Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Milton, John: Das Verlohrne Paradies. Bd. 1. Übers. v. Justus Friedrich Wilhelm Zachariae. Altona, 1760.

Bild:
<< vorherige Seite


Vorbericht.

Milton ist unstreitig einer der größten Dichter. Sei-
ne Fehler so gar, die man ihm vorgeworfen, sind
von der Art, daß sie nur ein großer Geist be-
gehn konnte. Er wird nicht allein von seiner
eignen Nation angebetet, der man Geschmack und Einsicht gewiß
nicht absprechen wird, sondern jedes Volk, das mit den schönen
Wissenschaften nur einigermaßen bekannt ist, bewundert ihn, und
die Nachwelt läßt ihm alle die Gerechtigkeit wiederfahren, die ihm
seine eignen Zeitgenossen verweigert. Ungeachtet alles ungegrün-
deten Tadels, aller Versuche, ihn lächerlich zu machen, hat er doch
auch unter uns von jeher Leser und Beyfall gefunden. Den
größten Beyfall, das größte Lob hat er durch die Meßiade seines
glücklichen Nebenbuhlers erhalten.

Wir
2


Vorbericht.

Milton iſt unſtreitig einer der groͤßten Dichter. Sei-
ne Fehler ſo gar, die man ihm vorgeworfen, ſind
von der Art, daß ſie nur ein großer Geiſt be-
gehn konnte. Er wird nicht allein von ſeiner
eignen Nation angebetet, der man Geſchmack und Einſicht gewiß
nicht abſprechen wird, ſondern jedes Volk, das mit den ſchoͤnen
Wiſſenſchaften nur einigermaßen bekannt iſt, bewundert ihn, und
die Nachwelt laͤßt ihm alle die Gerechtigkeit wiederfahren, die ihm
ſeine eignen Zeitgenoſſen verweigert. Ungeachtet alles ungegruͤn-
deten Tadels, aller Verſuche, ihn laͤcherlich zu machen, hat er doch
auch unter uns von jeher Leſer und Beyfall gefunden. Den
groͤßten Beyfall, das groͤßte Lob hat er durch die Meßiade ſeines
gluͤcklichen Nebenbuhlers erhalten.

Wir
2
<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0011"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div type="preface">
        <head> <hi rendition="#b">Vorbericht.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">M</hi>ilton i&#x017F;t un&#x017F;treitig einer der gro&#x0364;ßten Dichter. Sei-<lb/>
ne Fehler &#x017F;o gar, die man ihm vorgeworfen, &#x017F;ind<lb/>
von der Art, daß &#x017F;ie nur ein großer Gei&#x017F;t be-<lb/>
gehn konnte. Er wird nicht allein von &#x017F;einer<lb/>
eignen Nation angebetet, der man Ge&#x017F;chmack und Ein&#x017F;icht gewiß<lb/>
nicht ab&#x017F;prechen wird, &#x017F;ondern jedes Volk, das mit den &#x017F;cho&#x0364;nen<lb/>
Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaften nur einigermaßen bekannt i&#x017F;t, bewundert ihn, und<lb/>
die Nachwelt la&#x0364;ßt ihm alle die Gerechtigkeit wiederfahren, die ihm<lb/>
&#x017F;eine eignen Zeitgeno&#x017F;&#x017F;en verweigert. Ungeachtet alles ungegru&#x0364;n-<lb/>
deten Tadels, aller Ver&#x017F;uche, ihn la&#x0364;cherlich zu machen, hat er doch<lb/>
auch unter uns von jeher Le&#x017F;er und Beyfall gefunden. Den<lb/>
gro&#x0364;ßten Beyfall, das gro&#x0364;ßte Lob hat er durch die Meßiade &#x017F;eines<lb/>
glu&#x0364;cklichen Nebenbuhlers erhalten.</p><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">2</fw>
        <fw place="bottom" type="catch">Wir</fw><lb/>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0011] Vorbericht. Milton iſt unſtreitig einer der groͤßten Dichter. Sei- ne Fehler ſo gar, die man ihm vorgeworfen, ſind von der Art, daß ſie nur ein großer Geiſt be- gehn konnte. Er wird nicht allein von ſeiner eignen Nation angebetet, der man Geſchmack und Einſicht gewiß nicht abſprechen wird, ſondern jedes Volk, das mit den ſchoͤnen Wiſſenſchaften nur einigermaßen bekannt iſt, bewundert ihn, und die Nachwelt laͤßt ihm alle die Gerechtigkeit wiederfahren, die ihm ſeine eignen Zeitgenoſſen verweigert. Ungeachtet alles ungegruͤn- deten Tadels, aller Verſuche, ihn laͤcherlich zu machen, hat er doch auch unter uns von jeher Leſer und Beyfall gefunden. Den groͤßten Beyfall, das groͤßte Lob hat er durch die Meßiade ſeines gluͤcklichen Nebenbuhlers erhalten. Wir 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/milton_paradies01_1760
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/milton_paradies01_1760/11
Zitationshilfe: Milton, John: Das Verlohrne Paradies. Bd. 1. Übers. v. Justus Friedrich Wilhelm Zachariae. Altona, 1760, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/milton_paradies01_1760/11>, abgerufen am 13.04.2021.