤrte des linken Auges und der einen Seite der Naſen ab, und dann frage dich: Jſt dieſe Stirne ganz gemein? Das Licht auf der Woͤlbung der Stirne, der ſcharfe Augkno- chen — zeigt mir viel feinen Verſtand; nicht einen offnen heitern philoſophiſchen Kopf; weder einen Erſinder des Schoͤnen, noch einen Schoͤpfer des Guten! Aber einen tiefklugen, allenfalls kunſt- und fleißreichen Mann. Dieß beſtaͤtigt mir auch, nebſt der Stellung, der ganze untere Theil des Geſichts von der Naſe an, beſonders der Queereinſchnitt mitten, und der Eindruck unten am Kinne. Nachſtehende Vignette iſt etwas von dem Portraͤt des Franz Antonius Pagi, deſſen Geſicht einen ſehr feinen, verſtaͤndigen, planvollen Mann zeigt. [Abbildung] M. Ein

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Zitationshilfe: Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 1. Leipzig u. a., 1775, S. 204. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente01_1775/292>, abgerufen am 26.02.2021.