Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778.

Bild:
<< vorherige Seite

Also kann man der Mode
ich gern alles zu ersparen suchen was nur irgend zu erspa-
ren möglich ist.

Nathen Sie mir indessen was ich thun soll, meine Liebe,
aber bald, bald; denn ich muß doch endlich wohl meinem
Manne etwas antworten. Er sagt mir zwar nichts, und
wir gehen ganz höflich mit einander um. Aber wenn doch
ein recht Vertrauen wieder unter uns kommen soll: so mer-
ke ich wohl, ich muß die Materie einmahl recht aus dem
Grunde, und so mit ihm durchgehen, daß wir in unserm
Leben nicht nöthig haben, sie noch einmal zu behandeln ...
Also, bald bald; und rein von der Leber weg. Sie kennen
mich, und wissen, wie eifrig ich bin etc.

Amalie.


III.
Arabellens Antwort.

Wann Ihr lieber Herr Ihnen den Beutel verschließen,
und der Kaufmann nicht mehr borgen will: so weiß
ich weiter keinen Rath. Ihr Fall ist dann entschieden, und
die Frage ist nur blos, wie Sie mit Anstand fallen können?
Die sterbenden Helden, sagt man, wickeln sich in ihren
Mantel ein, um kein verzogenes Gesicht im Tode zu zeigen;
aber wie ein Frauenzimmer den Mund halten müsse, das
seinem Vergnügen entsagen soll, hierüber haben die Gelehr-
ten noch wenig bestimmtes gesagt.

Anfangs wollte ich Ihnen in dem Tone unser pedanti-
schen Sittenlehrer rathen, Sie mögten sich ganz ihren ehe-
lichen und mütterlichen Pflichten widmen, und der Mode
eine stolze Verachtung entgegen setzen. Wenn ich aber be-

dachte,

Alſo kann man der Mode
ich gern alles zu erſparen ſuchen was nur irgend zu erſpa-
ren moͤglich iſt.

Nathen Sie mir indeſſen was ich thun ſoll, meine Liebe,
aber bald, bald; denn ich muß doch endlich wohl meinem
Manne etwas antworten. Er ſagt mir zwar nichts, und
wir gehen ganz hoͤflich mit einander um. Aber wenn doch
ein recht Vertrauen wieder unter uns kommen ſoll: ſo mer-
ke ich wohl, ich muß die Materie einmahl recht aus dem
Grunde, und ſo mit ihm durchgehen, daß wir in unſerm
Leben nicht noͤthig haben, ſie noch einmal zu behandeln …
Alſo, bald bald; und rein von der Leber weg. Sie kennen
mich, und wiſſen, wie eifrig ich bin ꝛc.

Amalie.


III.
Arabellens Antwort.

Wann Ihr lieber Herr Ihnen den Beutel verſchließen,
und der Kaufmann nicht mehr borgen will: ſo weiß
ich weiter keinen Rath. Ihr Fall iſt dann entſchieden, und
die Frage iſt nur blos, wie Sie mit Anſtand fallen koͤnnen?
Die ſterbenden Helden, ſagt man, wickeln ſich in ihren
Mantel ein, um kein verzogenes Geſicht im Tode zu zeigen;
aber wie ein Frauenzimmer den Mund halten muͤſſe, das
ſeinem Vergnuͤgen entſagen ſoll, hieruͤber haben die Gelehr-
ten noch wenig beſtimmtes geſagt.

Anfangs wollte ich Ihnen in dem Tone unſer pedanti-
ſchen Sittenlehrer rathen, Sie moͤgten ſich ganz ihren ehe-
lichen und muͤtterlichen Pflichten widmen, und der Mode
eine ſtolze Verachtung entgegen ſetzen. Wenn ich aber be-

