Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894.

Bild:
<< vorherige Seite

mann, in G--W--G' wechselt umgekehrt dieselbe Waare zweimal
die Hände; sie vermittelt nur den Rückfluss des Geldes zu ihm.

Wenn z. B. das Kaufmannskapital 100 £, und der Kaufmann
kauft für diese 100 £ Waare, verkauft dann diese Waare zu 110 £,
so hat dies sein Kapital von 100 einen Umschlag gemacht, und
die Anzahl der Umschläge im Jahr hängt davon ab, wie oft diese
Bewegung G--W--G' im Jahr wiederholt wird.

Wir sehn hier ganz ab von den Kosten, die in der Differenz
zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis stecken mögen, da diese
Kosten an der Form, die wir hier zunächst zu betrachten haben,
gar nichts ändern.

Die Anzahl der Umschläge eines gegebnen Kaufmannskapitals
hat hier also durchaus Analogie mit der Wiederholung der Um-
läufe des Geldes als blosses Cirkulationsmittel. Wie derselbe
Thaler, der zehnmal umläuft, zehnmal seinen Werth in Waaren
kauft, so kauft dasselbe Geldkapital des Kaufmanns von 100 z. B.,
wenn es zehnmal umschlägt, zehnmal seinen Werth in Waaren oder
realisirt ein gesammtes Waarenkapital von zehnfachem Werth = 1000.
Der Unterschied ist aber der. Beim Umlauf des Geldes als Cir-
kulationsmittel ist es dasselbe Geldstück, das durch verschiedne
Hände läuft, also wiederholt dieselbe Funktion vollzieht und daher
durch die Geschwindigkeit des Umlaufs die Masse der umlaufenden
Geldstücke ersetzt. Aber bei dem Kaufmann ist es dasselbe Geld-
kapital, gleichgültig aus welchen Geldstücken zusammengesetzt,
derselbe Geldwerth, der wiederholt zum Betrag seines Werths
Waarenkapital kauft und verkauft, und daher in dieselbe Hand
wiederholt als G + DG, zu seinem Ausgangspunkt als Werth plus
Mehrwerth zurückfliesst. Dies charakterisirt seinen Umschlag als
Kapitalumschlag. Es entzieht der Cirkulation beständig mehr Geld
als es hineinwirft. Es versteht sich übrigens von selbst, dass mit
beschleunigtem Umschlag des kaufmännischen Kapitals (wo auch
die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel bei entwickeltem Kredit-
wesen überwiegt) auch dieselbe Geldmasse rascher umläuft.

Der wiederholte Umschlag des Waarenhandlungskapitals drückt
aber nie etwas andres aus als Wiederholung von Kaufen und Ver-
kaufen; während der wiederholte Umschlag des industriellen Kapi-
tals die Periodicität und die Erneuerung des gesammten Repro-
duktionsprocesses (worin der Konsumtionsprocess eingeschlossen)
ausdrückt. Dies erscheint dagegen für das Kaufmannskapital nur
als äussere Bedingung. Das industrielle Kapital muss beständig
Waaren auf den Markt werfen und sie ihm wieder entziehn, damit

mann, in G—W—G' wechselt umgekehrt dieselbe Waare zweimal
die Hände; sie vermittelt nur den Rückfluss des Geldes zu ihm.

Wenn z. B. das Kaufmannskapital 100 £, und der Kaufmann
kauft für diese 100 £ Waare, verkauft dann diese Waare zu 110 £,
so hat dies sein Kapital von 100 einen Umschlag gemacht, und
die Anzahl der Umschläge im Jahr hängt davon ab, wie oft diese
Bewegung G—W—G' im Jahr wiederholt wird.

Wir sehn hier ganz ab von den Kosten, die in der Differenz
zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis stecken mögen, da diese
Kosten an der Form, die wir hier zunächst zu betrachten haben,
gar nichts ändern.

