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[Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753.

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Die II. Tabelle, von den Sigillen
uitatis Revaliensis. Zu andern Sigillen bedienet sich auch die Stadt dos dänischen sil-
hernen Kreuzes von Dannebrogge im rothen Felde. Das Wapen dieser Art decken
2 Strausfedern, eine rothe und eine silberne, die auf einem Helm ohne Krone stehen.
Beide Wapen hat die Stadt von Waldemaro den IIten, König von Dännemark,
erhalten, weswegen auch auf den ältesten über dem Schilde Waldemars gekröntes
Haupt zu sehen ist.

Narva. Das alte Stadtwapen ist ein Fisch, über welchem eine Krone schwebet. Cysse
von Rutenberg ertheilte ihr im Namen des Hochmeisters Paul Pelnitzer von Ruß-
dorff
1426 das Lilienkreuz, in dessen rechten und linken Oberwinkel 2 Rosen mit dem
Stengel herabhangen. König Johannes der IIIte in Schweden verliehe ihr den 22sten
Julii 1585 zum Wapen und Siegel ein im blauen Felde oben schiefgelegtes blosses Schwerdt,
auf dessen ieder Seite eine schwarze Karthaunenkugel lieget. Jn der Mitte des Schildes
siehet man 2 schwimmende Fische, unter den Fischen einen Sebel, der seine Spitze wie
das Schwerdt nach der rechten | Seite richtet, unter dem Sebel aber die dritte schwarze
Karthaunenkugel. Dieses Wapen befindet sich auch auf den narvischen Münzen unter
königlich schwedischer Regierung. Nach dem Wapenbuche der schwedischen Ritter-
schaft und des Adels von 1650 bestehet zwar das narvische Wapen in einem geviertem gekrön-
ten Schilde mit abwechselnder Burg und Schiesscharten, und zweien Kugeln, in
deren Mitte schräglinks eine Thurnierlanze durchgehet, deren Fähnlein das dänische
Kreuz führet und in dem linken Oberwinkel zu stehen komt; allein Kaiser Peter der Grosse
behielt das Wapen von 1585 bey, und verwandelte die schwarzen Kugeln in rothe Feuer-
kugeln, lies auch den Sebel mit der Spitze nach der linken Seite kehren.

Das Wapen der gegen über liegenden Festung Jvanogrod ist ein aus dem linken
Winkel schrägrechts fliessender Wasserstrom zwischen zwey Mauren mit Schies-
scharten.

Pernau. Eiu silbern Kreuz im blauen Felde, so von einem aus den Wolken herorragen-
den linken Arm gehalten wird. Die Wolken sind röthlichblau, der Arm hochroth, die
Handkrause weis, der Handschuh gelb, und dessen Stolpe silbern. Das Kreuz begleitet
ein silberner Schlüssel, der sein Schliesblat demselben zukehret.

Die Stadt Pernau führte in alten Zeiten den Namen Embeck, nach dem daran vorbey-
fliessenden Strome. Es beweiset solches nicht allein das oben angeführte mandrische
Privilegium Vellin vom 5ten April 1265, sondern auch ein anders von Jocken unterm 15ten
November 1318, wo es unter andern heist: Praedicta ciuitas Embeck, quae nunc Pernau
vocatur.
Und in dem grossen Hensereces von Epiphanias 1388 lieset man Pernova
von olderß Perona
oder Porona. Heut zu Tage ist die Stadt wohl befestiget, hat
einen bequemen Hafen und treibt gute Handlung mit Holz, Bretern, Korn und Lebens-
mitteln; nur müssen die neuern Erdbeschreibungen ihr keine Universität mehr beilegen,
weil schon um das Jahr 1709, da die Flamme des Krieges in vollem Brande war, die
Musen sich nach andern Universitäten, und sonderlich nach Schweden, wandten. Unter
denen ehemaligen Professoribus sol der Herr Wilde, als königlicher schwedischer Histo-
riographus, noch jetzo am Leben seyn.

