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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Leben und Thaten der liefländischen Ordensmeister,
1417borg, Joh. Pfarrern zu Lemsel, und Joh. Brakel, Kirchherrn zu Sess-
wegen.

Der Erzbischof Wallenrod übertrug zu Costnitz in seinem und das Kapi-
tels Namen den Söhnen der hochgedachten Herren und Ritter von Tiesenhau-
sen,
namentlich Herren Engelbrecht und Peter, das Recht der gesamten Hand
oder Stamlehnsgerechtigkeit (beneficium coniunctae manus et fimultaneae inve-
stiturae
), wogegen sie sich ihrer Anforderung auf Kokenhausen nochmals
begaben.

Wallenrod kam nicht wieder nach Liefland. Denn nachdem der Papst
Joh. der XXIIIste auf dem Concilio abgesetzet und gefangen genommen war; so
beschlos die Versamlung, daß künftig kein Papst mehr gewehlet werden solle. Die
Cardinäle aber, die mit Gewalt einen Papst verlangten, wiedersprachen diesem
Schlus und zogen die Franzosen, Spanier und Longobarden auf ihre Seite.
Sie gewannen auch die Engländer, nachdem der standhafte Erzbischof Robert
von Salisbury gestorben war. Nun fehlte ihnen noch die Stimme der deut-
schen
Nation, welche vornemlich auf den rigischen Erzbischof und den Bischof zu
Chur in Graubündten ankamen. Allein die Cardinäle griffen diese beiden
Männer auf der schwächsten Seite an. Sie führten Wallenroden die ewigen
Verdrieslichkeiten der rigischen Erzbischöfe mit dem Orden zu Gemüthe, und
versprachen ihm das fette und ruhige Bistum Lüttich, der kleine Bischof zu
Chur aber Johannes Habundi, dem seine Bürger auch das Leben sauer mach-
ten, solte ein grosser Erzbischof zu Riga werden. Dadurch erhielten die Cardi-
näle ihren Willen, und Wallenrode beförderte die Wahl Martins des Vten
zum Papst b). Unsre Documente melden diese Begebenheiten ein Jahr früher,
als das hardtische Concilium Constantiense.

1418

Am 26sten Jenner gab Martin der Vte diesem Wallenrod samt den Bi-
schöfen von Passau und Brandenburg die Volmacht aus den Kirchengütern in
Deutschland den zugestandenen Zehnden für den Kaiser einzutreiben, derglei-
chen Befehl auch unterm 2ten May dessen Nachfolger und nunmehrigem Erzbi-
schof zu Riga Joh. Habundi übertragen wurde. Doch auf die Vorstellungen
der Deutschen gerieth dieser Befehl ins Stecken und kam zu keiner Volziehung.
Wallenrod gieng das Jahr darauf zu Lüttich mit Tode ab.

Der neue Papst las den Pohlen nach der greulichen Niedermetzelung der
Ordensbrüder in der tannebergischen Schlacht einen harten Text, und rieth
ihnen, künftig lieber ihre Sebel an den Türkenköpfen zu wetzen.

Die Städte Riga, Dörpt und Revel sandten ihre Abgeordneten nach
Lübeck, woselbst sie nebst vielen andern Botschaftern der Hanseestädte auf den
König von Dännemark warteten, bey dessen Aussenbleiben aber der Handlung
wegen unter andern Stücken auch diese ausmachten:

Zum ersten, niemand sol in 2 Städten zugleich Bürger seyn, auch nicht
Aelterman werden können, wenn er nicht aus einer Hanseestadt ist. Zum zweiten,
niemand sol ungefärbtes Tuch aufkaufen, und es anderwerts zu färben hinführen,