Die Anzahl der Umschläge eines gegebnen Kaufmannskapitals
hat hier also durchaus Analogie mit der Wiederholung der Um-
läufe des Geldes als blosses Cirkulationsmittel. Wie derselbe
Thaler, der zehnmal umläuft, zehnmal seinen Werth in Waaren
kauft, so kauft dasselbe Geldkapital des Kaufmanns von 100 z. B.,
wenn es zehnmal umschlägt, zehnmal seinen Werth in Waaren oder
realisirt ein gesammtes Waarenkapital von zehnfachem Werth = 1000.
Der Unterschied ist aber der. Beim Umlauf des Geldes als Cir-
kulationsmittel ist es dasselbe Geldstück, das durch verschiedne
Hände läuft, also wiederholt dieselbe Funktion vollzieht und daher
durch die Geschwindigkeit des Umlaufs die Masse der umlaufenden
Geldstücke ersetzt. Aber bei dem Kaufmann ist es dasselbe Geld-
kapital, gleichgültig aus welchen Geldstücken zusammengesetzt,
derselbe Geldwerth, der wiederholt zum Betrag seines Werths
Waarenkapital kauft und verkauft, und daher in dieselbe Hand
wiederholt als G + ΔG, zu seinem Ausgangspunkt als Werth plus
Mehrwerth zurückfliesst. Dies charakterisirt seinen Umschlag als
Kapitalumschlag. Es entzieht der Cirkulation beständig mehr Geld
als es hineinwirft. Es versteht sich übrigens von selbst, dass mit
beschleunigtem Umschlag des kaufmännischen Kapitals (wo auch
die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel bei entwickeltem Kredit-
wesen überwiegt) auch dieselbe Geldmasse rascher umläuft.

Der wiederholte Umschlag des Waarenhandlungskapitals drückt
aber nie etwas andres aus als Wiederholung von Kaufen und Ver-
kaufen; während der wiederholte Umschlag des industriellen Kapi-
tals die Periodicität und die Erneuerung des gesammten Repro-
duktionsprocesses (worin der Konsumtionsprocess eingeschlossen)
ausdrückt. Dies erscheint dagegen für das Kaufmannskapital nur
als äussere Bedingung. Das industrielle Kapital muss beständig
Waaren auf den Markt werfen und sie ihm wieder entziehn, damit