Dörpt hies in alten Zeiten Tarbete, welches eben so viel ist als Tarabita, d. i. Thar,
hilf.

Das grössere Jnsiegel der Stadt zeiget eine rothe Burg mit 2 Thürmen, unter der
Mauer ein ofnes Thor, mit silbern Falgattern, unter demselben einen goldenen Stern,
unter dem Sterne einen blauen halben Mond. Auf dem Portal des Thers stehet ein Lö-
wenkopf, auf der Mauer liegen 3 blaue Kugeln, davon die mitlere grösser ist. Ueber
der Mauer liegt ein| silberner Schlüssel und ein natürlich gefärbtes Schwerdt mit golde-
nem Handgrif im Andreaskreuz. Ueber diesen schwebet eine goldene Krone. Das
kleinere Jnsiegel hat Schlüssel und Schwerdt mit darüber schwebender Krone allein.
Das Consistorialsecretum hat die Ruthe Aarons, in deren rechten Oberwinkel eine der
Ruthe zugewandte Krone sich befindet. Jn dem Diario der 1599 gehaltenen grossen Re-
visionscommißion ist am 24sten April beliebet worden, daß das Siegel des dörptischen
Landgerichts ein Greif seyn solle, der in der Vorderpfotel die in die Quer gelegten Spies-
se, als des Groskanzlers Zamoiski Wapen, halte.

Wenden. Diese ehemalige herrmeisterliche Residenz hat auf ihrem Siegel die Umschrift:
Sigillum Civitatis Vendensis, und zum Wapen eine Stadt im silbernen Felde; über dersel-
ben einen geharnischten Ordensbruder, der mit dem rechten Arm über dem Kopfe ein
Schwerdt, auf einigen Wapen aber einen krummen Sebel, mit dem linken unterwerts,
doch über dem Knie, einen Schild hält, und mit ausgesperten Beinen stehet. Die Füsse
ruhen auf 2 runden Thurmknöpfen zwischen 2 mit dem Ellenbogen gleich hohen Thurm-
spitzen, die ihre Wetterfähnlein haben. Mit den Beinen schliesset er 2 hinter dem

Stadt-

Die II. Tabelle, von den Sigillen
uitatis Revalienſis. Zu andern Sigillen bedienet ſich auch die Stadt dos daͤniſchen ſil-
hernen Kreuzes von Dannebrogge im rothen Felde. Das Wapen dieſer Art decken
2 Strausfedern, eine rothe und eine ſilberne, die auf einem Helm ohne Krone ſtehen.
Beide Wapen hat die Stadt von Waldemaro den IIten, Koͤnig von Daͤnnemark,
erhalten, weswegen auch auf den aͤlteſten uͤber dem Schilde Waldemars gekroͤntes
Haupt zu ſehen iſt.

Narva. Das alte Stadtwapen iſt ein Fiſch, uͤber welchem eine Krone ſchwebet. Cyſſe
von Rutenberg ertheilte ihr im Namen des Hochmeiſters Paul Pelnitzer von Ruß-
dorff
1426 das Lilienkreuz, in deſſen rechten und linken Oberwinkel 2 Roſen mit dem
Stengel herabhangen. Koͤnig Johannes der IIIte in Schweden verliehe ihr den 22ſten
Julii 1585 zum Wapen und Siegel ein im blauen Felde oben ſchiefgelegtes bloſſes Schwerdt,
auf deſſen ieder Seite eine ſchwarze Karthaunenkugel lieget. Jn der Mitte des Schildes
ſiehet man 2 ſchwimmende Fiſche, unter den Fiſchen einen Sebel, der ſeine Spitze wie
das Schwerdt nach der rechten | Seite richtet, unter dem Sebel aber die dritte ſchwarze
Karthaunenkugel. Dieſes Wapen befindet ſich auch auf den narviſchen Muͤnzen unter
koͤniglich ſchwediſcher Regierung. Nach dem Wapenbuche der ſchwediſchen Ritter-
ſchaft und des Adels von 1650 beſtehet zwar das narviſche Wapen in einem geviertem gekroͤn-
ten Schilde mit abwechſelnder Burg und Schiesſcharten, und zweien Kugeln, in
deren Mitte ſchraͤglinks eine Thurnierlanze durchgehet, deren Faͤhnlein das daͤniſche
Kreuz fuͤhret und in dem linken Oberwinkel zu ſtehen komt; allein Kaiſer Peter der Groſſe
behielt das Wapen von 1585 bey, und verwandelte die ſchwarzen Kugeln in rothe Feuer-
kugeln, lies auch den Sebel mit der Spitze nach der linken Seite kehren.