bey
b) Kojalowitz thut um diese Zeit S. 88, eines Herrmeisters Meldung, der Herman
geheissen, wie auch Cromer B. XVII von ihm schreibt, da doch vorher kein andrer
diesen Vornamen geführet als Balcke; welches ohne Zweifel aus einem Gedächtnis-
feler herrüret. Nach Strubiczens Bericht wurde Wallenrode ein Weltlicher, und
legte die geistliche Kleidung ab, worin er aber irret. Seinen Nachfolger Henning
Abundi,
nennet Kelch Johannes Harburdus, gewesenen Bischof in Curland,
so ebenfals unrichtig ist. Die Documente müssen uns hier | zn Wegweisern dienen, de-
nen wir auch gefolget. Die päpstliche Bestätigung von Martin dem Vten in 4ten
Jahr seiner Regierung 1421 entdecket uns klärlich, daß Joh. von Wallenrode Bischof
von Lüttich worden, und Johan vormaliger churischer Bischof zum rigischen
Erzbischof ernant worden, womit die Acta Concilii Constantiensis übereinstimmen.
Eine andre päpstliche Bestätigung ist zu Sevenne vom 9ten Jul. im ersten Jahr der
Regierung Martini unterzeichnet.

Leben und Thaten der lieflaͤndiſchen Ordensmeiſter,
1417borg, Joh. Pfarrern zu Lemſel, und Joh. Brakel, Kirchherrn zu Seſſ-
wegen.

Der Erzbiſchof Wallenrod uͤbertrug zu Coſtnitz in ſeinem und das Kapi-
tels Namen den Soͤhnen der hochgedachten Herren und Ritter von Tieſenhau-
ſen,
namentlich Herren Engelbrecht und Peter, das Recht der geſamten Hand
oder Stamlehnsgerechtigkeit (beneficium coniunctae manus et fimultaneae inve-
ſtiturae
), wogegen ſie ſich ihrer Anforderung auf Kokenhauſen nochmals
begaben.

Wallenrod kam nicht wieder nach Liefland. Denn nachdem der Papſt
Joh. der XXIIIſte auf dem Concilio abgeſetzet und gefangen genommen war; ſo
beſchlos die Verſamlung, daß kuͤnftig kein Papſt mehr gewehlet werden ſolle. Die
Cardinaͤle aber, die mit Gewalt einen Papſt verlangten, wiederſprachen dieſem
Schlus und zogen die Franzoſen, Spanier und Longobarden auf ihre Seite.
Sie gewannen auch die Englaͤnder, nachdem der ſtandhafte Erzbiſchof Robert
von Salisbury geſtorben war. Nun fehlte ihnen noch die Stimme der deut-
ſchen
Nation, welche vornemlich auf den rigiſchen Erzbiſchof und den Biſchof zu
Chur in Graubuͤndten ankamen. Allein die Cardinaͤle griffen dieſe beiden
Maͤnner auf der ſchwaͤchſten Seite an. Sie fuͤhrten Wallenroden die ewigen
Verdrieslichkeiten der rigiſchen Erzbiſchoͤfe mit dem Orden zu Gemuͤthe, und
verſprachen ihm das fette und ruhige Biſtum Luͤttich, der kleine Biſchof zu
Chur aber Johannes Habundi, dem ſeine Buͤrger auch das Leben ſauer mach-
ten, ſolte ein groſſer Erzbiſchof zu Riga werden. Dadurch erhielten die Cardi-
naͤle ihren Willen, und Wallenrode befoͤrderte die Wahl Martins des Vten
zum Papſt b). Unſre Documente melden dieſe Begebenheiten ein Jahr fruͤher,
als das hardtiſche Concilium Conſtantienſe.

1418

Am 26ſten Jenner gab Martin der Vte dieſem Wallenrod ſamt den Bi-
ſchoͤfen von Paſſau und Brandenburg die Volmacht aus den Kirchenguͤtern in
Deutſchland den zugeſtandenen Zehnden fuͤr den Kaiſer einzutreiben, derglei-
chen Befehl auch unterm 2ten May deſſen Nachfolger und nunmehrigem Erzbi-
ſchof zu Riga Joh. Habundi uͤbertragen wurde. Doch auf die Vorſtellungen
der Deutſchen gerieth dieſer Befehl ins Stecken und kam zu keiner Volziehung.
Wallenrod gieng das Jahr darauf zu Luͤttich mit Tode ab.