dachte,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0020" n="6"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Al&#x017F;o kann man der Mode</hi></fw><lb/>
ich gern alles zu er&#x017F;paren &#x017F;uchen was nur irgend zu er&#x017F;pa-<lb/>
ren mo&#x0364;glich i&#x017F;t.</p><lb/>
          <p>Nathen Sie mir inde&#x017F;&#x017F;en was ich thun &#x017F;oll, meine Liebe,<lb/>
aber bald, bald; denn ich muß doch endlich wohl meinem<lb/>
Manne etwas antworten. Er &#x017F;agt mir zwar nichts, und<lb/>
wir gehen ganz ho&#x0364;flich mit einander um. Aber wenn doch<lb/>
ein recht Vertrauen wieder unter uns kommen &#x017F;oll: &#x017F;o mer-<lb/>
ke ich wohl, ich muß die Materie einmahl recht aus dem<lb/>
Grunde, und &#x017F;o mit ihm durchgehen, daß wir in un&#x017F;erm<lb/>
Leben nicht no&#x0364;thig haben, &#x017F;ie noch einmal zu behandeln &#x2026;<lb/>
Al&#x017F;o, bald bald; und rein von der Leber weg. Sie kennen<lb/>
mich, und wi&#x017F;&#x017F;en, wie eifrig ich bin &#xA75B;c.</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">Amalie.</hi> </salute>
          </closer>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#aq">III.</hi><lb/> <hi rendition="#g">Arabellens Antwort.</hi> </head><lb/>
          <p>Wann Ihr lieber Herr Ihnen den Beutel ver&#x017F;chließen,<lb/>
und der Kaufmann nicht mehr borgen will: &#x017F;o weiß<lb/>
ich weiter keinen Rath. Ihr Fall i&#x017F;t dann ent&#x017F;chieden, und<lb/>
die Frage i&#x017F;t nur blos, wie Sie mit An&#x017F;tand fallen ko&#x0364;nnen?<lb/>
Die &#x017F;terbenden Helden, &#x017F;agt man, wickeln &#x017F;ich in ihren<lb/>
Mantel ein, um kein verzogenes Ge&#x017F;icht im Tode zu zeigen;<lb/>
aber wie ein Frauenzimmer den Mund halten mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, das<lb/>
&#x017F;einem Vergnu&#x0364;gen ent&#x017F;agen &#x017F;oll, hieru&#x0364;ber haben die Gelehr-<lb/>
ten noch wenig be&#x017F;timmtes ge&#x017F;agt.</p><lb/>
          <p>Anfangs wollte ich Ihnen in dem Tone un&#x017F;er pedanti-<lb/>
&#x017F;chen Sittenlehrer rathen, Sie mo&#x0364;gten &#x017F;ich ganz ihren ehe-<lb/>
lichen und mu&#x0364;tterlichen Pflichten widmen, und der Mode<lb/>
eine &#x017F;tolze Verachtung entgegen &#x017F;etzen. Wenn ich aber be-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">dachte,</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[6/0020] Alſo kann man der Mode ich gern alles zu erſparen ſuchen was nur irgend zu erſpa- ren moͤglich iſt. Nathen Sie mir indeſſen was ich thun ſoll, meine Liebe, aber bald, bald; denn ich muß doch endlich wohl meinem Manne etwas antworten. Er ſagt mir zwar nichts, und wir gehen ganz hoͤflich mit einander um. Aber wenn doch ein recht Vertrauen wieder unter uns kommen ſoll: ſo mer- ke ich wohl, ich muß die Materie einmahl recht aus dem Grunde, und ſo mit ihm durchgehen, daß wir in unſerm Leben nicht noͤthig haben, ſie noch einmal zu behandeln … Alſo, bald bald; und rein von der Leber weg. Sie kennen mich, und wiſſen, wie eifrig ich bin ꝛc. Amalie. III. Arabellens Antwort. Wann Ihr lieber Herr Ihnen den Beutel verſchließen, und der Kaufmann nicht mehr borgen will: ſo weiß ich weiter keinen Rath. Ihr Fall iſt dann entſchieden, und die Frage iſt nur blos, wie Sie mit Anſtand fallen koͤnnen? Die ſterbenden Helden, ſagt man, wickeln ſich in ihren Mantel ein, um kein verzogenes Geſicht im Tode zu zeigen; aber wie ein Frauenzimmer den Mund halten muͤſſe, das ſeinem Vergnuͤgen entſagen ſoll, hieruͤber haben die Gelehr- ten noch wenig beſtimmtes geſagt. Anfangs wollte ich Ihnen in dem Tone unſer pedanti- ſchen Sittenlehrer rathen, Sie moͤgten ſich ganz ihren ehe- lichen und muͤtterlichen Pflichten widmen, und der Mode eine ſtolze Verachtung entgegen ſetzen. Wenn ich aber be- dachte,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Für das DTA wurde die „Neue verbesserte und verme… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/20
Zitationshilfe: Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 3. 2. Aufl. Berlin, 1778, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien03_1778/20>, abgerufen am 16.04.2021.