Das Wapen der gegen uͤber liegenden Feſtung Jvanogrod iſt ein aus dem linken
Winkel ſchraͤgrechts flieſſender Waſſerſtrom zwiſchen zwey Mauren mit Schies-
ſcharten.

Pernau. Eiu ſilbern Kreuz im blauen Felde, ſo von einem aus den Wolken herorragen-
den linken Arm gehalten wird. Die Wolken ſind roͤthlichblau, der Arm hochroth, die
Handkrauſe weis, der Handſchuh gelb, und deſſen Stolpe ſilbern. Das Kreuz begleitet
ein ſilberner Schluͤſſel, der ſein Schliesblat demſelben zukehret.

Die Stadt Pernau fuͤhrte in alten Zeiten den Namen Embeck, nach dem daran vorbey-
flieſſenden Strome. Es beweiſet ſolches nicht allein das oben angefuͤhrte mandriſche
Privilegium Vellin vom 5ten April 1265, ſondern auch ein anders von Jocken unterm 15ten
November 1318, wo es unter andern heiſt: Praedicta ciuitas Embeck, quae nunc Pernau
vocatur.
Und in dem groſſen Henſereces von Epiphanias 1388 lieſet man Pernova
von olderß Perona
oder Porona. Heut zu Tage iſt die Stadt wohl befeſtiget, hat
einen bequemen Hafen und treibt gute Handlung mit Holz, Bretern, Korn und Lebens-
mitteln; nur muͤſſen die neuern Erdbeſchreibungen ihr keine Univerſitaͤt mehr beilegen,
weil ſchon um das Jahr 1709, da die Flamme des Krieges in vollem Brande war, die
Muſen ſich nach andern Univerſitaͤten, und ſonderlich nach Schweden, wandten. Unter
denen ehemaligen Profeſſoribus ſol der Herr Wilde, als koͤniglicher ſchwediſcher Hiſto-
riographus, noch jetzo am Leben ſeyn.

Doͤrpt hies in alten Zeiten Tarbete, welches eben ſo viel iſt als Tarabita, d. i. Thar,
hilf.

Das groͤſſere Jnſiegel der Stadt zeiget eine rothe Burg mit 2 Thuͤrmen, unter der
Mauer ein ofnes Thor, mit ſilbern Falgattern, unter demſelben einen goldenen Stern,
unter dem Sterne einen blauen halben Mond. Auf dem Portal des Thers ſtehet ein Loͤ-
wenkopf, auf der Mauer liegen 3 blaue Kugeln, davon die mitlere groͤſſer iſt. Ueber
der Mauer liegt ein| ſilberner Schluͤſſel und ein natuͤrlich gefaͤrbtes Schwerdt mit golde-
nem Handgrif im Andreaskreuz. Ueber dieſen ſchwebet eine goldene Krone. Das
kleinere Jnſiegel hat Schluͤſſel und Schwerdt mit daruͤber ſchwebender Krone allein.
Das Conſiſtorialſecretum hat die Ruthe Aarons, in deren rechten Oberwinkel eine der
Ruthe zugewandte Krone ſich befindet. Jn dem Diario der 1599 gehaltenen groſſen Re-
viſionscommißion iſt am 24ſten April beliebet worden, daß das Siegel des doͤrptiſchen
Landgerichts ein Greif ſeyn ſolle, der in der Vorderpfotel die in die Quer gelegten Spieſ-
ſe, als des Groskanzlers Zamoiski Wapen, halte.