Der neue Papſt las den Pohlen nach der greulichen Niedermetzelung der
Ordensbruͤder in der tannebergiſchen Schlacht einen harten Text, und rieth
ihnen, kuͤnftig lieber ihre Sebel an den Tuͤrkenkoͤpfen zu wetzen.

Die Staͤdte Riga, Doͤrpt und Revel ſandten ihre Abgeordneten nach
Luͤbeck, woſelbſt ſie nebſt vielen andern Botſchaftern der Hanſeeſtaͤdte auf den
Koͤnig von Daͤnnemark warteten, bey deſſen Auſſenbleiben aber der Handlung
wegen unter andern Stuͤcken auch dieſe ausmachten:

Zum erſten, niemand ſol in 2 Staͤdten zugleich Buͤrger ſeyn, auch nicht
Aelterman werden koͤnnen, wenn er nicht aus einer Hanſeeſtadt iſt. Zum zweiten,
niemand ſol ungefaͤrbtes Tuch aufkaufen, und es anderwerts zu faͤrben hinfuͤhren,

bey
b) Kojalowitz thut um dieſe Zeit S. 88, eines Herrmeiſters Meldung, der Herman
geheiſſen, wie auch Cromer B. XVII von ihm ſchreibt, da doch vorher kein andrer
dieſen Vornamen gefuͤhret als Balcke; welches ohne Zweifel aus einem Gedaͤchtnis-
feler herruͤret. Nach Strubiczens Bericht wurde Wallenrode ein Weltlicher, und
legte die geiſtliche Kleidung ab, worin er aber irret. Seinen Nachfolger Henning
Abundi,
nennet Kelch Johannes Harburdus, geweſenen Biſchof in Curland,
ſo ebenfals unrichtig iſt. Die Documente muͤſſen uns hier | zn Wegweiſern dienen, de-
nen wir auch gefolget. Die paͤpſtliche Beſtaͤtigung von Martin dem Vten in 4ten
Jahr ſeiner Regierung 1421 entdecket uns klaͤrlich, daß Joh. von Wallenrode Biſchof
von Luͤttich worden, und Johan vormaliger churiſcher Biſchof zum rigiſchen
Erzbiſchof ernant worden, womit die Acta Concilii Conſtantienſis uͤbereinſtimmen.
Eine andre paͤpſtliche Beſtaͤtigung iſt zu Sevenne vom 9ten Jul. im erſten Jahr der
Regierung Martini unterzeichnet.
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[124/0142] Leben und Thaten der lieflaͤndiſchen Ordensmeiſter, borg, Joh. Pfarrern zu Lemſel, und Joh. Brakel, Kirchherrn zu Seſſ- wegen. 1417 Der Erzbiſchof Wallenrod uͤbertrug zu Coſtnitz in ſeinem und das Kapi- tels Namen den Soͤhnen der hochgedachten Herren und Ritter von Tieſenhau- ſen, namentlich Herren Engelbrecht und Peter, das Recht der geſamten Hand oder Stamlehnsgerechtigkeit (beneficium coniunctae manus et fimultaneae inve- ſtiturae), wogegen ſie ſich ihrer Anforderung auf Kokenhauſen nochmals begaben. Wallenrod kam nicht wieder nach Liefland. Denn nachdem der Papſt Joh. der XXIIIſte auf dem Concilio abgeſetzet und gefangen genommen war; ſo beſchlos die Verſamlung, daß kuͤnftig kein Papſt mehr gewehlet werden ſolle. Die Cardinaͤle aber, die mit Gewalt einen Papſt verlangten, wiederſprachen dieſem Schlus und zogen die Franzoſen, Spanier und Longobarden auf ihre Seite. Sie gewannen auch die Englaͤnder, nachdem der ſtandhafte Erzbiſchof Robert von Salisbury geſtorben war. Nun fehlte ihnen noch die Stimme der deut- ſchen Nation, welche vornemlich auf den rigiſchen Erzbiſchof und den Biſchof zu Chur in Graubuͤndten ankamen. Allein die Cardinaͤle griffen dieſe beiden Maͤnner