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Lilienthal, Otto: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik. Berlin, 1889.

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26. An dem Auf- und Niederschlag brauchen nur die
Enden der Flügel teilzunehmen. Der nur tragende Flügelteil
kann wie beim Segeln unbeweglich bleiben.

27. Wenn nur die Flügelspitzen auf und nieder bewegt
werden, darf dieses nicht mit Hülfe eines Gelenkes geschehen,
weil der Flügel sonst einen schädlichen Knick erhielte, viel-
mehr muss der Ausschlag der Spitzen mit allmählichem Über-
gang sich bilden.

28. Zur Hervorrufung der Flügelschläge durch die Kraft
des Menschen müssten vor allem die Streckmuskeln der Beine
verwendet werden, und zwar nicht gleichzeitig, sondern ab-
wechselnd, aber möglichst so, dass der Tritt jedes einzelnen
Fusses einen Doppelschlag zur Folge hat.

29. Der Aufschlag könnte durch den Luftdruck selbst
bewirkt werden.

30. Die Aufschlagsarbeit des Luftdruckes wäre möglichst
in solchen federnden Teilen aufzusammeln, dass dieselbe beim
Niederschlag wieder zur Wirkung kommt und dadurch an
Niederschlagsarbeit gespart wird.


Dieses wären einige der Hauptgesichtspunkte, welche man
unter Anwendung der hier niedergelegten Theorieen zu befolgen
hätte.

Wenn man mit solchen Flügeln nun aber in den Wind
kommt, so können wir aus eigener Erfahrung darüber be-
richten, dass schwerlich jemand die Hebewirkung des Windes
sich so stark vorgestellt haben wird, wie er dann zu verspüren
Gelegenheit hat.

Ohne vorherige Übung reicht eben die menschliche Kraft
gar nicht aus, mit solchen Flügeln im Winde zu operieren.
Das erste Resultat wird daher das sein, dass der wohlberech-
nete und leicht gebaute Apparat nach dem ersten kräftigen
Windstoss zertrümmert wieder nach Hause getragen wird.

26. An dem Auf- und Niederschlag brauchen nur die
Enden der Flügel teilzunehmen. Der nur tragende Flügelteil
kann wie beim Segeln unbeweglich bleiben.

27. Wenn nur die Flügelspitzen auf und nieder bewegt
werden, darf dieses nicht mit Hülfe eines Gelenkes geschehen,
weil der Flügel sonst einen schädlichen Knick erhielte, viel-
mehr muſs der Ausschlag der Spitzen mit allmählichem Über-
gang sich bilden.

28. Zur Hervorrufung der Flügelschläge durch die Kraft
des Menschen müſsten vor allem die Streckmuskeln der Beine
verwendet werden, und zwar nicht gleichzeitig, sondern ab-
wechselnd, aber möglichst so, daſs der Tritt jedes einzelnen
Fuſses einen Doppelschlag zur Folge hat.

29. Der Aufschlag könnte durch den Luftdruck selbst
bewirkt werden.

30. Die Aufschlagsarbeit des Luftdruckes wäre möglichst
in solchen federnden Teilen aufzusammeln, daſs dieselbe beim
Niederschlag wieder zur Wirkung kommt und dadurch an
Niederschlagsarbeit gespart wird.


Dieses wären einige der Hauptgesichtspunkte, welche man
unter Anwendung der hier niedergelegten Theorieen zu befolgen
hätte.

Wenn man mit solchen Flügeln nun aber in den Wind
kommt, so können wir aus eigener Erfahrung darüber be-
richten, daſs schwerlich jemand die Hebewirkung des Windes
sich so stark vorgestellt haben wird, wie er dann zu verspüren
Gelegenheit hat.

Ohne vorherige Übung reicht eben die menschliche Kraft
gar nicht aus, mit solchen Flügeln im Winde zu operieren.
Das erste Resultat wird daher das sein, daſs der wohlberech-
nete und leicht gebaute Apparat nach dem ersten kräftigen
Windstoſs zertrümmert wieder nach Hause getragen wird.

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[181/0197] 26. An dem Auf- und Niederschlag brauchen nur die Enden der Flügel teilzunehmen. Der nur tragende Flügelteil kann wie beim Segeln unbeweglich bleiben. 27. Wenn nur die Flügelspitzen auf und nieder bewegt werden, darf dieses nicht mit Hülfe eines Gelenkes geschehen, weil der Flügel sonst einen schädlichen Knick erhielte, viel- mehr muſs der Ausschlag der Spitzen mit allmählichem Über- gang sich bilden. 28. Zur Hervorrufung der Flügelschläge durch die Kraft des Menschen müſsten vor allem die Streckmuskeln der Beine verwendet werden, und zwar nicht gleichzeitig, sondern ab- wechselnd, aber möglichst so, daſs der Tritt jedes einzelnen Fuſses einen Doppelschlag zur Folge hat. 29. Der Aufschlag könnte durch den Luftdruck selbst bewirkt werden. 30. Die Aufschlagsarbeit des Luftdruckes wäre möglichst in solchen federnden Teilen aufzusammeln, daſs dieselbe beim Niederschlag wieder zur Wirkung kommt und dadurch an Niederschlagsarbeit gespart wird. Dieses wären einige der Hauptgesichtspunkte, welche man unter Anwendung der hier niedergelegten Theorieen zu befolgen hätte. Wenn man mit solchen Flügeln nun aber in den Wind kommt, so können wir aus eigener Erfahrung darüber be- richten, daſs schwerlich jemand die Hebewirkung des Windes sich so stark vorgestellt haben wird, wie er dann zu verspüren Gelegenheit hat. Ohne vorherige Übung reicht eben die menschliche Kraft gar nicht aus, mit solchen Flügeln im Winde zu operieren. Das erste Resultat wird daher das sein, daſs der wohlberech- nete und leicht gebaute Apparat nach dem ersten kräftigen Windstoſs zertrümmert wieder nach Hause getragen wird.

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Zitationshilfe: Lilienthal, Otto: Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst. Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik. Berlin, 1889, S. 181. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lilienthal_vogelflug_1889/197>, abgerufen am 17.05.2021.