Wenden. Dieſe ehemalige herrmeiſterliche Reſidenz hat auf ihrem Siegel die Umſchrift:
Sigillum Civitatis Vendenſis, und zum Wapen eine Stadt im ſilbernen Felde; uͤber derſel-
ben einen geharniſchten Ordensbruder, der mit dem rechten Arm uͤber dem Kopfe ein
Schwerdt, auf einigen Wapen aber einen krummen Sebel, mit dem linken unterwerts,
doch uͤber dem Knie, einen Schild haͤlt, und mit ausgeſperten Beinen ſtehet. Die Fuͤſſe
ruhen auf 2 runden Thurmknoͤpfen zwiſchen 2 mit dem Ellenbogen gleich hohen Thurm-
ſpitzen, die ihre Wetterfaͤhnlein haben. Mit den Beinen ſchlieſſet er 2 hinter dem

Stadt-
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[310/0328] Die II. Tabelle, von den Sigillen uitatis Revalienſis. Zu andern Sigillen bedienet ſich auch die Stadt dos daͤniſchen ſil- hernen Kreuzes von Dannebrogge im rothen Felde. Das Wapen dieſer Art decken 2 Strausfedern, eine rothe und eine ſilberne, die auf einem Helm ohne Krone ſtehen. Beide Wapen hat die Stadt von Waldemaro den IIten, Koͤnig von Daͤnnemark, erhalten, weswegen auch auf den aͤlteſten uͤber dem Schilde Waldemars gekroͤntes Haupt zu ſehen iſt. Narva. Das alte Stadtwapen iſt ein Fiſch, uͤber welchem eine Krone ſchwebet. Cyſſe von Rutenberg ertheilte ihr im Namen des Hochmeiſters Paul Pelnitzer von Ruß- dorff 1426 das Lilienkreuz, in deſſen rechten und linken Oberwinkel 2 Roſen mit dem Stengel herabhangen. Koͤnig Johannes der IIIte in Schweden verliehe ihr den 22ſten Julii 1585 zum Wapen und Siegel ein im blauen Felde oben ſchiefgelegtes bloſſes Schwerdt, auf deſſen ieder Seite eine ſchwarze Karthaunenkugel lieget. Jn der Mitte des Schildes ſiehet man 2 ſchwimmende Fiſche, unter den Fiſchen einen Sebel, der ſeine Spitze wie das Schwerdt nach der rechten | Seite richtet, unter dem Sebel aber die dritte ſchwarze Karthaunenkugel. Dieſes Wapen befindet ſich auch auf den narviſchen Muͤnzen unter koͤniglich ſchwediſcher Regierung. Nach dem Wapenbuche der ſchwediſchen Ritter- ſchaft und des Adels von 1650 beſtehet zwar das narviſche Wapen in einem geviertem gekroͤn- ten Schilde mit abwechſelnder Burg und Schiesſcharten, und zweien Kugeln, in deren Mitte ſchraͤglinks eine Thurnierlanze durchgehet, deren Faͤhnlein das daͤniſche Kreuz fuͤhret und in dem linken Oberwinkel zu ſtehen komt; allein Kaiſer Peter der Groſſe behielt das Wapen von 1585 bey, und verwandelte die ſchwarzen Kugeln in rothe Feuer- kugeln, lies auch den Sebel mit der Spitze nach der linken Seite kehren. Das Wapen der gegen uͤber liegenden Feſtung Jvanogrod iſt ein aus dem linken Winkel ſchraͤgrechts flieſſender Waſſerſtrom zwiſchen zwey Mauren mit Schies- ſcharten. Pernau. Eiu ſilbern Kreuz im blauen Felde, ſo von einem aus den Wolken herorragen- den linken Arm gehalten wird. Die Wolken ſind roͤthlichblau, der Arm hochroth, die Handkrauſe weis, der Handſchuh gelb, und deſſen Stolpe ſilbern. Das Kreuz begleitet ein ſilberner Schluͤſſel, der ſein Schliesblat demſelben zukehret. Die Stadt Pernau fuͤhrte in