auf der ſchwaͤchſten Seite an. Sie fuͤhrten Wallenroden die ewigen Verdrieslichkeiten der rigiſchen Erzbiſchoͤfe mit dem Orden zu Gemuͤthe, und verſprachen ihm das fette und ruhige Biſtum Luͤttich, der kleine Biſchof zu Chur aber Johannes Habundi, dem ſeine Buͤrger auch das Leben ſauer mach- ten, ſolte ein groſſer Erzbiſchof zu Riga werden. Dadurch erhielten die Cardi- naͤle ihren Willen, und Wallenrode befoͤrderte die Wahl Martins des Vten zum Papſt b). Unſre Documente melden dieſe Begebenheiten ein Jahr fruͤher, als das hardtiſche Concilium Conſtantienſe. Am 26ſten Jenner gab Martin der Vte dieſem Wallenrod ſamt den Bi- ſchoͤfen von Paſſau und Brandenburg die Volmacht aus den Kirchenguͤtern in Deutſchland den zugeſtandenen Zehnden fuͤr den Kaiſer einzutreiben, derglei- chen Befehl auch unterm 2ten May deſſen Nachfolger und nunmehrigem Erzbi- ſchof zu Riga Joh. Habundi uͤbertragen wurde. Doch auf die Vorſtellungen der Deutſchen gerieth dieſer Befehl ins Stecken und kam zu keiner Volziehung. Wallenrod gieng das Jahr darauf zu Luͤttich mit Tode ab. Der neue Papſt las den Pohlen nach der greulichen Niedermetzelung der Ordensbruͤder in der tannebergiſchen Schlacht einen harten Text, und rieth ihnen, kuͤnftig lieber ihre Sebel an den Tuͤrkenkoͤpfen zu wetzen. Die Staͤdte Riga, Doͤrpt und Revel ſandten ihre Abgeordneten nach Luͤbeck, woſelbſt ſie nebſt vielen andern Botſchaftern der Hanſeeſtaͤdte auf den Koͤnig von Daͤnnemark warteten, bey deſſen Auſſenbleiben aber der Handlung wegen unter andern Stuͤcken auch dieſe ausmachten: Zum erſten, niemand ſol in 2 Staͤdten zugleich Buͤrger ſeyn, auch nicht Aelterman werden koͤnnen, wenn er nicht aus einer Hanſeeſtadt iſt. Zum zweiten, niemand ſol ungefaͤrbtes Tuch aufkaufen, und es anderwerts zu faͤrben hinfuͤhren, bey b) Kojalowitz thut um dieſe Zeit S. 88, eines Herrmeiſters Meldung, der Herman geheiſſen, wie auch Cromer B. XVII von ihm ſchreibt, da doch vorher kein andrer dieſen Vornamen gefuͤhret als Balcke; welches ohne Zweifel aus einem Gedaͤchtnis- feler herruͤret. Nach Strubiczens Bericht wurde Wallenrode ein Weltlicher, und legte die geiſtliche Kleidung ab, worin er aber irret. Seinen Nachfolger Henning Abundi, nennet Kelch Johannes Harburdus, geweſenen Biſchof in Curland, ſo ebenfals unrichtig iſt. Die Documente muͤſſen uns hier | zn Wegweiſern dienen, de- nen wir auch gefolget. Die paͤpſtliche Beſtaͤtigung von Martin dem Vten in 4ten Jahr ſeiner Regierung 1421 entdecket uns klaͤrlich, daß Joh. von Wallenrode Biſchof von Luͤttich worden, und Johan vormaliger churiſcher Biſchof zum rigiſchen Erzbiſchof ernant worden, womit die Acta Concilii Conſtantienſis uͤbereinſtimmen. Eine andre paͤpſtliche Beſtaͤtigung iſt zu Sevenne vom 9ten Jul. im erſten Jahr der Regierung Martini unterzeichnet.

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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 124. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/142>, abgerufen am 14.04.2024.