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Meinhold, Wilhelm: Maria Schweidler die Bernsteinhexe. Berlin, 1843.

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Die Nacht nahm ich den Junker wieder bei mir,
aber als am andern Morgen kaum die Sonne auf --


Hiemit enden diese interessanten Mittheilungen, die
ich nicht die Absicht habe, mit eigenen Zuthaten zu ver¬
wässern. Meine Leser, und insonderheit meine schönen
Leserinnen mögen sich nun nach Gefallen das Glück dieses
vortrefflichen Paares weiter ausmalen.

Alle weiteren historischen Spuren seines Daseins wie
des Daseins des Pfarrers sind verschwunden, und nur
ein in die Wand der Kirche zu Mellenthin gefügter
Denkstein ist übrig geblieben, auf welchem der unver¬
gleichliche Junker mit seinem noch unvergleichlicheren
Weibe abgebildet ist, noch die "güldene Kettin mit dem
Konterfett des schwedischen Königs" auf seiner treuen
Brust. Beide scheinen kurz hinter einander gestorben
und in einem Sarge begraben zu sein. Denn im Kirch¬
gewölbe sieht man einen großen Doppelsarg in welchem,
der Tradition zufolge, sich auch eine goldene Kette von
unschätzbarem Werth befinden soll. Vor einigen 20 Jah¬
ren wollte der Gutsbesitzer v. M. welcher durch seine
unerhörte Verschwendung nahe an den Bettelstab ge¬
kommen war, diesen Sarg öffnen lassen um daraus
das kostbare Kleinod zu entwenden, aber er vermochte
es nicht. Wie durch einen mächtigen Zauber wurde

Die Nacht nahm ich den Junker wieder bei mir,
aber als am andern Morgen kaum die Sonne auf —


Hiemit enden dieſe intereſſanten Mittheilungen, die
ich nicht die Abſicht habe, mit eigenen Zuthaten zu ver¬
wäſſern. Meine Leſer, und inſonderheit meine ſchönen
Leſerinnen mögen ſich nun nach Gefallen das Glück dieſes
vortrefflichen Paares weiter ausmalen.

Alle weiteren hiſtoriſchen Spuren ſeines Daſeins wie
des Daſeins des Pfarrers ſind verſchwunden, und nur
ein in die Wand der Kirche zu Mellenthin gefügter
Denkſtein iſt übrig geblieben, auf welchem der unver¬
gleichliche Junker mit ſeinem noch unvergleichlicheren
Weibe abgebildet iſt, noch die „güldene Kettin mit dem
Konterfett des ſchwediſchen Königs" auf ſeiner treuen
Bruſt. Beide ſcheinen kurz hinter einander geſtorben
und in einem Sarge begraben zu ſein. Denn im Kirch¬
gewölbe ſieht man einen großen Doppelſarg in welchem,
der Tradition zufolge, ſich auch eine goldene Kette von
unſchätzbarem Werth befinden ſoll. Vor einigen 20 Jah¬
ren wollte der Gutsbeſitzer v. M. welcher durch ſeine
unerhörte Verſchwendung nahe an den Bettelſtab ge¬
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das koſtbare Kleinod zu entwenden, aber er vermochte
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[295/0311] Die Nacht nahm ich den Junker wieder bei mir, aber als am andern Morgen kaum die Sonne auf — Hiemit enden dieſe intereſſanten Mittheilungen, die ich nicht die Abſicht habe, mit eigenen Zuthaten zu ver¬ wäſſern. Meine Leſer, und inſonderheit meine ſchönen Leſerinnen mögen ſich nun nach Gefallen das Glück dieſes vortrefflichen Paares weiter ausmalen. Alle weiteren hiſtoriſchen Spuren ſeines Daſeins wie des Daſeins des Pfarrers ſind verſchwunden, und nur ein in die Wand der Kirche zu Mellenthin gefügter Denkſtein iſt übrig geblieben, auf welchem der unver¬ gleichliche Junker mit ſeinem noch unvergleichlicheren Weibe abgebildet iſt, noch die „güldene Kettin mit dem Konterfett des ſchwediſchen Königs" auf ſeiner treuen Bruſt. Beide ſcheinen kurz hinter einander geſtorben und in einem Sarge begraben zu ſein. Denn im Kirch¬ gewölbe ſieht man einen großen Doppelſarg in welchem, der Tradition zufolge, ſich auch eine goldene Kette von unſchätzbarem Werth befinden ſoll. Vor einigen 20 Jah¬ ren wollte der Gutsbeſitzer v. M. welcher durch ſeine unerhörte Verſchwendung nahe an den Bettelſtab ge¬ kommen war, dieſen Sarg öffnen laſſen um daraus das koſtbare Kleinod zu entwenden, aber er vermochte es nicht. Wie durch einen mächtigen Zauber wurde

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Zitationshilfe: Meinhold, Wilhelm: Maria Schweidler die Bernsteinhexe. Berlin, 1843, S. 295. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/meinhold_bernsteinhexe_1843/311>, abgerufen am 22.04.2024.