alten Zeiten den Namen Embeck, nach dem daran vorbey- flieſſenden Strome. Es beweiſet ſolches nicht allein das oben angefuͤhrte mandriſche Privilegium Vellin vom 5ten April 1265, ſondern auch ein anders von Jocken unterm 15ten November 1318, wo es unter andern heiſt: Praedicta ciuitas Embeck, quae nunc Pernau vocatur. Und in dem groſſen Henſereces von Epiphanias 1388 lieſet man Pernova von olderß Perona oder Porona. Heut zu Tage iſt die Stadt wohl befeſtiget, hat einen bequemen Hafen und treibt gute Handlung mit Holz, Bretern, Korn und Lebens- mitteln; nur muͤſſen die neuern Erdbeſchreibungen ihr keine Univerſitaͤt mehr beilegen, weil ſchon um das Jahr 1709, da die Flamme des Krieges in vollem Brande war, die Muſen ſich nach andern Univerſitaͤten, und ſonderlich nach Schweden, wandten. Unter denen ehemaligen Profeſſoribus ſol der Herr Wilde, als koͤniglicher ſchwediſcher Hiſto- riographus, noch jetzo am Leben ſeyn. Doͤrpt hies in alten Zeiten Tarbete, welches eben ſo viel iſt als Tarabita, d. i. Thar, hilf. Das groͤſſere Jnſiegel der Stadt zeiget eine rothe Burg mit 2 Thuͤrmen, unter der Mauer ein ofnes Thor, mit ſilbern Falgattern, unter demſelben einen goldenen Stern, unter dem Sterne einen blauen halben Mond. Auf dem Portal des Thers ſtehet ein Loͤ- wenkopf, auf der Mauer liegen 3 blaue Kugeln, davon die mitlere groͤſſer iſt. Ueber der Mauer liegt ein| ſilberner Schluͤſſel und ein natuͤrlich gefaͤrbtes Schwerdt mit golde- nem Handgrif im Andreaskreuz. Ueber dieſen ſchwebet eine goldene Krone. Das kleinere Jnſiegel hat Schluͤſſel und Schwerdt mit daruͤber ſchwebender Krone allein. Das Conſiſtorialſecretum hat die Ruthe Aarons, in deren rechten Oberwinkel eine der Ruthe zugewandte Krone ſich befindet. Jn dem Diario der 1599 gehaltenen groſſen Re- viſionscommißion iſt am 24ſten April beliebet worden, daß das Siegel des doͤrptiſchen Landgerichts ein Greif ſeyn ſolle, der in der Vorderpfotel die in die Quer gelegten Spieſ- ſe, als des Groskanzlers Zamoiski Wapen, halte. Wenden. Dieſe ehemalige herrmeiſterliche Reſidenz hat auf ihrem Siegel die Umſchrift: Sigillum Civitatis Vendenſis, und zum Wapen eine Stadt im ſilbernen Felde; uͤber derſel- ben einen geharniſchten Ordensbruder, der mit dem rechten Arm uͤber dem Kopfe ein Schwerdt, auf einigen Wapen aber einen krummen Sebel, mit dem linken unterwerts, doch uͤber dem Knie, einen Schild haͤlt, und mit ausgeſperten Beinen ſtehet. Die Fuͤſſe ruhen auf 2 runden Thurmknoͤpfen zwiſchen 2 mit dem Ellenbogen gleich hohen Thurm- ſpitzen, die ihre Wetterfaͤhnlein haben. Mit den Beinen ſchlieſſet er 2 hinter dem Stadt-

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Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




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Zitationshilfe: [Lettus, Henricus]: Der Liefländischen Chronik Andrer Theil. Halle (Saale), 1753, S. 310. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lettus_chronik02_1753/328>, abgerufen am 29.02.2024.