Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.beleydiget wird? Was soll ich dann darüber viel klagen / daß man das Vnrecht nicht leyden kan / daß wir voll Zorn lauffen / vnd mit rachgierigen Gedancken vmbgehen / so vns etwa zu nahe geschehen ist mit Worten oder mit Wercken. Erschreck doch Odu Christliche Seel vber diß Vnhey / vndII. Correctio. laß doch diß Vnkraut nit weiter wurtzeln in deiner Seelen. Wandelt wie es sich gebühret ewrem Beruff / darinnen jhr beruffen seyd / mit aller Demuth vnd Sanfftmuth / mit Gedult / vnnd vertraget einer den andern in der Liebe / vnd seyd fleissig zu halten die Einigkeit im Geist. Dazu soll dich bewegen / 1. die nahe Verwandnuß der ChristenCause moventes. vnter einander / wer ist der / den du anfeindest? Ists nicht der / in welchem das Ebenbild GOttes ernewert ist / gleich wie auch bey1. a conjunctione Christianorum. dir? Ists nicht der / welchem GOtt auff vnzehliche Weise seine Liebe beweiset? Ists nicht der / welchen der Sohn GOttes so thewer gehalten / daß er vmb seinet willen die höchste Marter außgestanden / vnd du liebest sein Verderben. Meinstu / daß es ein geringes sey Wiederwillen beweisen demselben / der mit dir ist ein Glied Christi / ein Erb vnd Kind deß himlischen Vatters? Dünckt dich ein geringes zu seyn / zu wüten in den geistlichen Leib Christi? Von den Verstorbenen pflegen wir noch wol das beste zu sagen / vnd der vorigen Vnbilligkeiten vergessen / weil wir die Hoffnung haben / sie seyn bey GOtt / vnd geniessen der Herrligkeit / derer wir erwarten. Warumb greiffen wir vns dann vntereinander so feindselig an / wann wir noch beysammen auff dem Wege seynd? Wie der Altvatter Jacob seine Söhne in Egypten sendet Brodt zu kauffen / vnd sie wieder vmbkehrten zu jhrem Vatter / gab jhnen Joseph jhr Bruder diese Vermahnung / zancket nicht auff dem Wege. Was meinstu? Solte es vnsers himlischen Bruders / deß lieben HErrn Jesus Wolgefallen seyn / so wir seine Brüder in vnserer Wanderschafft vns vntereinander beissen vnd fressen? Ge- beleydiget wird? Was soll ich dann darüber viel klagen / daß man das Vnrecht nicht leyden kan / daß wir voll Zorn lauffen / vnd mit rachgierigen Gedancken vmbgehen / so vns etwa zu nahe geschehen ist mit Worten oder mit Wercken. Erschreck doch Odu Christliche Seel vber diß Vnhey / vndII. Correctio. laß doch diß Vnkraut nit weiter wurtzeln in deiner Seelen. Wandelt wie es sich gebühret ewrem Beruff / darinnen jhr beruffen seyd / mit aller Demuth vnd Sanfftmuth / mit Gedult / vnnd vertraget einer den andern in der Liebe / vnd seyd fleissig zu halten die Einigkeit im Geist. Dazu soll dich bewegen / 1. die nahe Verwandnuß der ChristenCausę moventes. vnter einander / wer ist der / den du anfeindest? Ists nicht der / in welchem das Ebenbild GOttes ernewert ist / gleich wie auch bey1. à conjunctione Christianorum. dir? Ists nicht der / welchem GOtt auff vnzehliche Weise seine Liebe beweiset? Ists nicht der / welchen der Sohn GOttes so thewer gehalten / daß er vmb seinet willen die höchste Marter außgestanden / vnd du liebest sein Verderben. Meinstu / daß es ein geringes sey Wiederwillen beweisen demselben / der mit dir ist ein Glied Christi / ein Erb vnd Kind deß himlischen Vatters? Dünckt dich ein geringes zu seyn / zu wüten in den geistlichen Leib Christi? Von den Verstorbenen pflegen wir noch wol das beste zu sagen / vnd der vorigen Vnbilligkeiten vergessen / weil wir die Hoffnung haben / sie seyn bey GOtt / vnd geniessen der Herrligkeit / derer wir erwarten. Warumb greiffen wir vns dann vntereinander so feindselig an / wann wir noch beysammen auff dem Wege seynd? Wie der Altvatter Jacob seine Söhne in Egypten sendet Brodt zu kauffen / vnd sie wieder vmbkehrten zu jhrem Vatter / gab jhnen Joseph jhr Bruder diese Vermahnung / zancket nicht auff dem Wege. Was meinstu? Solte es vnsers himlischen Bruders / deß lieben HErrn Jesus Wolgefallen seyn / so wir seine Brüder in vnserer Wanderschafft vns vntereinander beissen vnd fressen? Ge- <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0383" n="367"/> beleydiget wird? Was soll ich dann darüber viel klagen / daß man das Vnrecht nicht leyden kan / daß wir voll Zorn lauffen / vnd mit rachgierigen Gedancken vmbgehen / so vns etwa zu nahe geschehen ist mit Worten oder mit Wercken.</p> <p>Erschreck doch Odu Christliche Seel vber diß Vnhey / vnd<note place="right">II. Correctio.</note> laß doch diß Vnkraut nit weiter wurtzeln in deiner Seelen. Wandelt wie es sich gebühret ewrem Beruff / darinnen jhr beruffen seyd / mit aller Demuth vnd Sanfftmuth / mit Gedult / vnnd vertraget einer den andern in der Liebe / vnd seyd fleissig zu halten die Einigkeit im Geist.</p> <p>Dazu soll dich bewegen / 1. die nahe Verwandnuß der Christen<note place="right">Causę moventes.</note> vnter einander / wer ist der / den du anfeindest? 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Wie der Altvatter Jacob seine Söhne in Egypten sendet Brodt zu kauffen / vnd sie wieder vmbkehrten zu jhrem Vatter / gab jhnen Joseph jhr Bruder diese Vermahnung / zancket nicht auff dem Wege. Was meinstu? Solte es vnsers himlischen Bruders / deß lieben HErrn Jesus Wolgefallen seyn / so wir seine Brüder in vnserer Wanderschafft vns vntereinander beissen vnd fressen? Ge- </p> </div> </body> </text> </TEI> [367/0383]
beleydiget wird? Was soll ich dann darüber viel klagen / daß man das Vnrecht nicht leyden kan / daß wir voll Zorn lauffen / vnd mit rachgierigen Gedancken vmbgehen / so vns etwa zu nahe geschehen ist mit Worten oder mit Wercken.
Erschreck doch Odu Christliche Seel vber diß Vnhey / vnd laß doch diß Vnkraut nit weiter wurtzeln in deiner Seelen. Wandelt wie es sich gebühret ewrem Beruff / darinnen jhr beruffen seyd / mit aller Demuth vnd Sanfftmuth / mit Gedult / vnnd vertraget einer den andern in der Liebe / vnd seyd fleissig zu halten die Einigkeit im Geist.
II. Correctio. Dazu soll dich bewegen / 1. die nahe Verwandnuß der Christen vnter einander / wer ist der / den du anfeindest? Ists nicht der / in welchem das Ebenbild GOttes ernewert ist / gleich wie auch bey dir? Ists nicht der / welchem GOtt auff vnzehliche Weise seine Liebe beweiset? Ists nicht der / welchen der Sohn GOttes so thewer gehalten / daß er vmb seinet willen die höchste Marter außgestanden / vnd du liebest sein Verderben. Meinstu / daß es ein geringes sey Wiederwillen beweisen demselben / der mit dir ist ein Glied Christi / ein Erb vnd Kind deß himlischen Vatters? Dünckt dich ein geringes zu seyn / zu wüten in den geistlichen Leib Christi? Von den Verstorbenen pflegen wir noch wol das beste zu sagen / vnd der vorigen Vnbilligkeiten vergessen / weil wir die Hoffnung haben / sie seyn bey GOtt / vnd geniessen der Herrligkeit / derer wir erwarten. Warumb greiffen wir vns dann vntereinander so feindselig an / wann wir noch beysammen auff dem Wege seynd? Wie der Altvatter Jacob seine Söhne in Egypten sendet Brodt zu kauffen / vnd sie wieder vmbkehrten zu jhrem Vatter / gab jhnen Joseph jhr Bruder diese Vermahnung / zancket nicht auff dem Wege. Was meinstu? Solte es vnsers himlischen Bruders / deß lieben HErrn Jesus Wolgefallen seyn / so wir seine Brüder in vnserer Wanderschafft vns vntereinander beissen vnd fressen? Ge-
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 367. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/383>, abgerufen am 06.08.2024. |