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0321" n="287"/>
mann, in G&#x2014;W&#x2014;G' wechselt umgekehrt dieselbe Waare zweimal<lb/>
die Hände; sie vermittelt nur den Rückfluss des Geldes zu ihm.</p><lb/>
            <p>Wenn z. B. das Kaufmannskapital 100 <hi rendition="#i">£</hi>, und der Kaufmann<lb/>
kauft für diese 100 <hi rendition="#i">£</hi> Waare, verkauft dann diese Waare zu 110 <hi rendition="#i">£</hi>,<lb/>
so hat dies sein Kapital von 100 einen Umschlag gemacht, und<lb/>
die Anzahl der Umschläge im Jahr hängt davon ab, wie oft diese<lb/>
Bewegung G&#x2014;W&#x2014;G' im Jahr wiederholt wird.</p><lb/>
            <p>Wir sehn hier ganz ab von den Kosten, die in der Differenz<lb/>
zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis stecken mögen, da diese<lb/>
Kosten an der Form, die wir hier zunächst zu betrachten haben,<lb/>
gar nichts ändern.</p><lb/>
            <p>Die Anzahl der Umschläge eines gegebnen Kaufmannskapitals<lb/>
hat hier also durchaus Analogie mit der Wiederholung der Um-<lb/>
läufe des Geldes als blosses Cirkulationsmittel. Wie derselbe<lb/>
Thaler, der zehnmal umläuft, zehnmal seinen Werth in Waaren<lb/>
kauft, so kauft dasselbe Geldkapital des Kaufmanns von 100 z. B.,<lb/>
wenn es zehnmal umschlägt, zehnmal seinen Werth in Waaren oder<lb/>
realisirt ein gesammtes Waarenkapital von zehnfachem Werth = 1000.<lb/>
Der Unterschied ist aber der. Beim Umlauf des Geldes als Cir-<lb/>
kulationsmittel ist es dasselbe Geldstück, das durch verschiedne<lb/>
Hände läuft, also wiederholt dieselbe Funktion vollzieht und daher<lb/>
durch die Geschwindigkeit des Umlaufs die Masse der umlaufenden<lb/>
Geldstücke ersetzt. Aber bei dem Kaufmann ist es dasselbe Geld-<lb/>
kapital, gleichgültig aus welchen Geldstücken zusammengesetzt,<lb/>
derselbe Geldwerth, der wiederholt zum Betrag seines Werths<lb/>
Waarenkapital kauft und verkauft, und daher in dieselbe Hand<lb/>
wiederholt als G + <hi rendition="#i">&#x0394;</hi>G, zu seinem Ausgangspunkt als Werth plus<lb/>
Mehrwerth zurückfliesst. Dies charakterisirt seinen Umschlag als<lb/>
Kapitalumschlag. Es entzieht der Cirkulation beständig mehr Geld<lb/>
als es hineinwirft. Es versteht sich übrigens von selbst, dass mit<lb/>
beschleunigtem Umschlag des kaufmännischen Kapitals (wo auch<lb/>
die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel bei entwickeltem Kredit-<lb/>
wesen überwiegt) auch dieselbe Geldmasse rascher umläuft.</p><lb/>
            <p>Der wiederholte Umschlag des Waarenhandlungskapitals drückt<lb/>
aber nie etwas andres aus als Wiederholung von Kaufen und Ver-<lb/>
kaufen; während der wiederholte Umschlag des industriellen Kapi-<lb/>
tals die Periodicität und die Erneuerung des gesammten Repro-<lb/>
duktionsprocesses (worin der Konsumtionsprocess eingeschlossen)<lb/>
ausdrückt. Dies erscheint dagegen für das Kaufmannskapital nur<lb/>
als äussere Bedingung. Das industrielle Kapital muss beständig<lb/>
Waaren auf den Markt werfen und sie ihm wieder entziehn, damit<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[287/0321] mann, in G—W—G' wechselt umgekehrt dieselbe Waare zweimal die Hände; sie vermittelt nur den Rückfluss des Geldes zu ihm. Wenn z. B. das Kaufmannskapital 100 £, und der Kaufmann kauft für diese 100 £ Waare, verkauft dann diese Waare zu 110 £, so hat dies sein Kapital von 100 einen Umschlag gemacht, und die Anzahl der Umschläge im Jahr hängt davon ab, wie oft diese Bewegung G—W—G' im Jahr wiederholt wird. Wir sehn hier ganz ab von den Kosten, die in der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis stecken mögen, da diese Kosten an der Form, die wir hier zunächst zu betrachten haben, gar nichts ändern. Die Anzahl der Umschläge eines gegebnen Kaufmannskapitals hat hier also durchaus Analogie mit der Wiederholung der Um- läufe des Geldes als blosses Cirkulationsmittel. Wie derselbe Thaler, der zehnmal umläuft, zehnmal seinen Werth in Waaren kauft, so kauft dasselbe Geldkapital des Kaufmanns von 100 z. B., wenn es zehnmal umschlägt, zehnmal seinen Werth in Waaren oder realisirt ein gesammtes Waarenkapital von zehnfachem Werth = 1000. Der Unterschied ist aber der. Beim Umlauf des Geldes als Cir- kulationsmittel ist es dasselbe Geldstück, das durch verschiedne Hände läuft, also wiederholt dieselbe Funktion vollzieht und daher durch die Geschwindigkeit des Umlaufs die Masse der umlaufenden Geldstücke ersetzt. Aber bei dem Kaufmann ist es dasselbe Geld- kapital, gleichgültig aus welchen Geldstücken zusammengesetzt, derselbe Geldwerth, der wiederholt zum Betrag seines Werths Waarenkapital kauft und verkauft, und daher in dieselbe Hand wiederholt als G + ΔG, zu seinem Ausgangspunkt als Werth plus Mehrwerth zurückfliesst. Dies charakterisirt seinen Umschlag als Kapitalumschlag. Es entzieht der Cirkulation beständig mehr Geld als es hineinwirft. Es versteht sich übrigens von selbst, dass mit beschleunigtem Umschlag des kaufmännischen Kapitals (wo auch die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel bei entwickeltem Kredit- wesen überwiegt) auch dieselbe Geldmasse rascher umläuft. Der wiederholte Umschlag des Waarenhandlungskapitals drückt aber nie etwas andres aus als Wiederholung von Kaufen und Ver- kaufen; während der wiederholte Umschlag des industriellen Kapi- tals die Periodicität und die Erneuerung des gesammten Repro- duktionsprocesses (worin der Konsumtionsprocess eingeschlossen) ausdrückt. Dies erscheint dagegen für das Kaufmannskapital nur als äussere Bedingung. Das industrielle Kapital muss beständig Waaren auf den Markt werfen und sie ihm wieder entziehn, damit

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/321
Zitationshilfe: Marx, Karl: Das Kapital. Buch III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion. Kapitel I bis XXVIII. Hamburg, 1894, S. 287. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital0301_1894/321>, abgerufen am 12.04.2024.